Rhodos - Das Tierheim auf Rhodos. Sauber, aber leider überfüllt

14.03.2013

Rhodos ist die Hauptinsel der griechischen Inselgruppe Dodekanes in der Ost-Ägäis, östlich ;von Kreta. Auf der 1.401 km² großen Insel leben ungefähr 125.000 Einwohner, davon etwa die Hälfte in der Stadt Rhodos, Hauptort und touristisches Zentrum im Norden der Insel. Zum zweiten Mal wurden wir in das staatliche Tierheim auf Rhodos zu einer Kastrationsaktion eingeladen. Hauptsächlich sollten wir Straßenkatzen und – hunde kastrieren. Viele freiwillige Helfer waren damit beschäftigt, uns nicht arbeitslos werden zu lassen und zogen bereitwillig los, um unsere Kastrationskandidaten einzufangen. Neben unserem "Tagesgeschäft" wurde unsere Arbeit immer wieder durch Notfälle unterbrochen.Und auch, wenn wir versuchten, mit Scheuklappen durch das Tierheim zu gehen, erregt immer wieder der eine oder andere Hund unsere Aufmerksamkeit und unser Herz.

Am 2. Tag stand eine kleine Box in unserem OP-Raum. Wir zogen einen halbtoten Welpen aus der Box, stark unterkühlt und im Schock. Offensichtlich wurde der Zwerg von einem größeren Artgenossen in die Mangel genommen. Da der Zustand des kleinen Hundes kritisch war, wurde er erst einmal im OP einquartiert. Unter den Argusaugen meiner OP-Schwester Christina auf eine Wärmflasche gebettet, flossen in unendlichen Stunden viele Medikamente in die Venen der kleinen Prinzessin.Ständig kamen Nachfragen von den Tierpflegerinnen, nach dem Befinden des kleinen Hundes. Als sie sich am Nachmittag etwas erholt hatte, wurde ihr eine Spezialmahlzeit von Flora (Tierpflegerin) angeboten, der sie nicht widerstehen konnte. Die 1. Hürde in ihrem jungen Leben hat sie überwältigt. Zudem war sie nun der Meinung, dass der OP-Raum ihr Zuhause sei.

Auch wenn unser Hauptaugenmerk bei den Kastrationen liegt, schauen wir unsere vierbeinigen Patienten immer sehr genau an. Ohrenreinigung und Zahnsanierung sind obligatorischGelegentlich kommt es dann zu Zusatzbefunden, mit denen keiner rechnet. Eine der letzten Hündinnen für diesen Kastrationstag hatte eine sehr harte mandarinengroße Umfangsvermehrung in ihrem Bauch. Schließlich haben wir in einer etwas längeren Sitzung der Hündin einen Blasenstein entfernt. Auch sie durfte sich nach der OP noch ein paar Tage im Tierheim erholen. Jetzt ist sie wieder zurück auf der Straße, hat aber eine liebe Frau gefunden, die sich bereiterklärt hat, der kleinen Sita eine Spezialdiät zu kaufen und zu füttern. Wir waren sehr positiv überrascht und möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich bei der Dame für ihr großes Herz bedanken.

In diesen 6 Tagen auf Rhodos hat uns neben alten Schussverletzungen, weiteren Bissverletzungen und Zahnextraktionen, Nabelbruch- und Augen-OP´s am meisten der Lebenswille einer kleinen Katze beeindruckt. Es sollte eine Routinekastration sein, wie so viele andere zuvor an diesem Tag. Als das Kätzchen in Narkose lag, war die Atmung sehr stockend und unregelmäßig, ein Herzschlag war nicht auszumachen. Als wir die Kleine aufmachten, wurde uns erst das ganze Ausmaß des Problems bewusst. Das Zwerchfell war gerissen, das ist der wichtigste Atemmuskel, der die Bauchhöhle von der Brusthöhle trennt. Ohne diesen ist ein Atmen fast unmöglich. Wir haben uns entschlossen, den Muskel zu nähen, um der Katze ein neues Leben zu schenken. Meine arme OP-Schwester hat die Katze über eine halbe Stunde künstlich beatmet und ihr damit das Leben gerettet. Besonders die ersten Stunden nach der OP sind kritisch, aber die Kleine wollte leben und hat sich durch nichts beeinflussen lassen, auch nicht durch die schlechte Prognose. Als wir sie am darauffolgenden Tag verlassen mussten, hat sie schon wieder ein wenig gefressen.

