Sal - Januar 2011

01.01.2011
Ein Bericht von:
Dr. Melanie Stehle
Tierärztin

Die Faszination über den Flug der Grau-, Saat-, oder Blässgänse in der Winterzeit lockt mich mit meiner Kamera hinaus in die kalten Temperaturen.Die Flugformationen dieser Tiere, mit ihrer typischen "1" am Himmel, ihre unverkennbaren Rufe, das gleichmäßige Schlagen ihrer Flügel, welches an Ausdauer und Kraft nicht zu erschöpfen zu sein scheint, ist für mich an heimischen Naturschauspielen kaum zu überbieten.Zusammen mit einem verspielten Sonnenuntergang legt sich mit dieser nahezu romantischen Atmosphäre unweigerlich und im wahrsten Sinne des Wortes, eine Gänsehaut über meinen Körper. Während die Kamera ihren Dienst tut, hänge ich meinen Gedanken nach und überlege, was mich an diesen majestätischen Tieren so sehr fasziniert. Ist es die Unabhängigkeit gepaart mit unglaublichem Freiheitswillen? Ist es ihre Kondition, sich immer wieder auf lange Reisen zu begeben und trotz widrigster Umstände die Flügel zu spreizen, um zu dem nächsten, gemeinsamen Ziel aufzubrechen? Ihre Kraft, in nahezu unmöglichen Umgebungen zu überleben? Ist es ihre scheinbare Rastlosigkeit oder Ihr Zusammenhalt? Ihr Talent, ein Ziel niemals aus den Augen zu verlieren? Vielleicht ist es von allem ein bisschen, vor allem aber das Wissen, dass sie noch einen weiten Weg vor sich haben und einen ebenso langen hinter sich.?Gedankenverloren senke ich die Kamera.Plötzlich weiß ich, warum diese Künstler der Lüfte die Menschen so sehr faszinieren. In dem Flug der Wildgänse spiegelt sich ein Teil des eigenen Lebens.

Wir fehlten ihr offensichtlich so sehr, dass sie hinter dem Taxi herlief – so schnell ihre Beine sie tragen konnten. In diesem Moment fasste ich zwei Entschlüsse: erstens versprach ich Nike, für sie, trotz schwierigster Ausreiseformalitäten, ein neues Zuhause in Deutschland zu finden und sie aus der Namenlosigkeit in etwas Wertvolles, Einzigartiges zu verwandeln. Zweitens, und das war mir trotz penetrantem Drängen von Thomas bis dahin noch nicht ganz klar, wollte ich diesen Namenlosen eine bessere Zukunft geben. Ich wollte als Tierärztin dem Tierärztepool angehören, meine chirurgischen Fähigkeiten denen zur Verfügung stellen, die ansonsten niemanden haben!Melanie Stehle

Wenige Tage später betreten wir das Flugzeug. Ebenso majestätisch, wie vor kurzem die Wildgänse, steht der Airbus mit gespreizten Flügeln vor dem Rollfeld und trägt, ohne es wirklich zu spüren, 120 kg lebensrettendes medizinisches Material nach Afrika. Die Leute am "Check in" haben davon übrigens auch nichts gemerkt. Ein bisschen fühlen wir uns wie der kleine Däumling Nils Holgersson aus dem ; Märchen von Selma Lagerlöf, der auf dem Rücken des Gänserich Martin, zu dem er eine tiefe Freundschaft aufbaut, ein Abenteuer nach dem anderen erlebt, und der am Ende, als der Gänserich geschlachtet werden soll, seine Scham über sein Wichteldasein besiegt und dazwischen tritt. In diesem Augenblick wird er wieder ein Mensch.Kann man mit schöneren Gedanken ein Flugzeug betreten um eine Kastrationsaktion zu beginnen? Wohl kaum!Außerdem wissen wir, dass in dem Moment, in dem wir das Flugzeug wieder verlassen, sommerliche Temperaturen auf uns warten und wir für 12 Tage der heimischen Eiseskälte ein Schnippchen geschlagen haben.

