VOCAL - Jahresbericht 2014

15.03.2015
Ein Bericht von:
Virginia Swain-Dixon
Partner auf Kreta

2014 war für VOCAL mit der Eröffnung unserer Kastrationsklinik für Straßentiere in Agios Nikolaos im Nordosten Kretas ein sehr wichtiges Jahr. Wir haben viele Jahre auf dieses Ziel hin gearbeitet, und ich möchte diese Gelegenheit nutzen, all den Organisationen und Privatpersonen zu danken, die uns dabei geholfen haben, diese Klinik ins Leben zu rufen. Unser Dank gilt auch den Privatpersonen vorort, die dabei geholfen haben, die Räumlichkeiten herzurichten und all denjenigen, die uns mit Geld- und Sachspenden unterstützt haben. Als sich unsere Türen im Januar 2014 zum ersten Mal öffneten, waren wir einsatzbereit.

Unser besonderer Dank gilt dem Förderverein Arche Noah Kreta e.V., der uns das ganze Jahr über unterstützt hat, indem er uns immer wieder seine Tierärzte zur Verfügung gestellt hat. Der erste Tierarzteinsatz erfolgte im Januar durch Dr. Melanie Stehle, die beim Förderverein Arche Noah Kreta e.V. angestellt ist. Danach kam Dr. Ines Leeuw, eine langjährige Freundin, die sich seit vielen Jahren um den Tierschutz auf Kreta verdient gemacht hat. Dr. Ines Leeuw kam beinahe jeden Monat für 2-4tägige Kastrationsaktionen, zweimal wurde sie dabei von Dr. Margarethe Keyl begleitet. Ihnen zur Seite stand Ray Hodson, ein pensionierter Tierarzthelfer, der von seinem Wohnort im Osten Kretas her fährt und der Ines das ganze Jahr über ehrenamtlich unterstützt hat.

Viele kamen mit schlimmen Augenentzündungen oder waren gar schon blind, wie beispielsweise Clooney und Sammy Davis Jnr, die beide je ein Auge verloren hatten. Eliot, ein winziges Katzenkind, das durch eine Infektion schon auf beiden Augen blind war, wurde in einer Hotelanlage gefunden. Shelley kam mit einem gebrochenen, nekrotischen Bein, das, um ihr Leben zu retten, sofort amputiert werden musste. Für all diese Katzen konnte dank unserer wundervollen Partner im Ausland, ein Zuhause gefunden werden.Virginia Swain-Dixon

Wir danken außerdem der Tierärztin Dr. Petra Richter und ihren Tierarzthelferinnen, die uns 2014 zweimal besuchten. Diese Einsätze wurden gemeinsam von der Tierhilfe Kos, Robinson Group Hotels, Chance für Vier Pfoten e.V. und VOCAL getragen. Einer der Besuche von Petra kam durch ihre Zusammenarbeit mit den Robinson Group Hotels zustande, für die sie auch in anderen Ländern Kastrationsaktionen durchführt. Bei ihrem Einsatz in unserer Klinik wurden die Katzen in und um das Hotel in Sissi, einem Ferienort, der sich 30km westlich von Agios Nikolaos befindet, von Dr. Richters Kollegen und ehrenamtlichen Helfern von VOCAL eingefangen. Ich würde es sehr gerne sehen, wenn es eine ähnliche Zusammenarbeit mit weiteren Hotelgruppen in den kommenden Jahren geben würde.

Es ist schwer, in einem Jahr in dem so viel passiert ist, die Leistung einzelner hervorzuheben. In einigen Fällen, wenn es keine andere Möglichkeit mehr gab, mussten wir auch die schwere Entscheidung treffen, Katzen einzuschläfern. Diese Fälle waren aber selten ? ca. 20 über das ganze Jahr gesehen - im Vergleich zu den vielen Katzen, deren Lebensqualität wir verbessern konnten. Wir konnten über 800 Katzen durch Kastrationen, medizinische Versorgung und notwendige operative Eingriffe helfen. Die große Mehrheit war danach in einem wesentlich besseren Zustand als bevor sie zu uns gekommen waren und konnten wieder zurück auf die Straße entlassen werden. Jeden Tag sehen wir an den Straßenkatzen, wie sich ihr Zustand alleine durch die Kastration verbessert hat. Durch die Kastration wird der ewige Kreislauf endloser Trächtigkeit unterbrochen. Es gibt weniger Katerkämpfe, da sie nicht mehr auf der Suche nach einer Partnerin sind und auch ihr Revier nicht mehr so stark verteidigen müssen. Einige Katzen und Katzenbabies mussten nicht wieder zurück auf die Straße. Wann immer es möglich ist, werden Katzen auf Pflegestellen von VOCAL aufgenommen, wenn sie mit dem Leben auf der Straße nicht gut zurecht kommen oder es sich um kleine Katzenbabies handelt. Später werden sie mit Hilfe unserer Partner im Ausland vermittelt.

