Rumänien - Herbst 2013

15.11.2013
Ein Bericht von:
Nina Schöllhorn
Tierärztin

Beachten sie bitte unser aktuelles Statement zur Arbeit in Rumänien

In Rumänien herrscht seit Anfang September Ausnahmezustand. Der Tod eines kleinen Jungen hat Bukarest und das ganze Land in Unruhe versetzt. Noch immer ist unklar, wie es tatsächlich zu diesem Unglück kommen konnte. Die leidtragenden sind die Hunde, denen die Schuld angehängt wurde. ;Eine Hetzkampagne von unglaublichem Ausmaß wurde von den Medien ausgelöst und immer wieder neu geschürt. Hunde als wilde Bestien, die nichts anderes im Sinn haben als Menschen anzugreifen. Horden verwilderter Hunde, die hungrig durch die Städte ziehen und Jagd auf Menschen machen. Hunde die Menschen in Angst und Schrecken versetzen und ein normales Leben in Bukarest unmöglich machen. So wurde die Situation dargestellt , und angeblich von der Bevölkerung empfunden. Die Folgen des Ganzen sind dramatisch und schockierend. Überstürzt wurde eine Euthanasiegesetzt ins Leben gerufen, welches ermöglicht gesunde Hunde zu töten und dies auch auf völlig inhumane Weise.

Sie versuchen auf vorsichtige, unterwürfige Art Freundschaft mit uns zu schließen. Fatal, wie abhängig der Mensch sie in all den Jahren gemacht hat. Sie verzeihen uns immer wieder aufs Neue. Beschämend wie mit ihnen umgegangen, was ihnen angetan wird. Wir sind für sie da- jetzt mehr denn je!Nina Schöllhorn

An sich schon schlimm genug. Doch die Konsequenzen im Einzelnen sind fast unerträglich.Seit Beginn dieser dramatischen Entwicklung befinde ich mich selbst in Rumänien und habe Einblick in die Entwicklungen an den verschiedenen Orten. Egal in welchem Teil Rumäniens wir uns bewegen, die Bevölkerung scheint in zwei Teile getrennt. Es gibt einen großen Teil der Menschen, welche absolut für die Tötungen sind. Ein anderer Teil ist darüber entsetzt, versucht verzweifelt die Hunde zu schützen. Tatsächlich gibt es viele Rumänen, die den Straßenhunden wohlgesonnen gegenüberstehen, diese füttern und teilweise sehr freundschaftliche Beziehungen zu ihnen pflegen. Für diese Menschen sind schlimme Zeiten angebrochen. ;Wie ist die Situation auf Rumäniens Straßen also tatsächlich?

Es gibt viel zu viele Hunde, dies ist außer Frage. Wir alle sind uns einig, dass es keine Straßentiere geben sollte. Jeder Hund sollte Besitzer und ein Zuhause haben. Doch ist es schließlich nicht die Schuld der Hunde, dass sie existieren. Das Problem ist durch Menschenhand gemacht. Es ist Resultat jahrzente langer Gleichgültigkeit, Verantwortungslosigkeit und Trägheit der Politik. Nun will man sich auf einfache, schnelle Art dieses Problems entledigen. Auf eine völlig inakzeptable Art und Weise. In allen Gemeinden in denen wir arbeiten finden wir einen Bürgermeister vor, auf den der Druck aus der Bevölkerung wächst. Man erwartet von ihm Taten, denn möglichst schnell sollen die Hunde verschwinden. Daher reagieren die Bürgermeister, leider meist zu Ungunsten der Hunde. Es bleibt den Bürgermeistern überlassen zu entscheiden, was mit den Hunden passiert. Ob sie am Leben bleiben oder nicht. In vielen Gemeinden werden Hunde nun im großen Stil eingefangen und in die Tierheime gebracht. Diese sind ohnehin schon überfüllt und dort herrschen schlimme Zustände. Die Tierschützer können der Flut an eingelieferten Hunden nicht mehr Herr werden.

