Rumänien - Juni 2009

01.06.2009
Ein Bericht von:
Nina Schöllhorn
Tierärztin

Beachten sie bitte unser aktuelles Statement zur Arbeit in Rumänien

Rumänien. So heißt also das Ziel meines ersten Einsatzes, auf den ich den Tierärztepool von Anfang bis Ende begleiten soll. Bis jetzt habe ich Ines Leeuw und Thomas Busch schon zweimal auf einem Einsatz unterstützt, allerdings jeweils nur für einige Tage. Ich sehe Rumänien mit gemischten Gefühlen entgegen. Bereits vor sechs Jahren war ich in Sachen Tierschutz dort und habe nur unschöne Erinnerungen. Alles war grau, kalt und über allem lag ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Außerdem schien mir, dass die Situation der Hunde in diesem Land noch alles übertrifft, was ich zuvor in Südeuropa erlebt hatte.Trotzdem freue ich mich sehr auf diesen Einsatz. Denn schon damals hatte ich mir geschworen: Ich komme in ein paar Jahren wieder, dann als fertige Tierärztin und endlich in der Lage, effektiv zu helfen. Denn schließlich war es das, was mich zu meinem Studium bewegt hatte. Ich wollte meine Kräfte einsetzen um die Situation der Straßentiere zu verbessern - egal wo. Uns erwarten drei Stationen: Miercurea Ciuc, das von Bruno Pet e.V. betreute Tierheim, danach Brasov mit seinem Tierheim, das vom Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. Unterstützung erhält, und zuletzt Balş, ein Ort ganz ohne Tierheim, aber mit dem Vorhaben die Zahl der Straßenhunde nachhaltig zu verringern - wir sind sehr gespannt.

Ich hatte mir geschworen: In ein paar Jahren komme ich als Tierärztin wieder. Das war es, was mich zu dem Studium bewegt hatte. Ich wollte meine Kräfte einsetzen um die Situation der Straßentiere zu verbessern - egal wo!Nina Schöllhorn

Kaum haben wir die rumänische Grenze hinter uns gelassen, stelle ich verwundert fest, was das Land an Schönheit zu bieten hat. Wir sind wie verzaubert von der Landschaft, sanfte Hügel mit naturbelassenen Wiesen, umrandet von kleinen Büschen und Bäumen. Der Himmel hat es uns aber am meisten angetan, er vermittelt eine Weite, wie wir sie noch nirgendwo zuvor gefunden haben. Ständig bilden sich neue Wolkenformationen, eine schöner als die andere. Alles in allem eine sehr idyllische Atmosphäre, die ich nicht erwartet hatte, was vermutlich jedoch auch an der Jahreszeit und dem sehr guten Wetter liegt.Zudem fällt auch der wirtschaftliche Aufschwung auf. Es wird überall gebaut, viele schöne neue Häuser säumen die Straßen. Auch um die Verbesserung der Verkehrswege scheint man bemüht, doch noch sind die Straßen eine Zumutung für uns und das Auto. Mir fällt auf, dass uns auf unserer fast endlos scheinenden Fahrt wenige Hunde begegnen. Ich zweifle jedoch daran, dass sich wirklich etwas für die Hunde verbessert hat und denke eher, dass der Grund dafür die sehr warmen Temperaturen sind, die die Hunde erst nachts aus ihren Verstecken kommen lassen. Vielleicht haben aber auch die Hundefänger besonders gute Arbeit geleistet.

Miercurea Ciuc

Als wir im Tierheim ankommen, müssen wir zunächst erstmal Platz schaffen. Das inzwischen schön gewordene und fast fertig gestellte Haus auf dem Tierheimgelände ist voll gestellt mit allem Möglichen, was wir nicht brauchen und uns stören könnte.Da ich, wie gesagt, bereits zweimal mit Ines und Thomas unterwegs war, wundert es mich nicht, das zwischen Ankunft und erster Operation nicht mehr als eine halbe Stunde Zeit vergehen. Hier dauert es einen Hauch länger, aber schnell sind wir mit den Gegebenheiten warm geworden und ein Hund nach dem anderen landet auf dem OP Tisch. Wir können es uns nicht leisten, Zeit zu verlieren, denn das vor uns liegende Pensum ist in der Kürze der Zeit eigentlich nicht zu bewältigen. Natürlich werden die Hunde nicht nur kastriert, sondern auch einem Gesamtcheck unterzogen. Manches Mal hält so etwas auch auf.

