Kapverden Herbst 2015 / Teil 6 von 8

12.11.2015
Ein Bericht von:
Thomas Busch
Tierarzt und Vorstand

Die Bons Amigos-Familie

Halten Sie sich, bei meiner eingangs geschilderten Begeisterung für die Angestellten, vor Augen, dass in weiten Teilen der Hauptstadt die pure Armut herrscht. Die provisorisch zusammengenagelten Häuser, die staubigen Straßen und die stinkenden Abfälle sind Lebensmittelpunkt unendlich vieler Menschen, die keine Arbeit haben und somit auch nur selten die Chance erhalten, diese Spirale zu durchbrechen. Die Kriminalität ist hoch, was nicht verwundert, denn ein Überlebenskampf herrscht nicht nur in der Tierwelt. Die familiäre Hierarchie führt von oben nach unten und eine antiautoritäre Erziehung dürfte ein Fremdwort sein. In dieses Land setzte ein Mann seinen Fuß mit der Vision, etwas ändern zu wollen. Herwig nahm den Kampf gegen all das auf, was wir in Deutschland oder Europa nur noch aus Filmen kennen. Brutalität, Korruption, Lethargie, Krankheiten, Hitze, Widerstand waren treue Begleiter.

In dieses Land setzte ein Mann seinen Fuß mit der Vision, etwas ändern zu wollen. Herwig nahm den Kampf gegen all das auf, was wir in Deutschland oder Europa nur noch aus Filmen kennen. Brutalität, Korruption, Lethargie, Krankheiten, Hitze, Widerstand waren treue Begleiter.Thomas Busch

Und dennoch; es gelang in winzigen Schritten, Hoffnung zu geben und Dinge tatsächlich auch umzusetzen. Mit Hilfe seiner eigenen Hartnäckigkeit, seiner freundlichen Art, seinem Durchsetzungsvermögen und nicht zuletzt kraft seines Berufes führte die Tierschutzarbeit stetig nach oben. Ich weiß diesen Erfolg mehr als zu schätzen, schließlich kämpfte sich der Förderverein unter ähnlichen Bedingungen in Griechenland nach oben.
Herwig bot den Menschen der einfachsten Schicht eine Perspektive. Wenn ihr Bons Amigos folgt, könnt ihr etwas aus euch machen. Wenn ihr fleißig seid, wird der Erfolg kommen. Und auch das Geld, was euch Möglichkeiten schafft, von denen die meisten nur träumen können. Madueno, Cesaltina, Alex, Lucia, Edson und Gilson glaubten an seine Worte und sind nun teilweise schon zehn Jahre dabei. Herwig konnte seine Versprechen halten. Diese Menschen haben sich eine gesicherte Existenz erarbeitet, sind angesehen und werden respektiert.

Selbstverständlich haben wir es dabei aber nicht mit einem intellektuellen Stand zu tun, den sich ein Mediziner im Laufe seiner Ausbildung aneignen kann. Bons Amigos haben das Handwerk mit einfachsten Mitteln gelehrt und so viel Theorie wie eben möglich hinzugefügt. Damit ist ein Studium aber nicht ersetzt. Lebenserfahrung schon gar nicht, und der Versuch, Parallelen zu einem nordeuropäischen Land zu suchen, wäre albern.
Vergessen Sie auch bitte nicht, dass wir mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, die die gleichen Flausen im Kopf haben wie die Gleichaltrigen bei uns im Lande. Aber trotzdem: Ohne den Weg, den Herwig stoisch gegangen ist, gäbe es NICHTS, was den Menschen und schon gar nicht den Tieren hätte helfen können. Somit drücken wir an vielen Stellen ein Auge zu und bestärken unsere Helfer stets mit guten Worten. Sie müssen sich aber an unsere Anweisungen halten, denn was wir hier tun ist kein Spiel, sondern der ernstzunehmende Umgang mit Lebewesen. Wenn wir von einem verantwortungsvollen Umgang nicht ausgehen können, trennen sich die Wege von Bons Amigos und dem Helfer. So sind die Menschen geblieben, auf die Verlass ist. Kapverdischer Verlass! Menschen, die sich weitergebildet haben und die voller Ehrgeiz Wissen aufgesaugt haben. Menschen, die ihr Handwerk beherrschen. Menschen, die inzwischen kritisch auf ihr eigenes Volk schauen und erkennen, dass mit Selbstdisziplin der trockene Stumpfsinn tatsächlich aufgebrochen werden kann.

