Rumänien - Bals 2012

19.09.2012 Beachten sie bitte unser aktuelles Statement zur Arbeit in Rumänien

Balş - diese kleine Stadt im Süden Rumäniens ist Tierschützern seit Jahren ein Begriff, denn bereits das sechste Mal fand dort eine Kastrationsaktion für Straßen- und Besitzertiere statt. Das besondere an diesem Ort: die Bevölkerung lebt mit ihren Strassentieren, es existiert kein Tierheim wie in vielen anderen rumänischen Städten und die Stadtverwaltung hat grosses Interesse an einem vernünftigen Management der Hundepopulation.

Bereits jetzt können wir uns wieder einfühlen in das Tempo, das uns 14 Tage ohne Pause hier begleiten wird. Am nächsten Morgen richten wir unseren OP ein und ab diesem Moment läuft unser Motor rund.
  • Welpen vor dem Wiederaussetzen
  • friedliche Koexistenz
  • Leben im Muell
  • Die Ohrmarke zeigt an dass diese Huendin kastriert ist

Schon bei der Anreise mit dem Auto werden wir - kaum daß wir in Rumänien sind - mit der traurigen Realität des Straßenhundelebens konfrontiert. Nina, eine unserer Tierärztinnen, findet eine hochträchtige Hündin und kann diese auch einfangen. Da wir aber nach 20h Fahrt nicht in der Lage sind zu operieren und unser OP nicht aufgebaut ist, die Geburt aber kurz bevorsteht, suchen wir einen Kollegen auf, der dieses Tier kastriert. Dr. Aurelian Stefan aus Craiova kastriert jeden Monat in Craiova fuer eine ortsansaessige Tierschutzorganisation 200 Tiere, und arbeitet darüber hinaus noch bei Kastrationsaktionen in ganz Rumänien mit. Ohne zu zögern stimmt er zu die Hündin zu operieren, obwohl Samstag abend ist und er zum Zug muss.

Bereits jetzt können wir uns wieder einfühlen in das Tempo, das uns 14 Tage ohne Pause hier begleiten wird. Am nächsten Morgen richten wir unseren OP ein und ab diesem Moment läuft unser Motor rund. Viele Menschen kommen mit Ihren Privattieren um diese kastrieren zu lassen, manche haben auch andere Probleme die abgeklärt werden müssen. Immer wieder wird unser Routineprogramm unterbrochen: Eine lokale Tierschutzorganisation bringt drei Hunde und eine Katze, die in einer stillgelegten Fabrik in einem Betonschacht von Ihren Besitzern entsorgt wurden. Einer der Hunde ist so abgemagert, daß das Team sich nach kurzer Diskussion zur Euthanasie entschliesst. Die übrigen werden von uns einige Tage aufgepäppelt und dann kastriert den Tierschützern übergeben. Immer wieder kommen Hunde mit Tumoren zur OP, dazwischen Autounfälle und natürlich Mollie, eine Strassenhündin mit einer Zwerchfellhermie, die zur OP nach Deutschland gebracht wird.

Mit viel Getöse kündigt sich jeden Morgen das Hundefängerauto an. Vielleicht wissen sie noch aus den letzten Berichten, dass dies kein rühmliches Thema war: völlig verängstigt saßen fünfzehn oder zwanzig Hunde zusammengedrängt in der Ecke des Fahrzeugs. Nicht so dieses Jahr! Wir konnten einen grossen Erfolg erzielen, und den Hundefängern beibringen, wie man die Hunde human einfängt und dass es oftmals viel effektiver ist mit den Anwohnern zu sprechen, die in der Regel die Hunde kennen und diese einfach in die Transportbox setzen können. Zu Beginn wurde unsere Idee, jeden Hund in eine Transportbox zu setzen, belacht und misstrauisch beäugt, aber bereits nach zwei Tagen erkannten die Fänger die Erleichterung für sich und wollten keinerlei Hunde ohne Box mehr akzeptieren. Somit hatten auch wir ein wichtiges Ziel erreicht: die Hunde werden nicht traumatisiert, das Verletzungsrisiko sinkt, da gerade die Hundefänger oftmals eher unbeholfen und zu forsch an die Hunde herantreten und in der Vergangenheit dementsprechend oft gebissen wurden.

