meta property="og:image" content="https://tieraerztepool.de/images/people/portraits/malte-machat.jpg"/>
 

Malte Machat

Moin, ich bin Malte.
Wer die Berichte über den Umbau vom neuen New Life Resort (NLR) gelesen hat, wird schon mal etwas von mir gehört haben.
Jetzt stelle ich mich noch einmal für alle selbst vor. Ich bin 23 Jahre jung, lebe zurzeit in Dithmarschen und arbeite als Elektroniker in Hamburg. Dithmarschen ist da, wo der Regen waagerecht fällt, Windstärken bis 10 noch als Böen gelten und der Sommer an einem Wochenende stattfindet, also hoch oben im Norden. Nun stellt man sich vielleicht die Frage, wie ein weißes Nordlicht in den Süden kommt und was Elektrotechnik mit Tierschutz zu tun hat? Erst einmal gar nichts.

Beim zweiten Hinsehen allerdings doch etwas: Es gibt beim Tierärztepool etliche elektrische Gerätschaften, die die Tierärzte für die Operationen brauchen. OP-Lampen, Sterilisatoren, Schermaschinen uvm. Alles Sachen, die ständig in Gebrauch sind. Ich habe mir schon mehrmals ein Bild von so einem Kastrationstag machen können und miterlebt, wie dort gearbeitet wird. Das Equipment hat genauso wenig Zeit für Pausen, wie die operierenden Ärzte. Es beginnt früh am Morgen, und erst spät in der Nacht wird der Strom ausgeschaltet. Bis dahin ist alles unter Dauerbelastung.
Geht etwas kaputt, muss es repariert oder neu angeschafft werden. Thomas hat irgendwann angefangen, Reserven anzulegen, denn ein Einsatz darf nicht fehlschlagen, weil beispielsweise eine Schermaschine defekt ist. Das Reparieren war bisher stets mit langen Wartezeiten verbunden, denn die Sachen müssen eingeschickt werden und bis sie wieder da sind, können Wochen vergehen. Außerdem ist dies immer teuer, obwohl manches Mal nur ein kleines Teil seinen Geist aufgegeben hat.

Zur Arche bin ich über Thomas gekommen. Ich war knapp zwei Jahre sein Nachbar. Ich lernte ihn kennen weil ich einen Unterstellplatz für mein Motorrad suchte. Meine Vermieter hatten den Kontakt hergestellt. Thomas kam gerade von einem Einsatz auf Kreta wieder, als ich ihn das erste Mal traf. Ich schilderte ihm mein Problem und wir fanden eine Lösung. Es war ein wenig Platz in seiner kleinen Garage, die mit Transportboxen, Futter und anderen Spenden voll gestellt war.

Ich fragte ihn wozu er die ganzen Sachen brauche. Er erzählte mir von der Arbeit, die die Arche auf Kreta macht. Ich war begeistert! Dann hörte ich auch zum ersten Mal von den Missständen in der Tierhaltung in Deutschland. Thomas hatte mit vielen Dingen einfach Recht. Ich entschloss mich, einen vegetarischen Versuch zu starten. Er hält bis heute. Alles im Archeteam gefiel mir und ich fragte ihn ob ich mich mit meinen Kenntnissen irgendwie einbringen könnte. Spontan fiel ihm nichts ein, aber ein paar Tage später stand er mit einer kaputten OP-Lampe vor meiner Tür. Er fragte ob ich sie heil machen könne? „Klar“, sagte ich und am nächsten Morgen funktionierte sie wieder. So fing es an...

