Rumänien März 2015

28.03.2015
Ein Bericht von:
Nina Schöllhorn
Tierärztin

Beachten sie bitte unser aktuelles Statement zur Arbeit in Rumänien

Miercurea Ciuc, Sighisoara und Targu Mures waren die Ziele unserer Reise nach Rumänien im März. Begleitet wurde ich dieses Mal von Marie Ferber, Tiermedizinstudentin im 7. Semester.

In Miercurea Ciuc stand dieses Mal neben der Kastration von Privattieren und neuen Hunden im Tierheim vor allem auch auf dem Plan, die Langzeitinsassen des Tierheimes zu untersuchen und wenn nötig zu behandeln. Teilweise kein leichtes Unterfangen, denn gerade diese Hunde sind häufig nicht sehr angetan von zu engem Kontakt mit Menschen. Daher mussten sie teils sehr aufwändig auf dem weitläufigen Gelände eingefangen werden. Doch dank dem tollen Team von Mitarbeitern in Miercurea Ciuc gelang auch dies. Es zeigte sich, wie wichtig solch ein Routinecheck gerade bei den alten Hunden ist. Häufig leiden diese unter sehr schlechten Zähnen, was ohne genaue Untersuchung nicht erkannt werden kann. Natürlich wird, wenn diese Hunde in Narkose liegen, die Gelegenheit genutzt um auch etwas Körperpflege zu betreiben, Scheren, Bürsten, Krallenschneiden, etc.

Es mangelt an allem. Dringend notwendige Antiparasitika, Impfstoffe und die einfachsten Medikamente, die zu jeder tiermedizinischen Standartapotheke gehören, sind hier Mangelware. Hier wäre dringend Hilfe von Nöten.Nina Schöllhorn
  • Johanna in MC lernt von Nina
  • Nina operiert in Targu Mures

Ich finde es ausgesprochen wichtig, dass auch Hunde die sich lange in Tierheimen befinden, die nötige Aufmerksamkeit und tiermedizinische Versorgung bekommen. Zu leicht geraten sie in großen Tierheimbetrieben in Vergessenheit. Ihre gesundheitlichen Probleme werden übersehen und sie leiden oft lange Jahre ohne dass es bemerkt wird. Ich weiß nicht, ob es andere Tierheime in Rumänien gibt, in denen- trotz einer solch großen Anzahl von Hunden- jedem einzelnen Hund so viel Aufmerksamkeit und individuelle Pflege ermöglicht wird. Ich würde mir sehr wünschen, dass die wirklich fantastische Entwicklung, die dieses Tierheim gemacht hat, Beispiel wird für viele andere Tierheime. Ich selbst hätte dies nicht für möglich gehalten, als ich vor 6 Jahren zum erstenmal dort war. Innerhalb weniger Jahre hat sich ein Hundesammellager mit schlimmsten Zuständen zu einem Vorzeigetierheim für ganz Rumänien gewandelt. Ich möchte an dieser Stelle meinen allergrößten Respekt gegenüber allen Beteiligten an diesem Erfolg aussprechen. Bruno Pet leistet ganz hervorragende Arbeit!

In Sighisoara fand eine kleine, recht spontane Kastrationsaktion statt, da sich eine größere Anzahl unkastrierter Hunde im Tierheimbestand befand, sowie einige Privattiere dringend zur Kastration anstanden. Um diese Jahreszeit werden fast alle Katzen rollig und viele Hündinnen läufig. Daher wird die Dringlichkeit einer Kastration bei einigen Tierbesitzern dann plötzlich besonders akut.
Die Situation in Sighisoara ist auf Grund einer enormen Anzahl an Welpen, die leider noch immer aufgenommen werden muss, recht dramatisch. Im städtischen Auffanglager herrscht drangvolle Enge. Die Tierheimtierärztin macht hier gute Arbeit und konnte das Vorkommen von den Seuchen Parvovirose und Staupe, die in allen rumänischen Tierheimen ihr Unwesen treiben, gut unter Kontrolle bringen und somit die Welpensterblichkeit drastisch senken. So erfreulich das auch ist, doch wohin nur mit all den Welpen? Diese sollten dringend in einer Familie groß werden und die Welt kennenlernen. Jede Woche in der reizarmen Umgebung des Tierheims ist eine zuviel. Ein Problem, mit dem alle rumänischen Tierheime zu kämpfen haben.
Trotz allem ist auch hier die Situation um vieles besser als vor einigen Jahren, als ich zum ersten Mal das Auffanglager hier betrat und mir der Atem stockte. Nie zuvor hatte ich einen so schauerlichen Ort gesehen. Die Zustände sind alles andere als perfekt, doch wirklich kein Vergleich mehr zu damals.