Leider fällt auf, dass viele Hunde eitrige Verletzungen aufweisen, verursacht vor allem durch Beißereien. Ein Problem der Überbelegung, aber auch der Tatsache, dass der Großteil der Hunde vor unserer Ankunft unkastriert war. Immer wieder auch Verletzungen, die durch die baulich nicht mehr so ganz intakten Zwinger hervorgerufen werden. Zudem sind die Zähne der Tierheiminsassen auffällig schlecht. Eitrige Zähne werden von uns gezogen, Wunden versorgt, Nabelbrüche oder Tumoren operiert. Da wir auch Flöhe finden, behandeln wir alle Tiere gegen Parasiten. An einigen Tieren entdecken wir die ersten Anzeichen von Räude und selbstverständlich werden auch sie behandelt. Drei Hunde plagen sich mit Stickersarkomen, die von Ines sogleich mit Chemotherapie behandelt werden. Trotz allem macht die Arbeit Spaß und wir sind froh den Hunden helfen zu können. Wir lernen Meli aus Deutschland kennen. Sie ist seit ein paar Monaten im Tierheim und eine unglaubliche Bereicherung. Ich bin völlig fasziniert: Sie kennt jeden Hund mit Namen und seiner Geschichte! Kaum zu glauben. Sie arbeitet bis zum Umfallen, stellt ihre Bedürfnisse völlig zurück. Denn sie hat weder Zeit das Tierheim jemals zu verlassen, noch sich um ihre Ernährung zu kümmern. Ich mache mir wirklich Sorgen, dass sie irgendwann einfach zusammenklappt.

Am zweiten Tag nehme ich mir ein paar Minuten Zeit, um durch das Tierheim zu laufen. Schon einige Male habe ich Tierheime mit mehreren hundert Hunden besucht. Jedes mal geht dasselbe in mir vor. Die Masse der Hunde erschlägt mich, die unglaubliche Geräuschkulisse hunderter bellender Hunde prasselt auf mich ein, das Ganze nimmt mir die Luft. Ich spüre eine tiefe Traurigkeit, Verzweiflung und Wut in mir. Warum? Ich fühle deutlich die Not dieser Hunde. Ich weiß um ihre Bedürfnisse, denen ein Tierheim dieser Größe niemals gerecht werden kann. Einige von Ihnen werden den Ort nie verlassen. Ein paar Quadratmeter Lebensraum, gedrängt mit vielen Artgenossen, viele Monate des Jahres eisige Kälte, Feuchtigkeit, ein Brei aus Essensresten als Nahrung und unerkannten Krankheiten, kaum menschliche Ansprache, Langeweile, Monotonie, Aggression. Ist das Leben??? Jeder von uns weiß nur zu gut, was zu einem erfüllten Hundeleben gehört! Ich versuche bewusst jeden Augenkontakt zu vermeiden. Denn dieser bricht einem das Herz. Zu deutlich, was die Blicke sagen wollen: Hol mich hier raus!!! Jeder von ihnen hätte es mehr als verdient. Jedem würde ich den Platz in einer Familie so sehr wünschen. Doch bei dieser Anzahl von Hunden - unmöglich!

Plötzlich bleibt mein Blick dann doch an einer sehr alten Hündin hängen. Sie ist unaufhörlich damit beschäftigt an einem Ohr zu kratzen, nimmt nichts anderes mehr war. Ich bitte darum sie untersuchen zu dürfen. Die Hündin heißt Lambic. Sie ist geplagt von Räude, hat hochgradig vereiterte Ohren, mehrere Mammatumoren, Arthrosen und ein Gebiss, das einer Ruine gleicht. Wir einigen uns, dass es für diesen Hund eine wahre Erlösung ist, wenn wir sie einschläfern. Ich frage mich natürlich, wie viele Hunde ich noch finden würde, die dringend Hilfe benötigen, hätte ich nur mehr Zeit. Aber im OP brauchen wir jede Hand und jede Minute, denn der Ehrgeiz von Ines und Thomas kennt keine Gnade! Gott sei Dank sehen wir aber die meisten Tiere noch, denn viele sind unkastriert. Kurz bevor sich mein Rundgang dem Ende neigt, komme ich an einigen Zwingern vorbei, in denen Mutterhündinnen mit ihren Welpen sitzen. Meli hatte mir erzählt, dass sie bei den chirurgischen Künsten des angestellten Tierarztes, der glücklicherweise inzwischen entlassen wurde, lieber die Welpen akzeptiert als durch die Kastration das Leben der Mutter zu gefährden. Ich beeile mich schnell wieder an meinen OP-Tisch zu kommen, denn wir wollen nicht abfahren bevor nicht der letzte Hund kastriert ist.

Natürlich muss ich während unseres Aufenthaltes auch die Mülldeponie besuchen, die sich unmittelbar neben dem Tierheim befindet. Ich hatte im vorhergehenden Bericht schon Bilder davon gesehen und wusste auch um die Lebensumstände der dort lebenden Zigeuner. Steht man aber plötzlich selbst vor diesem Elend, fühlt man sich einfach sprachlos. Denn dieser Anblick relativiert so manches und lässt die eigenen Probleme geradezu lächerlich erscheinen. So gehen die wenigen Tage dahin, alle geben hier ihr bestes, damit unser Ziel erreicht werden kann. Die Arbeiter machen Überstunden, ruinieren ihre Wirbelsäulen, beim unaufhörlichen Schleppen der zum Teil recht schweren Hunde. Meli versucht verzweifelt dem allgemeinen Chaos entgegenzuwirken, was ihr, wie ich finde, gut gelingt. Sie steht leider zwischen der Leitung von bruno pet e.V. und den Damen, die vor Ort den Vorstandsposten des ansässigen Vereins innehaben. Ohne diesen Damen nahe treten zu wollen, aber sie sollten ihre Funktion in diesem Tierheim neu überdenken. Es ist nicht damit getan, den süßen kleinen Welpen Kekse zu füttern, und die anderen 380 Insassen keines Blickes zu würdigen. Hier muss das Konzept, sofern es überhaupt eins gibt, umstrukturiert und die Ideen und Vorgaben, die bruno pet e.V. bereits seit einiger Zeit liefert, vom Team vor Ort endlich auch unterstützt und umgesetzt werden. Ansonsten gräbt man sich unaufhörlich immer tiefer ein.