Madueno kann unendlich viel und jeder Kollege, der in Deutschland frisch sein Studium absolviert hat, wäre froh, wenn er auch nur über einen Bruchteil der praktischen Erfahrungen dieses jungen Kapverdianers verfügen würde. Allerdings sind die Bauchschnitte von Madueno bei der Kastration wieder größer geworden. Daran werden wir arbeiten. Sein Freund, der Polizist, hat, wie wir inzwischen herausgefunden haben, eine sechsjährige Ausbildung auf Kuba absolviert. Er ist so etwas wie eine Mischung aus Tierarzthelfer und Tierarzt. Aha, daher hinterlässt er diesen guten Eindruck. Madueno hat ihn zu sich geholt und beide haben voneinander profitiert. Was gibt es daran auszusetzen? Ich wiederhole mich gerne: Ohne diese Menschen könnte keinem einzigen Tier geholfen werden! Sie führen die medizinische Liga an und haben um sich ein weiteres Team geschart, welches ebenfalls sehr gut arbeitet. Alex und Edson. Jeden Tag hantieren diese beiden mit völlig fremden Tieren, deren Verhaltenweise von Schmusigkeit bis zu absoluter Aggressivität reicht. Keiner der beiden ist bisher gebissen oder verletzt worden. Wir hoffen, dass das so bleibt. Alle neu hinzugekommenen Helfer aus Deutschland wurden leider verletzt. Gilson, der zwar medizinisch noch nicht ganz so weit ist, ist aber im Umgang mit den Tieren unbezahlbar.
Wenn dann mal Kleinigkeiten nicht so erledigt werden wie in einer Klinik nach deutschem Standard, dann weisen wir zwar darauf hin, wissen aber, dass dies im Hinblick auf das große Ganze Kleinigkeiten sind.

Herwig und ich sind uns mehr als bewusst, dass an allen unseren Entscheidungen Kritik geübt werden kann. Glauben Sie uns auch, dass wir bei jedem Gespräch auf eine offizielle Ausbildung unserer Arbeiter hinweisen und hierfür jede benötigte Hilfe zur Verfügung stellen werden. Bevor Sie sich aber einmischen in eine Diskussion, zwischen der eine Entfernung von 8000 Kilometern liegt, kommen Sie erst einmal her, arbeiten bei 40 Grad im Schatten täglich 10 Stunden bei einem Geräuschpegel ähnlich dem in einer Diskothek und behandeln Sie im "Vorbeigehen" täglich über 200 Tiere und kümmern sich um mindestens zehn akute Notfälle.
Wenn Sie uns dann eine Lösung der Schwachstellen präsentieren, werden diese unverzüglich eliminiert. Versprochen. Und noch eins:

Weder der Tierärztepool noch Bons Amigos schwimmen im Geld. Beides sind kleine Vereine, die Anerkennung nicht mit Hochglanzplakaten, Mitgliederwerbung oder bedruckten Kugelschreibern suchen, sondern mit einer aktiven Arbeit vor Ort, an der sich die sogenannten "großen" Vereine gern mal ein Beispiel nehmen können. Wir sind vor Ort, versuchen an einer ständigen Präsenz zu arbeiten und das alles mit Minimalbudget.

Sie lesen Teil 6 von 8 einer umfassenden Reportage aus den Kapverden.
Ein Bericht von:
Thomas Busch
Tierarzt und Vorstand



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