Kapverden Herbst 2015 / Teil 7 von 8

13.11.2015
Ein Bericht von:
Thomas Busch
Tierarzt und Vorstand

Der Andrang der Menschen, die mit ihrem Tier zur Kastration kommen, wird deutlich geringer. Leider ist Madueno gestern mit dem Vereinsauto auf einen Stein gefahren und hat die Ölwanne beschädigt. Somit sitzen wir ein wenig "auf dem Trockenen", was zwar die von uns erträumte Tierzahl von 1000 ins Wanken bringt, wir aber ein bisschen Halbgas auch ganz gut finden, und so mehr Zeit haben, die Notfälle noch intensiver zu betreuen und immer wieder Verbesserungen und Veränderungen in allen Bereichen zu besprechen.

Du, Thomas, sag mal, was meintest Du mit einer engeren Verflechtung zwischen dem Tierärztepool und Bons Amigos?Herwig Zach

Ich nutze die Zeit, um meinen Gedanken eine geordnete Struktur zu geben und sie zu einem Bericht zu formen, beschäftige mich mit den Fotos, als Herwig um die Ecke schielt.

Du, Thomas, sag mal, was meintest Du mit ?einer engeren Verflechtung zwischen dem Tierärztepool und Bons Amigos?

Die nächsten zwei Stunden in einem Kabuff mit Farbe, die von den Wänden fällt, einem Blechdach voller Löcher und einer Waschmaschine, die ihre besten Zeiten vor ungefähr 30 Jahren gesehen hat, schmieden, rechnen, planen und diskutieren zwei klitschnass geschwitzte Tierärzte über die Zukunft des Tierschutzes auf den Kapverden. In diesem Raum ist es stickig, aber keiner von uns merkt es oder kommt auf die Idee, das Gespräch an der frischen Luft fortzuführen. So sehr sind wir eingetaucht in folgende Vision:

Der große Vorteil, der uns immer wieder auf die Kapverden lockte, ist die unglaubliche Nähe zu den Menschen und ihrer Art, Tierschutz zu betreiben. Das ist aber nicht alles. Es gibt auf keiner der Inseln ein Tierheim. Wozu auch? Die Bürokraten kennen die Arbeit von Bons Amigos seit vielen Jahren und äußern sich sehr positiv. Herwigs Kontakte sind ausgesprochen gut und Widerstände sind nicht zu erwarten. Wir sprechen von mehreren Inseln, die alle unterschiedlich strukturiert sind. Die Einheimischen reden sehr positiv von Bons Amigos.

Der Tierärztepool hat sechs Tierärzte angestellt, die weltweit Kastrationsaktionen durchführen. Leider reichen die Mittel des kleinen Fördervereins Arche Noah Kreta e.V., in den der Tierärztepool integriert ist, nicht aus, um die Kastrationen außerhalb von Kreta kostenlos anzubieten. Wir lehnen uns eh schon weit aus dem Fenster, wenn wir die Aktionen in Nordgriechenland immer wieder mitfinanzieren. In anderen Ländern geht das gar nicht, ansonsten wäre der Förderverein in kürzester Zeit pleite.
Nun sehen wir aber tagtäglich den Vorteil, wenn 365 Tage im Jahr ein Tierarzt von uns auf Kreta ist und in Bereitschaft unverzüglich helfen kann, wenn ein Notfall vor der Tür steht.

Wir erkennen gleichzeitig, dass es sehr vielen Spendern egal ist, wo ein Tier medizinisch versorgt werden muss und sie schreiben als Verwendungszweck ?für Kastrationen, egal wo? oder ?für den Tierärztepool? auf ihre Überweisung. Nicht viel, aber immerhin ein bisschen, ging in der letzten Zeit auch ?für die Kapverden? auf unser Konto ein. Sollten wir das Wagnis eingehen, die sechs Tierärzte in eine Art Kreislauf einzubinden, in der jeder für ? sagen wir ? 4-6 Wochen auf Kreta und im Wechsel eben auf den Kapverden Dienst tut? Was wäre an dieser Idee falsch? Ich bin mir sicher, dass meine Kolleginnen mitspielen, und schon wieder sehe ich das Leuchten in Herwigs Augen.