Unser Ziel sind, wie schon so oft zuvor, die Kapverdischen Inseln, aber diesmal nicht die Hauptinsel Santiago, sondern die etwas nördlicher gelegene und die vom Tourismus am meisten erschlossene Insel Sal. Die Arbeit, der im vergangenen Jahr leider verstorbenen Henriette Wirtl, hat inzwischen dermaßen große Kreise gezogen, dass das Kastrationsprojekt in aller Munde ist. Eine Österreicherin, Monika Blokesch (Urlauberin auf Sal) erfuhr von dem Projekt auf Santiago und bat den Nachfolger von Henriette, Herrn Dr. Zach, die für sein Projekt arbeitenden Tierärzte des Tierärztepools, auch einmal nach Sal zu schicken.Langer Rede kurzer Sinn: die beiden Tierärzte konnten Frau Monika Blokesch offensichtlich restlos begeistern und legten auf Sal, mit einer weiteren Kollegin und vielen freiwilligen Helfern, den Grundstein für ein Projekt, welches mit zu den besten in der Geschichte des Tierärztepools gehört.

Warum ist das so?- Die Kapverdischen Insel liegen weit außerhalb von Europa. Damit greifen die europäischen Gesetze nicht. Keine Zulassungsprobleme, keine Gebührenordnung, keine Tierärztekammern, die dem Tierschutz mehr Steine in den Weg legen, als ihn zu fördern.- Kein typisch südeuropäisches Machogehabe, das die Kastration eines Rüden mit der übertriebenen Handbewegung an den eigenen Schritt kommentiert und den operativen Eingriff als nicht konform mit der Natur ansieht.- Die Lebenseinstellung der Kapverdianer erscheint sehr gelassen und tritt dem Umgang mit Hunden tolerant entgegen. Das Leben spielt sich auf der Strasse ab und genau da leben auch die Hunde. Also begegnet man sich dort und spürt latent eine Gemeinsamkeit.- Die bürokratische Obrigkeit akzeptiert die Hilfe aus Europa und ist stark genug, diese auch anzunehmen. Die arroganten Gedanken "Wir können das auch ohne euch!" existieren nicht.- Die ortsansässige Tierärztin ist dankbar für jede Fortbildung / Lehrstunde und freut sich über eine Zusammenarbeit mit uns Tierärzten, deren Ergebnis sie künftig für ihre eigene Arbeit nutzen kann. Wir haben uns angefreundet.- Auf den Kapverden gibt es keine Tierheime. Alle Hunde leben auf der Straße oder bei Besitzern. Ein Ausfliegen in andere Länder gibt es nicht. Somit lässt sich der Erfolg von Kastrationen wunderbar dokumentieren.

Auf Sal gibt es einen Verein, der die Meeresschildkröten inklusive der Brutplätze schützt. Von der wundervollen Arbeit von Jacquie und Neal durften wir uns überzeugen und fanden in Zusammenarbeit mit diesem Projekt Menschen, die sich auf Sal bereits einen guten Namen erarbeitet haben und die damit viele Türen für uns öffnen konnten. http://capeverde.mydestinationinfo.com/de/turtle-sos-cabo-verdeJacquie und ihr Mann Neal- Keine vermeintlichen "Tierfreunde", die sich bis auf`s Blut bekämpfen und die "Tierschutzatmosphäre" (auch in den Amtsstuben) auf viele Jahre vergiftet haben.- Sal ist die Hauptinsel des Tourismus. Wassersportler finden hier ideale Vorraussetzungen für ihren Sport. Touristen begrüßen in der Regel die Maßnahmen der humanen Reduzierung der Straßentierpopulation durch Kastrationen.- auf Sal leben viele Auswanderer, die sich zum Teil sehr für den Tierschutz begeistern und einsetzen.- durch die wundervolle Arbeit der beiden Italienerinnen Nicky und ihrer Schwester Patricia konnten im Vorfeld Hotels gefunden werden, die Übernachtungen für das Team anboten.