Thomas und ich hatten uns auch privat angefreundet. Ich kümmere mich seitdem um das technische Equipment. Fahre aber auch Hunde zu Pflegestellen oder sammle andere Sachspenden ein. Einmal fragte Thomas mich ob ich nicht für die Arche drei Welpen, die er von Kreta mitbrachte, nach Nürnberg zur Pflegestelle fahren könnte. Ich sagte: „klar kein Problem!“. Wir machten aus, dass ich um fünf Uhr morgens starte. Zuvor wollte Thomas die Welpen fertig machen. Sprich füttern, Gassi gehen und die Transportbox vorbereiten. Eigentlich kein Problem, Thomas ist ein Frühaufsteher. Nur an diesem Morgen nicht, er kam den Abend davor gerade von Kreta wieder. Es war bestimmt wieder ein kraftraubender Einsatz. Da ich aber starten musste um rechtzeitig wieder zurück zu kommen, entschloss ich mich, ihn zu wecken. Die Haustür war offen, mit einer Taschenlampe bewaffnet ging ich in sein Schlafzimmer. Ich weckte ihn in dem ich in seinen Zeh kniff und ihm die Taschenlampe genau in die Augen hielt. Er schreckte auf! Als er wach war sagte er zu mir: „Malte, du kannst froh sein das ich keine Kampfsportart kann, sonst wärst du jetzt einen Kopf kürzer“. Er muss sich tierisch erschrocken haben. Als wir die Welpen fertig hatten fuhr ich los. Um 23:30 Uhr war ich wieder zurück.

Als ich hörte, dass auf Kreta ein Hundehaus umgebaut, besser gesagt, neu aufgebaut werden sollte, stellte ich Thomas meine Arbeitskraft ehrenamtlich zur Seite. Er kennt meine handwerklichen Fähigkeiten außerhalb der Elektronik und war um jede arbeitende Hand dankbar.

Mein jüngster Einsatz endet gerade während ich diesen Bericht schreibe. Ich sitze im Flugzeug zurück nach Hamburg. Wir sind nicht fertig geworden, dafür war das Projekt in der Kürze der Zeit zu ehrgeizig. Aber bei meinem Blick zurück bleibt das hängen, was wir in den letzten drei Wochen mit Thomas, Oliver, Ecki und Andi geschafft haben. Beide Dächer sind neu und isoliert, die Betonplatte ist gegossen, beide Häuser sind mit Lampen und Steckdosen ausgestattet, das Grundgerüst für die Umzäunung ist geschweißt und der Zaun vom ersten Zwinger ist fertig gestellt.

Meine Gedanken sind auch bei dem vor Ort erlebten Elend. Den armen, liebenswürdigen Tieren. Am Sonntag, als der gigantische Futter-LKW in Heraklion ankam und wir das Verteilen übernommen hatten, fuhr ich mit Ines Udich, einer neuen Helferin, etwas früher wieder zurück ins NLR. Der Vito, inklusive Anhänger, war vollgestopft bis unter die Decke. Wir waren knapp 20 Minuten unterwegs als Ines im Augenwinkel ein Tier am Straßenrand lagen sah. Es dauerte einen kleinen Moment, bis ich das beladene Geschoss zum Stehen bekam. Mitten auf der Schnellstraße umdrehen ging aber nicht. Also mussten wir die nächste Ausfahrt runter und sind wieder zurück gefahren. Wir hofften, dass dem Tier nichts Schlimmes passiert war. Als es vor uns auftauchte, erkannten wir, dass es ein Hund war. Wir kamen zu spät. Wir konnten ihm leider nur noch eine gute Reise wünschen und hoffen, dass er nun an einem besseren Ort ist.
Das Anschnallzeichen leuchtet auf, ich klappe meinen Laptop zu und versuche mit positivem Gedanken nach vorn zu blicken.

Mit dem wundervollen Team vor Ort, einem soliden Tierschutzkonzept, einen stahlharten Willen aller, und in naher Zukunft mit einem fertig gestellten Hundehaus, welches eine perfekte Unterbringung von schwer verletzten Tieren ermöglichen wird, bin ich optimistisch, dass wieder ein richtiger Schritt in die richtige Richtung gegangen wurde. Danke, dass ich dabei sein durfte, es war mir eine Ehre. Euer, an den Armen leicht angebräuntes Nordlicht Malte

Malte Machat
Elektriker