Wie eine Kette aus Händen den Hunger stillen kann

Unglaublich, aber wahr!Der dritte Container aus Hamburg kommt am 22.02.2012 in Heraklion an. Gefüllt mit: sage und schreibe 16596 kg Futter- und Sachspenden für die Tiere hier auf Kreta. Ein Mittwoch, ich rufe am Morgen gleich die M-Shipping Company an. Alles gut, wir können kommen, um die Papiere klar zu machen. Bei mir im Kopf dreht sich alles, denn ich kenne die Griechen. Wenn sie nicht gerade mal wieder streiken, haben sie schon geschlossen oder sind ausnahmsweise nicht zu erreichen. Mir fällt ein, am Montag ist es hier der Rosen-, sprich Karneval. Wenn wir es diese Woche nicht schaffen, den Container zu entleeren und wieder am Hafen haben, kommen ca. 7 mal 100 €uro Standgebühr zu den Kosten hinzu. Maren will dieses Mal mitfahren, um mitzubekommen, wie dieses Loseisen eines Containers funktioniert. Also ist sie die Nächste, die ich anrufe und sie nur zu gern selbst zitiere: "Komm in die Hufe, aber fix!". "Okay, um 11 bei mir, ich muss noch duschen und auf jeden Fall um 16 Uhr wieder hier sein!" Los geht's.

Wie auf Schienen geleitet bringt uns ihr kleiner Fiat fix aber sicher zur MSC in Heraklion, unsere erste Adresse. Evi, die Vorzimmerdame, freut sich, uns zu sehen. Vier Minuten später sind wir mit noch mehr Zetteln bewaffnet auf dem Weg zur Zollagentur. Ich wusste es, denen kann man es nicht Recht machen. Beim ersten und zweiten Mal fehlte die Rechnung. Diesmal hatten wir sie, nur leider mit dem Vermerk "proforma invoice". Das fand Giorgos nun nicht mehr witzig. Außerdem fehlten angeblich die Steuernummern von der Arche und von Apal, also von uns. Nach einer 10minütigen Diskussion zwischen Maren und dem jungen, trotz allem freundlichen Herrn der Zollagentur einigten wir uns darauf "Beim nächsten Mal wird alles (noch) besser!" Ich saß da, verstand fast nur Bahnhof und überlegte so bei mir, wenn ich nur meine `Kleine Post` aus den ´60gern dabei hätte, oder eben mal kurz den unbesetzten Computer benutzen dürfte, mich an den vielen Stempeln oder an dem rumliegenden TIP-EX Roller vergreifen könnte...

Maren regelte das auf ihre Art. Giorgos wollte nicht verstehen, dass es für Geschenke (in unserem Fall Spenden) in der Regel keine Rechnung gibt und auch nicht, dass die auf dem Schein angegebene Steuernummer genau die von ihm gesuchte AFIMI Nummer ist. Er war allerdings bereit, noch einmal ein Auge zuzudrücken. Am Ende war alles gut, und Giorgos versprach, der Container stünde morgen, Donnerstag um 9:00 Uhr am Hafen zur Abholung bereit. Weiter zur Spedition, um den Rest zu regeln. Auch Popi, die Bürodame der Spedition Kapitanakis freute sich, mich wiederzusehen. Morgen um 10:30 Uhr sei der Container hier vor Ort zum Abladen bereit. HURRA! Es scheint zu klappen. Dann kam der Chef höchst persönlich dazu und verpasste uns gemeinsam mit Popi einen gepflegten Einlauf. SOOOHH wie beim letzten Mal ginge das aber nicht. Viel zu viele Leute, dazu noch Kinder, die nicht nur viel Krach gemacht und Unruhe gestiftet, sondern auch einigen Schaden angerichtet haben. Wir gelobten Besserung und sagten ihm zu, dass am Donnerstag zur Entladung des Containers nur vier Leute von uns da sein würden. Am Freitag, wenn die anderen Tierschützer der Insel ihre Futterspenden abholen sollten, würde einer von uns vor Ort sein ; und beide Augen aufhalten. Donnerstag, Punkt 11:00 Uhr standen Brigitte, Maren, Toni und ich vor der Halle und trauten unseren Augen nicht.