Selbst eines der besten Häuser vor Ort, das RIU-Hotel mit 5 Sternen, offerierte dem Team freies Essen und Trinken. Dem Hotelmanager gebührt unser Dank, obwohl wir seine Großzügigkeit kaum nutzen konnten, da das Buffet gegen 21:30 Uhr geschlossen wurde - der Druck und die Verteilung von Flugblättern bereits Wochen zuvor sorgte für einen täglichen Ansturm von Menschen, die ihr privates Tier kastrieren lassen wollten, dem das Team, trotz teilweise 15-Stunden-Tagen, nicht gerecht werden konnte.- Höhepunkt des Erfolges war der Besuch des Inselpräsidenten, der seine Labradorhündin von uns kastrieren ließ. Wie geht es auf Sal weiter? Dieser Einsatz wurde finanziell von einer Privatperson getragen. Leider sind die Mittel damit fürs erste erschöpft.In 12 Tagen konnten 510 Tiere operiert werden. Schätzungen zufolge leben auf Sal zwischen 2000 und 5000 Straßentiere. Um mit einem repräsentativen Ergebnis aufwarten zu können, bräuchte der Tierärztepool 2-3 Monate. In dieser Zeit kann mit einem Kastrationsergebnis von 80-90% aller auf Sal lebenden Hunde und Katzen gerechnet werden. Die Kosten liegen zwischen € 50.000,- und 100.000,-.Unser Anliegen ist es, die Inselverwaltung dazu zu bewegen, einen Teil dieser Summe zur Verfügung zu stellen. Ernstgemeinte Diskussionen wurden bereits geführt und dauern an. Allerdings ließ die Verwaltung verlauten, dass sie die komplette Summe nicht aufbringen kann, aber zu jeder anderen Hilfe bereit ist.Also suchen wir Spender, die an diesem sehr erfolgversprechenden Projekt mit beteiligt sein möchten.Da sehr viele Menschen, die von dieser ersten Aktion begeistert waren, bei der Finanzierung zukünftiger Aktionen mithelfen werden und Sponsoren suchen, ist der nächste Kastrationseinsatz für Mitte des Jahres angesetzt. Wir würden uns sehr auf ein Wiedersehen freuen!!!!

Impressionen von unserer Tierärztin Dr. Melanie Stehle wieder einmal komme ich von einem Kastrationseinsatz zurück und die gesammelten Eindrücke und Erfahrungen fesseln mich und ich habe das Bedürfnis, auch andere Menschen daran teilhaben zu lassen "Letzter Aufruf für die Passagiere des Fluges Lissabon nach Sal, Kapverden. Letzter Aufruf". Weit und breit keine Ines und kein Thomas. Hätte ich doch vorsichtshalber nach Namen und Adressen der Organisatoren vor Ort gefragt, schießt es mir durch den Kopf. Dass die Anreise schon so spannend werden würde, hätte ich wahrlich nicht gedacht. Die Dame am Flugsteig schaut mich fragend an, und versteht nicht, wieso ich noch keine Anstalten mache, ihr mein Ticket zu geben. Noch einmal kurz über die Schulter blickend sehe ich am Ende des Ganges Ines und Thomas heraneilen und alle Sorgen sind verflogen. Ihre Maschine aus Hamburg hatte Verspätung...

