Tagesbild - 22.03.2018

Ein Bericht von:
Dr. Melanie Stehle

Er ist hungrig und es ist eisig kalt. Sein Hinterbein ist schwer verletzt und benötigt dringend eine medizinische Versorgung. Einen Autounfall hatte er überlebt, aber die offene Hautwunde bereitet uns große Sorgen. Eigentlich sollten wir schon längst im Tierheim sein und mit Kastrationen beginnen. Die Warteliste ist so lange, dass wir gefühlt mehrere Monate in Veria/Nordgriechenland bleiben sollten. Jede Minute ist kostbar. Aber auch das Leben des verletzten jungen Rüden ist kostbar. Für Ines, Luise und mich ist klar, dass er unsere Hilfe benötigt. Ängstlich duckt er sich, als wir ihn mit Futter anlocken wollen. Der Hunger lässt kurzzeitig sein Hadern vergessen. Doch an ein Annähern ist nicht zu denken. Kurzerhand müssen wir mit mehr Überzeugungsarbeit um sein Vertrauen kämpfen. Ich schildere der netten Bedienung des naheliegenden Hotels, dass wir für einen Notfall dringend gut riechendes ?Futter? benötigen und sie erlaubt, das Frühstücksbuffet zu Hilfe zu nehmen.
Während wir mit viel Geduld und kleinen Tricks versuchen, Vertrauen zu unserem Patienten aufzubauen, betreten Schulkinder einen Reisebus und warten auf ihre Abfahrt. Sie sehen den verletzten Hund und sie sehen, dass wir versuchen, Kontakt mit dem ängstlichen Hund aufzubauen. Ich sehe 50 Augenpaare auf uns gerichtet. 50 Augenpaare, die nicht mehr vom Geschehen abwandern. Was mag nur in ihren Gedanken vorgehen? Leider können wir es nicht mehr erfahren, denn es war der Tag der Abreise für die Schüler. Doch am Abend zuvor kamen wir mit ihren Lehrern ins Gespräch und sie waren begeistert über die Informationen über unser Kastrationsprojekt. In den Kindern liegt die Zukunft. Eine Zukunft, die in kleinen Schritten zu Veränderungen führen kann. Vielleicht konnte das ein oder andere Kind sehen und verknüpfen, dass man einem verletzten Tier helfen sollte. Wir wissen es nicht, aber wir können es hoffen.
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Ein Bericht von:
Dr. Melanie Stehle
Tierärztin


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