Es herrscht eine absolute Notsituation in allen uns bekannten Tierheimen Rumäniens. Lehnen die Tierschützer ab Hunde aufzunehmen, droht man sofort mit deren Tötung. In anderen Gemeinden aktivierte man schnell gezielt Anlagen in denen die Hunde nach einer Frist von 14 Tagen getötet werden- auf welche Weise auch immer, denn die verschiedensten inhumanen Methoden der Tötung sind zugelassen worden. Noch schlimmer als dies, sind aber die vielen Anlagen, in denen die Hunde schlicht sich selbst überlassen werden. Ohne ausreichend Futter, ohne Schutz vor Regen, Wind und Kälte, ohne ein Mindestmaß an notwendiger Versorgung werden zurückgelassen um einem langsamem qualvollen Tot entgegen zu gehen.Tierschutz in Rumänien war noch nie einfach. Schon immer waren die Zustände hier hart und man war von ständig neuen Problemen und Unwegbarkeiten gebeutelt.

Doch was wir in den letzten Monaten erleben mussten, bringt uns an die Grenzen des Ertragbaren. Aktuell stehen unsere bisherigen Projekte auf wackeligem Boden. Wir müssen uns sehr bemühen, die Bürgermeister zu überzeugen, weiterhin unseren Weg der Problemlösung zu gehen. Dies ist nicht einfach. Ungemein wichtig ist aktuell präsent zu sein. Rumänien muss wissen, dass das restliche Europa nicht einverstanden ist, mit deren Vorgehen. Es kann nicht genug Proteste geben. ;Die Situation ist schlimm, deprimierend und zehrt an unseren Kräften. Wir haben schlaflose Nächte und es gibt Bilder vor unseren Augen, die wir wünschten nie gesehen zu haben. Doch es gibt nicht einen einzigen Moment in dem wir daran denken aufzugeben. Was sollten die Hunde ohne unsere Hilfe tun? Auch wenn wir niemals alle retten können, wir kämpfen für jeden einzelnen von ihnen.Wir stehen in Kontakt mit den einzelnen Gemeinden um die Wichtigkeit unserer Arbeit immer wieder aufs Neue zu betonen.

Wir versuchen unermüdlich den einzigen Weg der Problemlösung aufzuzeigen: Großangelegte Kastrationsaktionen. In unmittelbarer Zukunft werden wir verstärkt auf die Kastration von Privathunden unseren Schwerpunkt legen, denn diese sind in aller Regel in Sicherheit und letztendlich gleichzeitig der Ursprung des Problems. In Zeiten wie dieser müssen wir mit aller Kraft verhindern, dass neues Leben in dieses Land geboren wird, dem nichts als Leid, Qual und Ablehnung bevorsteht!Mir persönlich ist folgende Anmerkung wichtig: Das Bild der rumänischen Straßenhunde welches von den Medien in den letzten Wochen geschaffen wurde, zeugt von Unwissenheit, Sensationslust und ausgesprochener Gefühllosigkeit.

Es geht hier um sehr empfindsame Wesen, die niemandem etwa s zu leide tun. Sie versuchen lediglich zu überleben in einer Welt die schon vor diesen Vorkommnissen hart genug für sie war. Die allermeisten von ihnen sind trotz aller schlimmen Erlebnisse uns Menschen sehr zugetan. Sie versuchen auf vorsichtige, unterwürfige Art Freundschaft mit uns zu schließen. Fatal, wie abhängig der Mensch sie in all den Jahren gemacht hat. Sie verzeihen uns immer wieder aufs Neue. Beschämend wie mit ihnen umgegangen, was ihnen angetan wird. Wir sind für sie da- jetzt mehr denn je!Ihre Nina Schöllhorn

Ein Bericht von:
Nina Schöllhorn
Tierärztin



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