Noch etwas müde vom nächtlichen Flug inspizierten wir am nächsten Morgen unsere "Klinik". Ein freundlicher, auf Sal lebender Italiener hatte uns ein leer stehendes Appartement zur Verfügung gestellt und es eignete sich optimal für unsere Mission. Unser internationales Team, ; bestehend aus unzähligen Helfern, einem Anästhesisten und "Mädchen für alles" (Thomas) und zwei Chirurginnen (Ines und mir) traf an diesem Morgen das erste Mal zusammen. Ich war fasziniert wie alle Beteiligten sehr schnell Hand in Hand arbeiteten und trotz unterschiedlichster Temperamente alle das gleiche Ziel verfolgten: wir wollten in den nächsten 12 Tagen etwas erreichen – etwas ganz, ganz Großes, wovon die Menschen auf dieser Insel noch lange reden sollten! Ein Signal an die Obrigkeit senden, dass es außer Vergiftungen auch eine andere Möglichkeit gibt, die Straßentierproblematik nachhaltig zu verändern. Genauer betrachtet ist es die einzige ethisch vertretbare Lösung des Problems. Umso mehr freute es uns, dass die Organisatoren vor Ort, Jacquie, Neal, Nicky und Patricia sehr viel Wert auf die Öffentlichkeitsarbeit legten.

Vorab wurde diese, für die Tierbesitzer kostenlose, Kastrationsaktion im Radio und Internet angekündigt und Flugblätter an alle Haushalte verteilt. Fast täglich bekamen wir Besuch von Menschen, durch die wir eine Chance sehen, dass dieses Projekt langfristig am Leben erhalten werden kann. Beispielsweise kamen der Bürgermeister und die Mitarbeiter der Regierung zu Besuch, sie erkundigten sich nach unserer Arbeit, unterhielten sich mit Unterstützung unserer Dolmetscherin Susanne mit Thomas über dieses Projekt und die Wichtigkeit dessen, es fortzuführen. Bisher wurden die Kastrationseinsätze auf Sal rein privat von einer sehr tierlieben Österreicherin finanziert. ; Eine Unterstützung von Seiten der Regierung wäre eine immense Erleichterung.

Neben Zeitungsreportern besuchten uns auch Lehrer- und Erzieherinnen mit ihren Schul- und Kindergartenkindern. Mit großen Augen schauten die Zwerge auf die schlafenden Hunde, lauschten aufmerksam Susannes Erklärungen und freuten sich riesig über kleine Stoffkuscheltiere, die die beiden Kinder von Thomas in Deutschland für die afrikanischen Gleichaltrigen gespendet hatten. Susanne erklärt in perfektem Portugiesisch den Kindern unsere Arbeit und wer ganz leise sein konnte, durfte auch auf dem Arm von Susanne oder Hannelore einen Blick über unsere Schultern wagen und bei einer wirklichen Operation zuschauen.Vor dem Haus fand die Registrierung der Tiere statt. Jeder Besitzer wurde mit seinem Tier fotografiert, die wichtigsten Daten notiert und mit einem individuell gestalteten Halsband aus Fischernetz-Garn und einer fortlaufenden Nummer ausgestattet.Jacquie und Neal bei der Registrierung.Die Papiere füllten nach 12 Tagen dicke Ordner. Für die wartenden Menschen wurden vom Militär zwei Zelte aufgebaut - eine Geste, die uns sehr berührte und uns zeigte, dass unsere Arbeit auch von Seiten der Stadt wertgeschätzt wurde. In dem großen Raum des Appartements fand die Operationsvorbereitung statt.

Jeder zuvor mit einer Injektion sedierte Hund bekam einen Venenkatheter, alle für die Operation erforderlichen Medikamente und eine Rasur des Operationsbereiches, bevor er letztendlich zu Ines und mir in den Operationsraum gebracht wurde. Nach der Operation wurden die Tiere im Vorbereitungsraum weiterhin überwacht und zu guter Letzt gegen Ektoparasiten eingesprüht.Zecken im Ohr eines HundesViele dieser Hunde sehen in ihrem Leben häufig nur dieses eine Mal eine Tierärztin. Deshalb ist es uns ein großes Anliegen, dass sie sehr genau untersucht und am Ende des Tages neben der Kastration auch von Würmern, Flöhen, Zecken, Räudemilben und eventuell schmerzenden Zähnen, Tumoren, Leistenbrüchen usw. befreit werden. Dies ist auch der Grund, weshalb wir neben dem Hauptaufgabenbereich, der Kastration, auch zusätzlich 74 andere Operationen durchgeführt haben.