Unsere Arbeit wurde nicht nur durch diese drei Fälle unterbrochen, ich könnte endlos fortfahren. Trotzdem haben wir es in 6 Tagen geschafft, neben 40 anderen Operationen, insgesamt 184 Tiere zu kastrieren, davon 98 Hündinnen, 35 Rüden, 35 Katzen und 16 Kater. Kleiner Schnitt, große Wirkung ;Leider sind viele Tiere trächtigEin eingespieltes TeamDie Kennzeichnung - ein fehlendes DreieckTrächtige Tiere bekommen eine Infusion Wir fliegen zurück nach Kreta, um uns mit Thomas dort zu treffen. Er ist inzwischen mit seinem voll beladenen Auto inklusive Anhänger heil auf der Insel eingetroffen. Um ein bisschen abzuschalten gönnen wir uns einen Tag frei. Diese Stunden nutzen wir mit einer kleinen Fahrradtour durch die abgelegenen, winzigen Dörfer, die gerade durch die wärmende Frühlingssonne zu buntem Leben geweckt werden.

Alles blüht und grünt und ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie schön diese Insel zu dieser Jahreszeit sein kann. Allerdings begleitet uns in unserem Leben unsere Berufung auf Schritt und Tritt und weit ab der Großstadtzivilisation tummelt sich auf einem der unzähligen Mülltonnen ein ganzes Rudel von Katzen. Wann folgt Kreta endlich dem guten Beispiel von Rhodos und lässt flächendeckende Kastrationen zu, denken wir, als wir uns vorsichtig der Mülltonne nähern. Dem geschulten Auge fällt auf, dass sich die Tiere in einem sehr guten Ernährungszustand befinden und als wir noch näher kommen, haut es uns fast aus dem Sattel. Ausnahmslos allen Katzen fehlt ein Dreieck im Ohr, ein eindeutiges Zeichen, dass sie kastriert sind. Wir wissen, wer diese Dreiecke zur Erkennung nach der Kastration aus den Ohren schneidet. Sie auch? Aber es kommt noch besser. Nach einer weiteren halben Stunde haben wir eine Stelle erreicht, an der sich der griechische Fuchs mit dem griechischen Hasen (falls die nicht längst den schusswütigen Jägern – oder wie sich diese ballernden Typen nennen – zum Opfer gefallen sind) zum Skat spielen verabreden. Rund herum – nichts!

An dieser Stelle ist ein Hund angebunden. Schwer wiegt die Kette an seinem Hals. Der "er" ist aber eine "sie" und wir werden von dem "Wächter" stürmisch begrüßt. Wächter für was? Aber diese Frage ist aus Nordeuropäischer Sicht nicht zu beantworten. Eine spärliche Metallhütte soll Schutz bieten. Wir steigen ab, um wenigstens für ein paar Minuten eine Abwechslung dem tristen Hundeleben bieten zu können. Als sich die stürmische Begrüßung ein bisschen gelegt hat, möchte die Hündin gekrault werden. Immer mehr fordert sie die Berührung was damit endet, dass sich das Tier vor uns auf den Rücken legt und alle Viere von sich streckt. Gut, dass wir nicht mehr auf den Fahrrädern sitzen, sonst hätte es uns tatsächlich vom Sattel geschmissen. Unter ihrem Bauch leuchtet uns ein grünes "DF" entgegen. Wir wissen, wer diese Tätowierung unter die kastrierten Tiere macht. Sie auch?
Ihre Ines

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