"Unser" 40`Container stand schon zum Ausladen bereit vor der Rampe. Genau eine Woche zuvor hatten wir uns zusammengesetzt, um anhand der Ladeliste des Containers, sowie den Angaben der Tierschützer über deren Anzahl der zu versorgenden Hunde und Katzen, das Futter so gerecht wie nur möglich zu verteilen. Nun ging es los! Der Chef persönlich fuhr den Truck millimetergenau an die Rampe, gab mir eine nach meinem Gefühl beim "Sägen" 100 Jahre alte Metallsäge und verschwand erst mal. Gemeinsam mit Toni haben wir die Plombe, die den Container vor unerlaubtem Zugriff geschützt hat, "gesprengt". Keine Stunde später war alles im Trockenen, aber lange noch nicht verteilt. Nach dem ganzen Ziehen, Zerren und Schleppen gönnte ich mir eine kurze Pause. Danach schoben Toni und ich diverse Paletten nach Anweisung von Maren und Brigitte von hier nach da. Alles wurde kontrolliert, beschriftet und zusammengestellt, jeder Verein bekam seinen Haufen. Irgendwann war plötzlich Stille. Brigitte guckt so komisch und ihr fiel die Kinnlade runter. Das vorhandene Katzentrockenfutter war schon nach den ersten drei Haufen verteilt. ; „Und was machen wir mit denen, die noch nix haben?" Irgendwie stimmten die angegebenen Zahlen nicht mit dem vorhandenen Futter überein. Oder wir hatten uns fürchterlich verzählt oder verrechnet. Die Zeit drängte. Es war bereits später Mittag. Zwei der Abholer sollten heute schon kommen, um ihre Futterspenden mitzunehmen und die Spedition macht um vier Uhr dicht. Dank Toni und seinen Nerven „wie Drahtseile“ gelang es uns, grob zu überschlagen, wieviel Kilo Futter insgesamt vorhanden war. Anhand der Zahlen der einzelnen Tierschutzpartner wurde im Eiltempo nochmal alles neu berechnet und verteilt. Hier muss soundsoviel weg und da hin, das da ; hierhin und dann noch da und hier ;

Es war mittlerweile 17 Uhr, aber es war gewuppt! Unser Anteil für Plakias auf einen von uns organisierten LKW verfrachtet, alles palettiert und beschriftet.(Und ich sach noch zu unserem LKW Fahrer und seinem Spannman: "Das geht schief mit einer 500 kg Palette samt Stapler auf den LKW zu fahren." Nix da! Ich hätte gerne Unrecht gehabt, aber der LKW war mit dieser Kombination überfordert. Er lag so schief, dass der Stapler aus eigener Kraft nicht mehr vom Laster kam. ; Aber auch das hat der Chef der Spedition Herr Kapitanakis mit Bravur und einem zweiten Stapler geregelt.) Der leere Container verließ noch am gleichen Tag den Hof. Hundemüde, aber mehr als zufrieden, stopften wir unsere restlichen Dinge in unsere Autos und fuhren gen Heimat, wo durch die nicht eingeplante Verspätung viele fleißige Hände vor unserer Ankunft den LKW von seiner Last befreit hatten und all die Spenden ins Trockene gebracht hatten.Uns bleibt noch Danke zu sagen, bei der MSCompany, dem Zoll und der Spedition. Dafür, dass sie mittlerweile verstanden haben, wozu und für was wir diese Mühen immer wieder auf uns nehmen. Sie stehen mittlerweile hinter uns, unterstützen uns wo sie nur können, drücken das eine oder andere Auge zu, weil sie wissen, dass all die fleißigen Helfer den Tieren helfen, denen es nicht möglich ist, sich selbst zu helfen.Unser größter Dank geht im Namen aller an Dich, Sigurd, denn ohne Deinen Einsatz, Deinen Ehrgeiz, Deine Kraft, die Du in jedes Gramm ; Spende investierst, diese Hilfe nie hier angekommen wäre, die Arche Noah, die wieder einmal einen großen Teil der Kosten übernommen hatund an Sie, liebe Spender, dafür dass sie nicht müde werden, unseren Tieren zu helfen ; und Spenden zu schicken, für den nächsten Container.
Text: Jürgen Wollschläger


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