Jeden Morgen gingen wir zu Fuß von unserer Unterkunft bis zur "Klinik", die nur ein paar hundert Meter auseinander lagen. Obwohl wir die meisten der hier ansässigen Straßenhunde gleich am ersten Tag kastrierten, schienen sie uns nicht mit etwas Schlechtem in Verbindung zu bringen. Im Gegenteil - sie begrüßten uns täglich euphorischer und marschierten jeden Morgen und jeden Abend mit uns mit und freuten sich riesig, "Freunde" gefunden zu haben. Schließlich hatten wir sie bei der Kastration auch mit unserer Tätowierung DF - es steht für "Dein Freund" - gekennzeichnet.Eine Hündin tauften wir "Nike". Warum mir ausgerechnet Nike ans Herz wuchs, weiß kein Mensch. Sie war eine der ersten Kandidatinnen, die auf unserem OP-Tisch landete. Eine ausgemergelte Seele, deren Nachkommen augenscheinlich kräftig an ihr gesaugt hatten. Einen Tag brauchte Nike, um sich von der Kastration zu erholen, aber ab da stand sie jeden Morgen und jeden Abend vor unserem Haus und begleitete uns. Sie wusste sehr wohl, dass ich immer ein bisschen was zum Naschen für sie gesammelt hatte. Wir verliebten uns ineinander. Als unser Team an den letzten drei Tagen in einem anderen Ort operierte und uns ein Taxi abholte, brach für Nike die Welt zusammen. Wir fehlten ihr offensichtlich so sehr, dass sie hinter dem Taxi herlief – so schnell ihre Beine sie tragen konnten. In diesem Moment fasste ich zwei Entschlüsse: erstens versprach ich Nike, für sie, trotz schwierigster Ausreiseformalitäten, ein neues Zuhause in Deutschland zu finden und sie aus der Namenlosigkeit in etwas Wertvolles, Einzigartiges zu verwandeln. Zweitens, und das war mir trotz penetrantem Drängen von Thomas bis dahin noch nicht ganz klar, wollte ich diesen Namenlosen eine bessere Zukunft geben. Ich wollte als Tierärztin dem Tierärztepool angehören, meine, in dem letzten Jahr hart (Ines ist eine der besten, aber auch härtesten Lehrerinnen!) trainierten chirurgischen Fähigkeiten denen zur Verfügung stellen, die ansonsten niemanden haben!

Ich wischte mir eine Träne aus den Augen und sah nur noch verschwommen den braunen kleinen Hund, der völlig erschöpft das Auto davonfahren lassen musste. Wir operierten täglich von morgens bis abends ohne nennenswerte Pausen. Bevor eine Operation beendet wurde, wurde das nächste Tier bereits vorbereitet. Somit befanden sich die Operationen im fließenden Übergang und ein maximal perfekt abgestimmtes Zeitmanagement wurde erreicht.Immer wieder bin ich fasziniert von Ines Schnelligkeit und Geschicklichkeit. In ihren Handgriffen erkennt man ihre tausendfachen Erfahrungen, die täglich unter Beweis gestellt werden. Sie erkennt und meistert jede Gefahrensituation. An ihrer Seite lernen zu dürfen ist ein Lottogewinn. Egal was kommt, Ines hat immer eine Lösung

