Thessaloniki - März 2014

24.03.2014
Ein Bericht von:
Dr. Marga Keyl
Tierärztin

Schon seit meinem Studienabschluss im Jahre 2005 verfolge ich die Aktionen des Fördervereins Arche Noah Kreta e.V.. Teilweise aus erster Hand durch Freunde und Kollegen, die für die Arche gearbeitet haben, teils durch Berichte im Internet. Immer schon wäre ich gerne nach Kreta geflogen um auch dort zu arbeiten und zu helfen, doch bin ich nach dem Studium mehr auf die „Pferdeschiene“ geraten und dort auch lange Zeit geblieben. In den letzten Jahren habe ich in Ägypten gelebt und dort das Elend der Straßentiere hautnah miterlebt. Den Pferden konnte ich helfen, jedoch wusste ich bei den Kleintieren nicht viel auszurichten. Das sollte sich nun ändern.

Find a job you like, and you'’ll never have to work another day in your life.Dr. Marga Keyl

Nach der ersten Kontaktaufnahme und Treffen mit Thomas und Melanie, bekam ich bald darauf einen Anruf, ob ich vier Tage später nach Thessaloniki fliegen könnte, um Ines bei der dortigen Kastrationsaktion zu unterstützen. Ja, das konnte ich! Thomas gab mir noch einen großen Koffer mit Equipment mit, und auf ging’s in die nördliche griechische Hafenstadt.Abends am Flughafen wartete Lilly auf mich, eine griechische Tierschützerin, mit bereits zwei zu kastrierenden Hunden im Auto. Sie entschuldigte sich mehrfach und fragte, ob wir noch eben am anderen Ende der Stadt eine Hündin einsammeln könnten. Diese wäre hochtragend, sie hätte sie schon vor zwei Tagen gefangen, die Hündin wäre aber wieder entwischt. Nun habe eine Tankstelle, die jedoch bald schließt, sie eingesperrt. Kein Problem für mich, gleich mitten hinein in den Tierschutz zu schliddern.

Nachdem also besagte Hündin auch mit im Auto war, ging es ca. 60 km nach Süden, wo ich Ines kennenlernte. Sie war schon eher angekommen und hatte bereits alles für die kommenden Tage vorbereitet.Schnell wurde ich am nächsten Morgen mit meinen neuen Aufgaben vertraut: Tier sedieren, Flexüle schieben, Tier in Narkose legen, notwendige Medikamente geben, OP-Feld scheren und rauf auf den OP-Tisch, wo Ines einen nach dem anderen zügig kastrierte. So in etwa hatte ich es mir vorgestellt, jedoch ist es ganz anders, hautnah mit dabei zu sein. Es ist eine Sache, wenn man hört „die Kastration der Hündin dauert nur einige Minuten“, es ist eine andere Sache, wenn man merkt, man muss sich mit dem Anästhesieren des nächsten Tieres beeilen, weil Ines mit dem Jetzigen schon wieder fertig ist. Wir arbeiteten meist 12 Stunden oder mehr ohne Pause. Das mag sich für einige nach Sklaventreiberei anhören, jedoch ist es genau das, was Spaß macht und Kraft gibt. „

Auch der griechische Tierarzt, der freundlicherweise seine Praxis zur Verfügung gestellt hatte, damit diese legale und von der Stadt genehmigte Aktion durchgeführt werden konnte, schaute ab und zu herein und brachte Tiere. Er selber kastriert nicht. Mehrmals wurde uns übersetzt, was er sagte: „Ich habe noch nie Tierärzte so arbeiten sehen. Wie machen die das, so lange und ohne Pause?“ Mein Muskelkater wurde mit jedem Tag stärker (und ich dachte, ich wäre trainiert) und abends fiel ich nach dem Duschen nur noch müde ins Bett.113 Tiere in dreieinhalb Tagen, und mit jedem kastrierten Tier weiß man, dass man etliches zukünftiges Elend und Leid verhindert hat. Ich mag gar nicht daran denken, wie viele Hunde- und Katzenwelpen in den nächsten zwei Monaten das Licht der Welt erblickt hätten, und ihr Dasein in Hunger und Elend hätten fristen müssen. Das ist ihr Beitrag zum Tierschutz, der Beitrag der Tierärzte. Sehr sinnvoll und effizient, wie ich finde und mich nun life davon überzeugen durfte.

Diese Gedanken sind das, was einem die Kraft gibt, immer weiterzumachen.Und dann gab es da noch die freilebende, aber sehr verschmuste Katze „Eleni“, die uns mit einer großen Hautverletzung am Vorderbein vorgestellt wurde - leider erst zwei Tage nachdem es passiert ist. Ines frischte die Wunde auf und nähte sie, so gut es der Zustand der Haut noch zuließ, zusammen. Eleni wohnte in den nächsten Tagen in einem Käfig, schaute uns bei der Arbeit zu und brachte uns mit ihrer divenhaften Art zum Lachen. Die täglichen Verbandswechsel ließ sie tapfer und mit nur leichtem Murren über sich ergehen. Wir hoffen sehr, dass die weitere Wundversorgung vor Ort gewährleistet ist, und ihr Bein schnell heilt.Auf dem Rückweg zum Flughafen nach Thessaloniki, dieses Mal im Tageslicht, sah ich hier und da tote Hunde am Rande der Schnellstraße liegen.

Mir wurde mit einem leichten Schauer klar, dass wir sie nicht alle retten können. Aber genau daher lautet die Devise: weitermachen, um so das Elend zumindest einzuschränken.

Ihre Dr. Marga Keyl
Ein Bericht von:
Dr. Marga Keyl
Tierärztin



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