Der Job in einem Tierheim dieser Größenordnung darf nicht ausschließlich mit dem Herzen betrieben werden, sondern auch mit dem Verstand! Thomas hatte beim letzten Besuch darüber bereits deutliche Worte verloren.Nun legt er die Hunde wie am Fließband in Narkose. Und für mich besteht kein Zweifel, dass ihm der Weltrekord im Braunülen schieben sicher ist. Ines ist natürlich ein Phänomen für sich, die Kastrationsqueen schlechthin. Wer die beiden als eingespieltes Team beobachtet, dem wird schnell klar, dass es keinen Sinn macht, sich mit ihnen messen zu wollen. Bei mir machen sich schnell körperliche Schwachstellen bemerkbar. Das Stehen von morgens bis spät abends bin ich nicht gewohnt. Meine Beine schwellen zu ungeahnten Ausmaßen an, meine Füße brennen wie Feuer, mein Rücken sticht und ich muss wirklich die Zähne zusammenbeißen. Von Ines nur hin und wieder ein Murren über erneute Flohbissattacken. Ich bin also schlecht trainiert.

Immer wieder fallen uns natürlich auch Einzelschicksale in die Hände. Wie z.B. Darwin: Er hat eine schlimme, schon ältere Lefzenverletzung, die wirklich übel aussieht. Ich gebe mein Bestes um ihm wieder zu einem schönen Gesicht zu verhelfen und hoffe dass die Naht hält - nicht selbstverständlich bei solch alten Verletzungen. Gerade aus der Narkose aufgewacht, zeigt sich auch Darwin als dankbar für jedes bisschen Aufmerksamkeit und Ansprache. Kaum geht es ihm am nächsten Tag besser, muss er wieder untertauchen in die Anonymität der Masse Hund im Tierheim. Inzwischen habe ich von Meli erfahren, dass alles gut verheilt ist. Wie sehr würde ich ihm nun ein Plätzchen in einer eigenen Familie wünschen. Da ist Marlene, eine kleine ältere Hündin, um deren Leben wir mehrere Tage kämpfen. Vom rumänischen Kollegen wegen Hämorrhagien operiert, kommt sie nicht mehr auf die Beine, und erliegt letztendlich der Staupe.

Und schließlich die „Horops“. Wie auch schon beim letzten Einsatz kommen gegen Ende die Hunde dran, die „horop“ sind, das heißt auf Ungarisch bissig. Schon damals hatte Thomas festgestellt, dass diese Hunde einfach nur Angst haben und dies mit ihrer Körpersprache mehr als deutlich machen. Den Pflegern hier fehlt jedoch jede Kenntnis der Hundesprache und überhaupt so ziemlich jedes Einfühlungsvermögen. Sie drängen die Hunde derart in de Enge, dass den Hunden nichts bleibt als die Flucht nach vorne. So auch Spokane, der zunächst den Anschein macht, als wolle er Thomas ernsthaft ans Leben. Als er aus der Narkose aufwacht und Thomas ihm einige nette Worte schenkt, verändert sich sein Blick völlig. Er lässt sich streicheln und fordert vorsichtig zum Spiel auf. Spokane darf den nächsten Tag mit uns frei in und um die Klinik verbringen und weicht Thomas nicht mehr von der Seite. Ein stolzer Rüde, der sich sehr nach einer Hund- Mensch- Freundschaft sehnt, hier jedoch nur missverstanden wird. Verständlich, dass wir Hunde wie ihn hier nur sehr ungern zurücklassen.

Schließlich schaffen wir es tatsächlich alle noch fruchtbaren Hunde im Tierheim zu kastrieren. Ich hätte das kaum für möglich gehalten. Am Tag unserer Abfahrt wollen wir eigentlich nur schnell unser Equipment einladen, doch über Nacht hat man wieder einen Hund über den Zaun geworfen und noch weitere drei tauchen auf, die noch nicht dran waren. Also, schnell die letzten 4 Hunde kastriert- darunter eine trächtige Schäferhündin mit 10 Welpen. Das hat sich noch mal richtig gelohnt! Insgesamt kommen wir auf die stolze Summe von 211 Kastrationen und zahlreichen weiteren kleineren OPs. Ines erzählt mir, dass die beiden zuvor noch nie in einem Tierheim gearbeitet haben, in dem die vorhergesagte Zahl der zu operierenden Tiere so exakt benannt werden konnte wie hier. Hut ab, Meli!