Jeden Tag strömten die Menschen zu unserer "Klinik". Die meisten hatten sich zuvor einen Termin geben lassen. Viele kamen aber auch einfach unangemeldet vorbei. Immer wieder sah ich Kinder am Fenster vorbeigehen, einen Hund im Arm, den sie kaum tragen konnten, sichtlich stolz, ihr Fellbündel heute zur Operation bringen zu dürfen. Andere warteten geduldig Stunde um Stunde, um die Möglichkeit zu nutzen, ihr Tier kastrieren, entwurmen und entflohen zu lassen. Scharenweise standen die Kinder am Fenster und beobachten uns bei unserer Arbeit.Jeder Tag brachte neue Herausforderungen mit sich. Viele Hündinnen waren läufig oder hatten erst in den letzten Tagen Welpen geworfen, so dass die Operationsbedingungen in vielen Fällen erschwert waren. ; Immer wieder wurden uns Tiere mit zusätzlichen Problemen vorgestellt und wir erweiterten die Kastration mit anderen Operationen und befreiten sie von ihrem krankhaften Leiden.Täglich versuchten wir, neue Rekorde zu erreichen. Wir operierten unermüdlich zwischen 40 und 60 Tiere am Tag, die meisten davon waren Hunde. Insgesamt absolvierten wir 510 Operationen, davon 436 Kastrationen. Zahlen, die nur zu erreichen waren, weil alle Beteiligten ihre maximale Kraft in diese Arbeit steckten:

  • Monika, ohne ihre Hilfe wäre dieses Projekt nicht ins Leben gerufen worden. Sie stand stets den ärmsten und hilfsbedürftigsten Straßenhunden pflegend und Futter spendend zur Seite.
  • Ines, ihre uneingeschränkte Tierliebe und ihre unermüdliche Kraft und Ausdauer während der Operationen, um so vielen Tieren wie möglich ein schöneres Leben zu ermöglichen.
  • Thomas, der neben den Vorbereitungen der Tiere auch die Nachsorge im Blick hatte, der geduldig alles ausführte, was Ines und ich ihm auftrugen, und der neben der Anästhesie stets versuchte, die Stimmung aller Anwesenden zu erheitern.
  • Hannelore, die spontan für ihre Freundin eingesprungen war und uns liebevoll mit überlebensnotwendigen Getränken und Essen versorgte und die immer mit einem Blick für das Wesentliche helfend zur Seite stand.
  • Susanne, unsere Dolmetscherin und ebenfalls gute Seele im Team, stets freundlich, diplomatisch ; und äußerst hilfsbereit.
  • Jacquie und Neal, englische Auswanderer, die neben dem Schutz der Meeresschildkröten auch Hunde und Katzen in ihr Herz geschlossen haben und einen großen Teil zur perfekten Organisation vor Ort beigetragen haben.
  • Die temperamentvollen italienischen Schwestern Nicky und Patricia, die ebenfalls einen wesentlichen Anteil zur Organisation beitrugen und uns mit ihrer permanenten guten Laune und der weltbesten Pasta am Leben hielten.
  • Und nicht zu vergessen die vielen freiwilligen Helfer, die stunden- und tageweise mitgeholfen haben

Die kapverdianischen Menschen faszinieren mich. Man sieht ihnen in die Augen, man lächelt und ich habe niemanden erlebt, der dieses Lächeln nicht erwidert. Diese Offenheit und auch der liebevolle Umgang mit ihren Tieren, auch wenn es "nur" die Tiere sind, die vor ihrem Haus auf der Straße leben, berührten mich und erwecken in mir den Wunsch, weiter für sie da zu sein.Auch die grenzenlose Aufopferung der Auswanderer und Organisatoren vor Ort, die in wochenlanger Vorarbeit eine perfekte Organisation auf die Beine gestellt haben und die während des Einsatzes von früh bis nachts für alle spontanen Probleme eine Lösung fanden, haben eine Fortsetzung des Projektes verdient. Wir hoffen, dass dies im Juni dieses Jahres möglich ist. Ich bin dabei und auch bei den vielen anderen wertvollen Einsätzen des Tierärztepools – ja, Thomas, Du hast gewonnen...
Ihre Melanie Stehle

Ein Bericht von:
Dr. Melanie Stehle
Tierärztin

Infos

  • Projektdauer: 12 Tage
  • Hündinnen: 206
  • Rüden: 169
  • Katzen: 32
  • Kater: 29
  • andere Operationen: 74
  • Gesamt: 510
  • Ansprechpartner: info@tieraerztepool.de



Spenden

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