Die Probleme sind aber vielschichtiger. Mit einem Wechsel alle 4-6 Wochen kommen vermehrte Flugkosten auf uns zu. Selbstverständlich wird auch das Zigfache an Equipment benötigt, was einen ganz großen finanziellen Mehraufwand bedeutet. Wir schätzen die Kosten auf monatlich 4.000 Euro, knapp kalkuliert. Was machen wir, wenn andere Organisationen in anderen Ländern einen oder zwei unserer Tierärzte anfordern? Bilden wir dann weitere Tierärzte aus und stellen sie ein?

Und schon sind wir bei Veronica angekommen, die bisher noch nicht die Erwähnung fand, die ihr zusteht. Veronica ist Portugiesin und hat nach ihrem Studium reichlich Erfahrung mit Pferden gesammelt. Der Tierschutzgedanke und der Wunsch, mit Kleintieren zu arbeiten, lockte sie im Juli zu Bons Amigos, und ihr gefiel es so gut, dass sie blieb. Und bleiben möchte. Leider ist bei ihr chirurgische Erfahrung noch nicht vorhanden und mit vielen Dingen der Kleintiermedizin tut sie sich schwer. Nicht, dass sie nicht willig ist, es zu lernen, aber die kompletten Alltagssorgen bleiben an ihr kleben, da sie die Sprache natürlich besser versteht als irgendeiner von uns. Aber sie liebt Bons Amigos und ist bereit, sich ausbilden zu lassen. Auch auf Kreta... Damit schließt sich der Kreis und wenn wir alles in einen Topf werfen, kommt Folgendes dabei heraus:

  • Beide Vereine behalten ihre Eigenständigkeit und bleiben selbstständig.
  • Auf Kreta und auf der Hauptinsel der Kapverden ist, soweit es organisatorisch und finanziell tragbar ist, immer ein gut ausgebildeter Tierarzt anwesend.
  • Die Hauptkosten trägt Bons Amigos, der Förderverein beteiligt sich mit der Weiterreichung der Spenden, die bei ihm kennwortbezeichnet eingehen, zuzüglich der Tierärzte und einem Teil des medizinischen Equipments.
  • Auch die anderen Inseln der Kapverden werden in einem regelmäßigen Abstand besucht, um hier ebenfalls die Population zu begrenzen.
  • Dr. Marga Keyl bleibt 2015 bis zum 23.12. und beginnt in dieser Zeit die Ausbildung der portugiesischen Tierärztin Veronica Cabral. Ebenso wird sie die Struktur des Alltags und den Bildungsstand des gesamten Teams optimieren.
  • Ab dem 27.01.2016 reist sie erneut auf die Kapverden.
  • Beide Vereine werden eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit anstreben und Berichte, Fotos und Erfolge gleichzeitig kommunizieren.
  • Mit diesem Projektvorschlag wird Dr. Herwig Zach die Bürokraten auf den Kapverden aufsuchen und um Unterstützung bitten. Zu zeigen, dass flächendeckende Kampagnen gestartet werden, dürfte auf Zustimmung stoßen.
  • Der Kastrationsflyer wird auf Portugiesisch/Englisch gedruckt.
Sie lesen Teil 7 von 8 einer umfassenden Reportage aus den Kapverden.
Ein Bericht von:
Thomas Busch
Tierarzt und Vorstand



Spenden

  • Spendenkonto
    Kontoinhaber:
    Förderverein Arche Noah Kreta e. V. / Tierärztepool
    Institut: Commerzbank Lübeck
    IBAN: DE02 2304 0022 0020 9239 00
    BIC: COBADEFFXXX
  • Paypal
  • Paypal-Account: paypal@archenoah-kreta.com

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