Ich verlasse das Tierheim mit gemischten Gefühlen. Zum einen sind mir die Tierheimbewohner und Meli natürlich schnell ans Herz gewachsen und ich würde gerne noch bleiben und weiter helfen. Zum anderen weiß ich, dass sich hier grundsätzlich etwas ändern muss. Das Tierheim wächst unaufhörlich weiter, obwohl nicht annähernd die finanziellen Mittel vorhanden sind, dieses Tierheim ordentlich zu führen. Die Grundbedürfnisse der Hunde sind kaum gedeckt. Die Transporte nach Deutschland können nicht einmal das abschöpfen, was an Nachschub ankommt. Und das wichtigste: Sie ändern nicht das Geringste an der Gesamtproblematik. Und damit meine ich die Situation außerhalb des Tierheims. Denn woher kommen denn die Welpen die jeden Morgen in Säcken vor dem Tierheim liegen? Doch von unkastrierten Besitzerhunden aus der näheren Umgebung! Das Problem muss an der Wurzel gepackt werden und dies bedeutet flächendeckende Kastrationsaktionen außerhalb des Tierheims!

Brasov

Im Tierheim von Brasov angekommen, treffen wir auf ca. 400 Hunde. Es handelt sich vor allem um alte Tiere, die schon seit vielen Jahren hier leben. Petra Zipp vom Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. hat in den letzten Jahren gute Arbeit geleistet und den ursprünglichen Bestand durch verstärkte Vermittlungsarbeit deutlich reduzieren können. Sie möchte den Bestand weiter verkleinern um möglichst viel an finanziellen Mitteln künftig in die Prävention, d.h. in den nachhaltigen Tierschutz und somit die Kastrationsaktionen außerhalb des Tierheims zu stecken. Wir sind uns also einig, dass dies der richtige Weg ist. Es gibt aber auch ca. 100 neue Hunde im Tierheim, die direkt der Tötung entkommen sind. Diese Hunde sollen nun für den Transport nach Deutschland vorbereitet werden.

Bei meinem Rundgang durch die Zwingerreihen wird mir wieder das Herz schwer. All diese alten Hunde, liegen doch sie mir schon immer besonders am Herzen. Doch wer will schon einen alten Hund? Dabei sind diese Tiere so dankbar und bescheiden und geben einem die geschenkte Zuneigung tausendfach zurück. Sie alle möchten doch wenigstens noch ein paar Jahre ihres Lebens ein weiches Plätzchen, gutes Futter, kleine Spaziergänge und Streicheleinheiten. An sich sehr bescheidene Wünsche, trotzdem werden sie nur wenigen Glückspilzen erfüllt. Die meisten bleiben hier bis an ihr Lebensende. Sie verfetten durch Bewegungsmangel, denn die Zwinger sind sehr klein. Auch fressen sie natürlich aus reiner Langeweile - was sollten sie auch sonst tun. Auch hier ist die Zahnsituation vor allem der alten Hunde sehr schlecht und viele leiden unter Arthrosen. Natürlich ist ein harter, kalter Holzboden nicht die richtige Unterlage für alte Hundeknochen. Insgesamt bräuchten diese Hunde einfach mehr Pflege und Aufmerksamkeit, was in einem Tierheim dieser Größe absolut nicht geleistet werden kann.

Ich komme einmal mehr zu dem Schluss: Ein Hund braucht ein Zuhause, kein Tierheim und natürlich schon gar keine Tötungsanstalten! Tierheime sollten nur für einen kurzzeitigen Aufenthalt gedacht sein, bis das Tier sein Zuhause gefunden hat. Sie ändern zudem rein gar nichts an der Gesamtproblematik. Das Problem muss an der Wurzel gepackt werden. Bei allem anderen drehen wir uns im Kreis.

Unsere ersten beiden Tage verbringen wir im Tierheim. Wir kastrieren die Neuankömmlinge und auch Privathunde und – -katzen. Kerstin aus Deutschland ist da und übernimmt den organisatorischen Teil. Wir lernen den rumänischen Tierarzt Dr. Ciprian Cocianu kennen, der im Tierheim angestellt ist. Es erweist sich als geschickter Chirurg, nur in Sachen Sterilität sind wir etwas geteilter Meinung. Dr. Alina – Catalina Capraru, die ebenfalls im Tierheim arbeitet, ist im Vergleich zum letzten Einsatz geradezu aufgeblüht. Ines und Thomas sind erfreut. Sie hat eine sehr humorvolle, unterhaltsame Art, was bei der manchmal etwas monotonen Arbeit nicht schaden kann. Nur ihr Handy nervt, denn es klingelt wirklich unaufhörlich. Aber sie hat schließlich auch zu koordinieren, wann wer wie viele Tiere zur Kastration bringt.

Auch hier wieder Schicksale, die besonderer Hilfe bedürfen. Da ist Fetiza, eine große Mischlingshündin, die von einem Unfall ein völlig zerstörtes Hüftgelenk davongetragen hat. Ines kann ihr mit einer Femurkopfresektion helfen. Sie hat hier jedoch kaum eine Chance auf Vermittlung und ich spüre bei Ines und Thomas eine nicht in Worte zu fassende Spannung. Inzwischen weiß ich, was es bedeutet, wenn die beiden diese Aura umgibt. Das Wort Euthanasie liegt in der Luft, auch ohne ausgesprochen zu werden. Doch Fetiza wird noch am selben Tag operiert und fährt anschließend mit uns nach Deutschland, da die beiden Angst haben, dass die Nachsorge der etwas komplizierten Operation hier nicht gewährleistet werden kann. Natürlich freue ich mich für sie!