In unseren Augen der größte Vorteil: Die Hunde erleiden viel weniger Stress, denn einmal in der Box müssen sie nicht mehr mühsam gehandlet werden. Ängstliche Hunde, die oft schnappen, können direkt in der Box die Narkosespritze bekommen - mit etwas Übung merken die Hunde nicht mal etwas davon. Wenn sie nach der Operation aufwachen, sind sie bereits wieder in der Box und zum Aussetzen am nächsten Tag werden die Boxen einfach an den Fangort gefahren und dort die Tür geöffnet. Ein weiterer Vorteil dieser Methode ist, daß auf unser Drängen hin auf jeder Box der exakte Fangort vermerkt ist, so dass gewährleistet ist daß jeder Hund nach 48 h exakt seinen Platz im Revier wieder einnehmen kann.

Morgens und abends, vor und nach der OP-Arbeit, machen wir uns selbst auf den Weg um Hunde zu fangen. Hierbei kommen wir immer sehr leicht mit der Bevölkerung ins Gespräch und bekommen so auch ein reales Bild von der Situation vor Ort. Ebenso wichtig wie die eigentliche Arbeit im OP ist diese Informationsarbeit, aber auch, sich selbst ein Bild von den Hunderudeln zu machen: Wo finden sie Futter, wie interagieren sie mit den Menschen, welche Unterschlupfmöglichkeiten haben sie?

Beim Einfangen konnten wir einige kleine Erfolge für uns verzeichnen: auf dem brachliegenden Nachbargrundstück unseres OPs lebten vier Welpen die offensichtlich vollkommen unsozialisiert waren - eine Annäherung auf weniger als fünf Meter war unmöglich. Jedoch war es ein leichtes sie mit ein paar Leckerein in unsere Katzenfalle zu locken. Unter lautem Protestgequietsche brachten wir sie in unsere Klinik und konnten sie schon nach wenigen Stunden kastriert wieder auf ihr Grundstück entlassen.

Ein Anwohner, der sich um die Straßenhunde an seinem Wohnblock kümmerte, bat uns um Hilfe beim Fangen, da bis auf zwei scheue Hündinnen und einen Rüden das gesamte Rudel schon kastriert war, nur diese drei konnte er einfach nicht fangen. Mit etwas List und Geduld hatten wir auch hier einen Fangerfolg und sicherlich einen neuen Freund gewonnen.

Überhaupt wurden wir im gesamten Ort sehr freundlich aufgenommen und hatten auch ein verlässliches Team ausserhalb des OP?s. So viele Dinge sind den ganzen Tag zu erledigen, die wir allein gar nicht leisten können: Die Tiere müssen registriert werden, die Transportboxen sind ständig zu reinigen, aufwachende Hunde wollen beaufsichtigt werden, die Touren der Fänger koordiniert werden, ...

All das oben Genannte und Ihre Spenden führten zu einem Ergebnis von 348 kastrierten Tieren, davon 248 weiblich und 100 männlich. Ausserdem wurden 34 Zähne gezogen sowie neun andere OPs durchgeführt.

In unserem Team herrschte eine einstimmige Meinung bei der Frage, ob wir in Balş weitermachen wollen: auf jeden Fall, am besten zweimal pro Jahr.

Ein solches Projekt ist immer schwierig zu stemmen, aber soviele Randbedingungen sind in Balş ideal: die Grösse der Stadt ist zu bewältigen, die Unterstützung der Gemeindeverwaltung und das gut funktionierende Team sprechen eine ganz klare Sprache: im Frühjahr sind wir wieder da!

Infos




Spenden

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