Auch in Targu Mures wird die Situation insgesamt langsam besser. Emilia und ihre Mitarbeiter bemühen sich sehr die Verhältnisse für die Hunde möglichst gut zu gestalten, auch wenn die baulichen Gegebenheiten mehr als ungünstig sind. Die finanzielle Situation ist hier leider sehr schlecht, denn Unterstützung von der Stadt ist kaum existent. So stellt die ausreichende Versorgung der Hunde mit Futter eine große Herausforderung dar. Leider fehlt es an den finanziellen Mitteln um die Hunde hier ausreichend medizinisch versorgen zu können. Es mangelt an allem. Dringend notwendige Antiparasitika, Impfstoffe und die einfachsten Medikamente, die zu jeder tiermedizinischen Standartapotheke gehören, sind hier Mangelware. Hier wäre dringend Hilfe von Nöten.

Bei diesem Einsatz habe ich also drei Stationen besucht, die ein Beispiel dafür sind, dass sich etwas bewegt oder bewegen kann in diesem Land. Zu oft stehen wir angesichts all der Probleme und dramatischen Situationen mit denen wir uns konfrontiert sehen, frustriert, mut- und kraftlos da. Und dann kommt meist noch von außerhalb die wenig ermunternde Frage, ob das denn alles überhaupt einen Sinn macht. Diese drei Stationen zeigen, dass sich etwas bewegt. Je nach Ort unterschiedlich schnell. Doch besonders Miercurea Ciuc zeigt, dass sich alles auch um 180° wenden kann. Alles steht und fällt mit den Aktiven vor Ort, aber auch der Unterstützung von Deutschland aus. Dies ist leider ein etwas trauriger Punkt, den ich hier ansprechen muss:
Glücklicherweise haben sich in den letzten 1,5 Jahren viele neue Gruppierungen gebildet, die auf verschiedene Art und Weise in Rumänien aktiv sind. So gibt es Hilfe für bedürftige Hunde viel breitgefächerter im ganzen Land, als noch vor wenigen Jahren. Leider teilen sich dadurch die Spendengelder auf diese verschiedenen Projekte auf, so dass den einzelnen weniger zu Gute kommt. Aktuell sind daher auch unsere Kastrationseinsätze leider von diesem Finanzierungsloch betroffen, so dass wir schon gezwungen sind Abstriche zu machen. Ich möchte Sie daher ganz herzlich bitten uns weiterhin bei unserer Arbeit in Rumänien zu unterstützen.
Ihre Nina Schöllhorn

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Tasso, Kids for Dogs und Bruno Pet für die Finanzierung dieses Einsatzes

Ein Bericht von:
Nina Schöllhorn
Tierärztin

Infos

  • Projektdauer: 14 Arbeitstage
  • Hündinnen: 121
  • Rüden: 85
  • Katzen: 51
  • Kater: 8
  • andere Operationen: 59
  • Gesamt: 324
  • Ansprechpartner: rumaenien@tieraerztepool.de



Spenden

  • Spendenkonto
    Kontoinhaber:
    Förderverein Arche Noah Kreta e. V. / Tierärztepool
    Institut: Commerzbank Lübeck
    IBAN: DE02 2304 0022 0020 9239 00
    BIC: COBADEFFXXX
  • Paypal
  • Paypal-Account: paypal@archenoah-kreta.com

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