Oder der kleine Miezemau, ein Katerchen mit einem gelähmten Vorderbein, der auf einem Parkplatz von einem Rudel Hunde umkreist wurde. Von tierlieben Menschen wird er ins Tierheim gebracht. Zunächst ein Häufchen Elend, abgemagert bis auf die Knochen und mit Katzenschnupfen, erholt er sich von Tag zu Tag. Inzwischen ist er zu einem richtigen Frechdachs aufgeblüht und wartet nun in Deutschland auf ein Zuhause. Die folgenden beiden Tage arbeiten wir in Tarlungeni, einem Vorort von Brasov. Der Bürgermeister ließ sich überzeugen, von den bisher üblichen Tötungsaktionen Abstand zu nehmen und den neuen Weg der Kastration zu beschreiten. Christina Lapis, Gattin des französischen Konsuls und Tierliebhaberin erster Klasse ist auch vor Ort, sie hat die gesamte Presse informiert und einen Aufruf gestartet, damit die Bevölkerung an diesen beiden Tagen ihre Tiere zur Kastration bringt. Wir alle wollen hiermit den Grundstein für einen neuen Weg im Umgang mit den Straßentieren legen.Uns wird eine Tierärztliche Klinik zur Verfügung gestellt. Beim Betreten muss ich schlucken. Klinik? Ein leerer Raum, gerade mal ein Schrank und ein Schreibtisch sind vorhanden. Nicht einmal Toiletten und fließend Wasser gibt es.

Es scheint also großes Improvisationstalent gefragt zu sein. Aber auch auf diesem Gebiet sind Ines und Thomas unschlagbar. Noch während wir unsere, aus dem Tierheim mitgebrachten, Tische und das Equipment aufbauen, strömt die Presse herbei. Massen von Menschen mit Kameras bauen sich vor uns auf und filmen die ersten Kastrationen und interviewen uns nebenbei. Auch Christina Lapis und die rumänischen Tierärzte, die vor Ort sind, stehen den Kameras Rede und Antwort. Sie erklären den Grund unseres Kommens und die Dringlichkeit der Kastration, sowohl der Straßen- als auch der Privattiere. So ist das Thema Straßentiere und Tötungsaktionen am Abend in aller Munde und am nächsten Tag auch in jeder Zeitung. Sogar in den Kirchen wird nun verkündet, dass man die Tötung von Welpen ablehnt und die Tiere lieber rechtzeitig kastriert werden sollen. Ein wirklich großer Erfolg.

Mitten im größten Gewimmel von Presseleuten wird uns eine kleine angefahrene Hündin gebracht. Sie ist im Schock und scheint ein schweres Schädelhirntrauma erlitten zu haben. Zunächst gilt es natürlich sie am Leben zu halten und Ines ergreift sofort Erste Hilfe Maßnahmen. Lange liegt die Kleine im Koma. Realistisch gesehen hat sie sehr schlechte Chancen, doch ich habe von Anfang an das sichere Gefühl, dass sie es schaffen wird. Wir entscheiden uns abzuwarten- einschläfern könnten wir sie später immer noch. Am vierten Tag, hebt sie den Kopf und kommt etwas zu sich. Ihre zentrale Koordination ist jedoch noch nicht wieder angesprungen und ihre Bewegungen verheißen nichts Gutes. Sie braucht Zeit und die geben wir ihr. Als es ihr ein bisschen besser geht, zeigt sich, dass sie vor allem und jedem panische Angst zu haben scheint. Mit viel Ruhe erwacht die Kleine zunehmend aus ihrer Lethargie. Die Angst aber bleibt.

Schon längst wieder in Deutschland verliebt sich eine Dame bei der Mitgliederversammlung des Fördervereins in Mali. Ines möchte sie aber noch bei sich behalten, da noch weitere Untersuchungen geplant sind und Tiere ohne zweimalige Impfung nicht weitervermittelt werden. Die Untersuchungen, und dazu gehört ein Röntgenbild, zeigen, dass Mali zusätzlich auch noch drei gebrochene Rippen hat. Daher rührt also ihre Panik vor anderen Hunden und Menschen. Inzwischen ist sie bei Ines und Thomas zu einem fast normalen Hund geworden und wartet sehnsüchtig auf ihr endgültiges Zuhause. Diese Geschichten entschädigen und machen unseren Beruf so wertvoll.

Wir kastrieren in den beiden Tagen sowohl Privathunde und -katzen, als auch viele Straßenhunde. Da es uns zeitweise an Nachschub mangelt, erklärt sich Kerstin bereit, selbst auf Hundefang zu gehen. Keine schlechte Idee, sie kommt nach kurzer Zeit mit neun Hunden im Auto zurück - ausgezeichnet. Die Straßenhunde machen insgesamt einen guten Eindruck. Was auffällt, ist allerdings ihre große Fruchtbarkeit! Alle Hündinnen haben vor kurzem geworfen oder sind trächtig. Auch bei jungen Hündinnen sind die Fortpflanzungsorgane schon sehr beansprucht- kein Spaß für Ines und mich, denn das bedeutet, dass die Gebärmütter sehr brüchig sind und man sie mit erhöhter Vorsicht behandeln muss.

