Rhodos - Oktober 2014

25.10.2014
Ein Bericht von:
Ines Leeuw
Tierärztin

Schon zum 4. Mal sind wir von dem Bürgermeister von Rhodos zu einer Kastrationsaktion im hiesigen Tierheim eingeladen worden. Rhodos hat damit die absolute Vorreiterpositon inne. Sie waren die ersten, weit vor allen anderen, die unsere Hilfe angenommen und die Notwendigkeit von Kastrationsaktionen erkannt haben. Marga, Tamara und ich machen uns auf den Weg. Für Marga wird das hier die Feuertaufe. Nach monatelanger Ausbildung steht sie mir mit ihrem chirurgischen Können kaum noch nach.

Tamara wird ordentlich ins Schwitzen kommen, uns beide ständig mit Arbeit zu versorgen. Nachdem wir vom Flughafen mit Tonnen von medizinischem Equipment abgeholt wurden und die ersten Höflichkeitsfloskeln ausgetauscht wurden, werden wir direkt mit einer Zahl konfrontiert.

Ein Hund, der einen Tag zuvor von uns kastriert wurde, war sehr apathisch und wurde uns noch einmal vorgestellt. Schnell war klar, dass sie an einer ansteckenden Infektionskrankheit litt. Im Tierheim konnte sie nicht bleiben, also bekam sie in unserer Unterkunft ein Zimmer nebenan.Ines Leeuw

537 Tiere sind bereits zur Kastration angemeldet!!!! Noch am selben Tag bauen wir den OP auf und versorgen unsere ersten Patienten. Eine perfekte Organisation. So schaffen wir es zwischen 32 und 50 Tiere am Tag unfruchtbar zu machen. Anastasia, die Tierheimleitung hat über Wochen unseren Terminplan gemacht. Den Menschen, die ihre Straßentiere zur Kastration bringen wollten, stand sie Rede und Antwort und hat immer wieder dieselben Texte abgespult. Ihr ist es auch zu verdanken, dass der Bürgermeister von unserer Arbeit überzeugt werden konnte.

Morgens von 8:00 bis 9:00 Uhr werden unsere Patienten gebracht. Flora schreibt akribisch alle Daten von der Person auf, die das Tier gebracht hat, damit es nach der Kastration auch wieder an den richtigen Ort zurückgebracht werden kann. Anna und Ali helfen Tamara bei der Narkosevorbereitung. Ali, der einen Kopf kleiner ist als wir trägt die schweren Hunde in und aus dem OP. Früher hat er mal Bodybuildung gemacht, heute trägt er Hunde.

Bis abends um 22:00 oder 23:00 Uhr hält er für die Tiere und uns die Stellung. Schnell schaut er sich von Tamara ab, dass die Tiere Augensalbe bekommen müssen, wenn sie in Narkose gelegt werden. Er übernimmt auch teilweise die Rasur. Eine perfekte Organisation. So schaffen wir es zwischen 32 und 50 Tiere am Tag unfruchtbar zu machen.

Leider gibt es ein Gesetz: wenn es am besten läuft, kommt irgendwo her ein Notfall. Der ließ nicht lange auf sich warten. Ein Hund, der einen Tag zuvor von uns kastriert wurde, war sehr apathisch und wurde uns noch einmal vorgestellt. Schnell war klar, dass sie an einer ansteckenden Infektionskrankheit litt. Im Tierheim konnte sie nicht bleiben, also bekam sie in unserer Unterkunft ein Zimmer nebenan. Für 24 Stunden war unsere gesamte Kastrationsaktion gefährdet. Denn nur ein spezielles Desinfektionsmittel kann die kleinen gefährlichen Viren töten. Die Räumlichkeiten im Tierheim mussten von einer Firma, spezialisiert auf Reinigung und Desinfektion von Krankenhäuser und Tierarztpraxen, desinfiziert werden.

So ging dann alles wieder seinen gewohnten Gang. Tagsüber kastrierten wir im Tierheim, und nachts behandelten wir unseren Hund im Nebenzimmer. Seit 5 Tagen hängt sie nun am Tropf, bewegt sich kaum. Ihr Körper wir ständig geschüttelt durch Erbrechen und Durchfall. Aber ihre Augen zeigen Lebenswillen. Sabrina sitzt mittags bei ihr, um ihr Gesellschaft zu leisten und den Tropf zu wechseln. Sie mischt ebenfalls das Desinfektionsmittel vor der Tür an und putzt ständig den Raum.

Zwei Tage später fand Sabrina dann auch noch eine Babykatze am Straßenrand einer viel befahrenen Straße. Vollkommen verfloht und verschnupft wurde uns das kleine Etwas vorgestellt. Sie fand bei Sabrina im Büro einen Platz und bekommt nach Feierabend ebenfalls ihre Behandlung. Auch während unserer Arbeit im Tierheim werden wir immer wieder mit traurigen Schicksalen konfrontiert. Hunde mit gebrochenen Beinen oder Leishmaniose gehören zu unserem Alltag. Einigen Tieren müssen wir auch mit anderen Operationen helfen wie die Entfernung von Tumoren oder Augen, die durch eine Infektion oder einen Unfall unrettbar verletzt wurden.

Ein Bericht von:
Ines Leeuw
Tierärztin

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