Wir haben uns schnell an die Gegebenheiten hier gewöhnt und ich bin wirklich überzeugt von der Arbeit. Jedes Tier, das wieder an seinen ursprünglichen Platz zurück geht, hinterlässt ein gutes Gefühl. Ich denke, wir haben wirklich einen guten Grundstein gelegt, nun muss es aber so weitergehen! Ganz wichtig wird sein, dass in Zukunft einer der rumänischen Tierärzte zumindest einen Tag in der Woche weiteroperiert.Noch während unseres Aufenthaltes in Brasov kommt es zu einem weiteren Umbruch. Die Tötungsstation in Brasov SOLL geschlossen werden. Jedes Jahr fanden dort viele tausend Hunde ihren Tod. Ein großer Sieg also für den Tierschutz! Wirklich? Wer diese Länder kennt, wer die ewigen Gerüchte und Diskussionen zu Hunderten gehört hat, der bleibt bei solchen Nachrichten allerdings eher skeptisch, denn zu allem fehlt ja auch noch ein wirklich schlüssiges Konzept wie es dann weitergehen soll. Es befinden sich noch 400 !!! Hunde in der Tötung, die nun vom BMT- Tierheim übernommen werden sollen.

Dies wird aber wieder zwangsläufig zu einer massiven Überbelegung führen, welche wiederum Krankheiten wie Staupe massiven Vorschub leistet. Dass wir Tierheime mit solchen Belegungszahlen ablehnen, habe ich ja schon erwähnt. Schnell sind Angestellte der Stadt im Tierheim, um auszumessen, wo weitere Zwinger gebaut werden könnten. Wir sehen das Ganze mit Sorge, denn wenn es nicht schnell ein Kastrationsprojekt für ganz Brasov gibt und die Hunde auf der Straße bleiben dürfen, was dann? Sollen sie alle in einem gigantisch großen Tierheim angesammelt werden? Das kann ebenso wenig die Lösung sein, wie die bisherige Massenvernichtung der Hunde! Wir hoffen wirklich, dass die Chance genutzt werden kann um die Kastrationsprojekte auszudehnen!

Balş

Unsere Fahrt nach Balş führt auf kurvigen, holprigen Straßen durch sehr malerische Gebirgszüge und wir genießen die traumhafte Aussicht. Bis plötzlich immer mehr Straßenverkäufer am Wegesrand auftauchen. Leider verkaufen sie nicht nur ihren selbst gemachten Käse und Schnaps, sondern auch ihre produzierten Welpen. Die Welpen werden auf den Motorhauben zu Spottpreisen verjubelt. Es handelt sich vor allem um Herdenschutzhunde, die schnell mal unüberlegt von den Durchreisenden gekauft werden - sie sind schließlich auch zu goldig die kleinen Knäuel

Dass nur wenige mit diesen Hunden auf Dauer klarkommen ist vorprogrammiert. Es handelt sich also um die Straßenhunde von morgen.

Wir wissen nicht genau was uns in Balş erwartet. Den Kontakt hatte Despina Leonhard hergestellt, die an Thomas herangetreten war, mit der Bitte zu helfen. Die Vereine, die die Finanzierung dieser Reise möglich machten, erklärten sich bereit, die Tage in Balş mit zu übernehmen. Wir hoffen, dass sie dies nicht bereut haben.

Vor Ort angekommen werden wir von zwei Angestellten des Rathauses und einem Herrn des örtlichen Kulturvereins herzlich willkommen geheißen. Dass uns diese drei Herren in den folgenden Tagen wie Schatten begleiten werden, ahnen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.von li. nach re.: Nina, Ines, unsere Begleiter und der BürgermeisterSie behandeln uns sehr zuvorkommend und bemühen sich, uns jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Kurz darauf kommt auch noch der Bürgermeister dazu. Vielleicht sollte ich betonen, dass es Sonntag ist! Alles ist bestens vorbereitet: Flyer und Plakate wurden gedruckt, die in der ganzen Stadt auf die Streunerproblematik und deren Ursachen hinweisen. Die Wichtigkeit der Kastration wird darauf erläutert und die Bewohner gebeten ihre Privattiere an den kommenden Tagen zu uns zu bringen. Wir sind sehr positiv überrascht! Was auffällt: Keiner von ihnen bezeichnet sich als besonderer Tierfreund, keiner hat ein eigenes Tier. Nein, sie wollen schlicht das bestehende Straßenhundproblem auf humane Weise lösen. Offensichtlich muss man nicht Tiere horten um etwas an ihrer Lebenssituation zu verbessern.

Dass in Balş ein großes Problem besteht ist offensichtlich. In jeder Straße trifft man auf Rudel von Hunden!! Als wir die uns zugeteilten Räume betreten, sind wir nochmals sehr erfreut. Uns erwartet ein großer Raum mit OP- Tischen, fließend Wasser und Strom.Es gibt einen Aufwachraum und es wurden drei geräumige Zwinger gebaut für die Hunde vor und nach der OP. Haben wir einen Wunsch, wie z.B. Küchenrolle oder Mülltüten, wird uns dieser innerhalb von fünf Minuten erfüllt! Auch stellt man uns Gabriella zur Seite, eine sympathische junge Frau, die in ihrer Heimatgemeinde, ca. 30 km entfernt, selbst ein Tierheim unterhält und eine brennende Verfechterin der Kastrationen ist. Sie ist uns eine große Hilfe, sie organisiert alles, was sich außerhalb des OPs abspielt- und das ist viel! Denn es ist unglaublich auf welchen Zulauf wir hier stoßen.

Schon am ersten Tag strömen Privatleute mit ihren Tieren herbei, obwohl diese erst am zweiten Tag eingeplant waren. Die Hundefänger bringen auch ständig Nachschub an Straßenhunden. So herrscht ein buntes Treiben vor unserem OP und wir haben alle Hände voll zu tun.Nachschub ;Am zweiten Tag zeichnet sich schnell ab, dass die geplanten drei Tage viel zu kurz sind. Schon morgens als wir ankommen, warten 40 eingefangene Straßenhunde auf uns! Dabei ist heute eigentlich der Tag an dem die Privattiere bestellt sind. Wir krempeln also die Ärmel hoch und stellen uns schon morgens auf eine Nachtschicht ein. Auch hier erscheint die Presse und Thomas steht ihnen Rede und Antwort. Immer wieder kommen andere kleinere OPs, wie Augenverletzungen oder Nabelbrüche dazwischen, die uns aufhalten, die aber trotzdem mit erledigt werden. Denn diese Tiere bekommen nur einmal in ihrem Leben einen Tierarzt zu Gesicht.

Außerdem werden alle Straßenhunde mit einer Ohrmarke versehen, damit schon von weitem erkannt werden kann, dass dieser Hund kastriert ist. Natürlich soll diese Markierung auch vor der Tötung schützen. Daher wünschen zahlreiche Besitzer, dass auch ihr Tier eine Ohrmarke bekommt. Was sehr auffällt, ist die Tatsache, dass die Straßenhunde trotz des harten Lebens, das sie führen, in guter körperlicher Verfassung sind. Natürlich haben sie Parasiten, doch ihr Ernährungszustand ist gut und ihre Zähne sind wesentlich besser als die der Tierheimhunde.Da gegen Abend tatsächlich noch lange kein Ende in Sicht ist und die Lichtverhältnisse immer schlechter werden, bitten wir um „OP-Lampen“- und auch dieser Wunsch wird uns erfüllt. Leider rebelliert mein Magen bei dieser Arbeitsgeschwindigkeit und zu späterer Stunde kapituliert auch noch mein Kreislauf, so dass ich nur noch zu niederen Tätigkeiten zu gebrauchen bin.

Ines hält eisern im Scheinwerferlicht die Stellung. Und wenn Thomas sie nicht irgendwann gezwungen hätte Schluss zu machen- sie hätte die ganze Nacht weiteroperiert! Ich habe das Gefühl, nach 10 Stunden fängt sie erst so richtig an warm zu laufen...An unserem dritten und letzten Tag erlebe ich, was es heißt, unter Druck zu arbeiten. Es kommen immer mehr Menschen herbei, die auch noch die Chance nutzen wollen, ihr Tier kastrieren zu lassen. Die Nachfrage ist riesig. Selbst wenn Gabriella beteuert, dass es leider keinen Sinn macht zu warten, da wir diese Anzahl an Tieren unmöglich schaffen können, bleiben viele Leute vor dem Haus sitzen. Solange ein Funken Hoffnung besteht, dass ihr Tier noch an die Reihe kommt - sie wollen warten, egal wie lange.

So wird die Zahl der wartenden Menschen immer größer statt kleiner. Sie stehen dort mit ihren Hunden am Strick, oder in einen Bettbezug gewickelt, ihre Katzen halten sie in Mitten der Hunde einfach auf dem Arm oder in einer Einkaufstasche. Und die Katzen: auch sie warten genauso geduldig wie ihre Besitzer. Wir können uns an diesen Anblick kaum gewöhnen. In welcher deutschen Praxis wäre dies möglich?Die Einfachheit der Menschen ist bezaubernd. Sie haben nichts was sie uns als Dank geben könnten, doch ihre dankbaren Augen und ihr Lachen sind mehr als genug. Wir sind wirklich gerührt. In vielen anderen Ländern muss zunächst mühsam Überzeugungsarbeit geleistet werden, man stößt ständig auf Hindernisse und muss sich sogar häufig übel beschimpfen lassen. Hier ist das Gegenteil der Fall. Wir werden mit offenen Armen begrüßt und man nimmt unsere Hilfe dankbar an. Hier helfen wir wirklich nicht nur den Tieren, sondern tun auch den Menschen einen großen Gefallen. Denn man erzählt uns irgendwann etwas unglücklich, dass es üblich ist die überzähligen Welpen im Fluss zu versenken, oder man setzt sie irgendwo im Niemandsland aus - schlicht aus Ermangelung einer Alternative. Denn es gibt keinen Tierarzt der kastrieren kann. Es gibt nur Großtierpraktiker. In einer Nachbargemeinde hat einmal ein Kollege 50 Straßenhunde kastriert- 30 davon haben überlebt.

Wir haben sogar ganz besondere Helfer. Mehrere Jugendliche eines Waisenhauses für geistig behinderte Kinder weichen uns an allen drei Tagen nicht von der Seite. Zunächst waren sie etwas skeptisch und besorgt um ihre Hunde, haben dann aber sehr schnell Vertrauen gefasst und sämtliche Hunde gebracht, die sie zu fassen bekamen. Und schließlich stellten sie sich gar nicht schlecht an, Thomas die Hunde zu halten, während er die Braunüle schob. Sie konnten wirklich gut und einfühlsam mit den Hunden umgehen, besser jedenfalls als die Hundefänger selbst, deren grober, rücksichtsloser Umgang mit den Hunden uns wirklich ärgerte.

Es fällt uns unglaublich schwer, die wartenden Menschen wieder nach Hause zu schicken. Nicht nur, weil wir sie ungern enttäuschen, sondern weil wir auch um die Konsequenzen wissen. Denn die meisten weiblichen Tiere sind trächtig. An dieser Stelle möchte ich einmal betonen, dass keiner von uns gerne trächtige Tiere kastriert, vor allem nicht die hochträchtigen. Aber für die Welpen ist, wie gesagt, die Alternative im Fluss zu landen oder ohne Mutter irgendwo ausgesetzt zu werden um dann qualvoll zu verhungern. Und die Mutter? Bei der Geburt schüttet sie Hormone aus, die sie stark an die Welpen binden. Sie leidet daher unglaublich, wenn ihr diese zu früh genommen werden, ganz abgesehen von den Gesäugeentzündungen, die entstehen können, wenn keine Welpen mehr da sind, um zu trinken! Ich verzichte also auf mein Essen und meine fünf Minuten Mittagspause und will zumindest alle trächtigen Katzen „abarbeiten“.

Während ich so still vor mich hin operiere, wird mir plötzlich bewusst: Noch nie konnte ich meine Fähigkeiten als Tierarzt so sinnvoll einsetzen, noch nie wurde ich so sehr gebraucht! Ich bin wirklich glücklich hier gelandet zu sein! Dass einige Stunden später erneut mein Magen kapituliert, ärgert mich natürlich ungemein. Immer wieder schiele ich zu Ines hinüber, die mit einer Gelassenheit und trotzdem in atemberaubender Geschwindigkeit operiert, als gäbe es nur noch den heutigen Tag. Leider ist dies auch so. Wir alle spüren den enormen Druck und obwohl 146 Operationen, überwiegend Hündinnen durchgeführt wurden, wird eine Menge liegen bleiben. Ines argumentiert, dass jedes Tier 10 Welpen bekommen kann und damit legt Thomas ihr den nächsten Kandidaten rücklings auf den Tisch. Ich kann nicht mehr und fühle mich gerade noch so halb im Stande, das Besteck zu waschen. Die Tage hatten es in sich, aber morgen ist es vorbei.

Trotzdem, jeder möchte nach einer kleinen Pause unverzüglich wieder herkommen. In diesen Tagen habe ich vor Ort erlebt und verstanden, was Thomas meint, wenn er sagt: der Tierärztepool könnte aus Hundert Ärzten bestehen.

Als wir spät abends von unseren drei Herren verabschiedet werden, betonen diese, wie glücklich sie sind, uns kennen gelernt zu haben und dass sie mehr als zufrieden mit unserer Arbeit sind. Natürlich wagt man kaum zu fragen, wann wir denn wieder kommen können, denn es ist ungemein wichtig, dass hier so schnell wie möglich weiter kastriert wird. Mit den besten Wünschen bekommen wir noch drei Geschenke überreicht.Ines, Thomas und ich sind uns einig: Hier sind wir auf ein sehr schlüssiges Konzept gestoßen und auf einen Ort in dem unsere Arbeit auf sehr fruchtbaren Boden fällt. Wir müssen einfach wiederkommen, dann unbedingt für eine längere Zeit. Ich hoffe sehr, dass die Finanzierung für den nächsten Einsatz bald aufgebracht werden kann. Denn ich bin überzeugt; wenn hier die Kastrationen zum Rückgang der Straßenhundpopulation führen, dass dann auch die umliegenden Gemeinden nachziehen würden. Auch sehe ich die Möglichkeit dieses Konzept z.B. den Bürgermeistern von Miercurea Ciuc und Brasov vorzulegen. Denn genau solch ein Projekt wäre dort die Lösung!

Während wir Rumänien verlassen, hängt jeder von uns seinen Gedanken nach. Wir haben insgesamt 461 Kastrationen und 42 weitere Operationen durchgeführt. 503 insgesamt. Besser hätte mein Start mit dem Tierärztepool nicht sein können.Ich habe das Gefühl auf ein Land im Umbruch gestoßen zu sein. Auch in Sachen Tierschutz. Es gibt verschiedene Wege, die eingeschlagen werden könnten. Ich hoffe, wir werden dazu beitragen, dass es der richtige sein wird - für die Tiere und deren wundervolle Menschen.
Ihre Nina Schöllhorn
für Marlene, Lambic und Gabi

Ein Bericht von:
Nina Schöllhorn
Tierärztin

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