In 2014 ließen wir 41 Katzen von örtlichen privaten Tierärzten kastrieren und 820 von Tierärzten, die ehrenamtlich für uns in unserer Klinik arbeiteten. Private Tierärzte suchen wir in Notfällen auf. Wird eine Katze zur Behandlung zum Tierarzt gebracht, lassen wir sie immer auch kastrieren, wenn es keine Kastrationsaktion zeitgleich in der Klinik gibt. Obwohl die Helfer bei manchen Kastrationsaktionen vor allem darauf bedacht sind, weibliche Katzen einzufangen, betrug das Verhältnis Kater/Katzen am Ende des Jahres 50/50. Bei den Katzen, die zu uns in die Klinik kamen, wurden alle möglichen gesundheitlichen Probleme und Verletzungen, wie Wunden, Abszesse, faulige Zähne, verbrannte Ohren, Nabelbrüche, entzündete Augen, usw., über das ganze Jahr hinweg behandelt.

VOCAL und der Gemeinderat von Agios Nikolaos

Trotz eines langen und frustrierenden Weges durch die Bürokratie der Kommunalverwaltung, schafften wir es am Ende alle Hürden zu überwinden und erhielten die schriftliche Zusage des Gemeinderats, dass wir mit der wichtigen Aufgabe der Kastration von Straßenkatzen beginnen konnten. In dieser Zusage wurde uns klipp und klar gesagt, dass wir die gesamten Kosten zu tragen haben. Nach dem Gesetz und auf Beharren des Gemeinderats auf eine korrekte Vorgehensweise müssen wir jede Katze, die kastriert wird, mit einem Mikrochip versehen und gegen Tollwut impfen lassen. Wir müssen außerdem ein Verzeichnis führen, in dem jede Katze mit ihrer Mikrochip Nr., dem Tollwutimpfaufkleber, Farbe, Geschlecht und dem Gebiet, in dem sie eingefangen wurde, registriert wird. Dies muss vom Tierarzt unterschrieben werden. Ab 2015 müssen wir weiterhin ein eigenes Gesundheitsbuch für jede Katze ausfüllen, in dem ein Bild der Katze zusammen mit dem Mikrochipaufkleber eingefügt werden muss, UND für jede Katze ein Dokument über die Mikrochipregistrierung ausfüllen. Diese Dokumente werden nach jeder Kastrationsaktion dem Gemeinderat zur Registrierung auf deren Datenbank für Straßentiere übergeben. Sie halten sich natürlich an die Gesetzesanforderungen (ein Gesetz das niemals für die Kastration von Straßenkatzen gedacht war), und wir können nachvollziehen, dass sie sich auf jeden Fall korrekt verhalten wollen. Aber man muss hier schon an das Zitat ?Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur ein Schritt? denken, oder um nochmals Napoleon Bonaparte zu zitieren ?Im Leben sind die edlen und herrlichen Dinge nie weit von den banalen und lächerlichen entfernt.? Ich denke, das trifft genau auf unsere Situation zu! VOCAL erhält keinerlei finanzielle Unterstützung von der Kommunalverwaltung. All diese Auflagen müssen von VOCAL bezahlt werden. Und natürlich sind auch zusätzliche Helfer erforderlich, um sicherzustellen, dass alle Verfahrensgesetze korrekt eingehalten werden.

Bilder zeigen am eindrucksvollsten unsere Arbeit, die wir das ganze Jahr hindurch leisten. Ich möchte mich auch nicht dafür entschuldigen, dass hier auch traurige Bilder dabei sind. Sie sollen zeigen, welch unermesslichen Herausforderungen wir täglich gegenüberstehen. Sie sind außerdem auch für diejenigen Katzen, denen wir nur noch einen letzten Akt der Empathie und Fürsorge entgegenbringen konnten, indem wir sie von ihrem Leiden erlösen ließen.

Unsere alltägliche Arbeit

Der Schwerpunkt dieses Berichts liegt auf unserer Klinik, aber natürlich geht auch die tägliche Arbeit von VOCAL weiter. Mit Hilfe von 5 ehrenamtlichen Helfern füttern wir jeden Tag über 250 Katzen. Sie werden gesundheitlich überwacht und Neuzugänge werden kastriert. Es gibt regelmäßig Hilferufe bei Notfällen und ?Katzenproblemen? - Katzen, die in Autounfälle verwickelt wurden, angeschossen wurden, geschlagen oder mit Säure übergossen wurden, kranke Katzen, ausgesetzte Katzenbabies, Katzenbabies, die in Motoren festsitzen, Katzen, die in Rohren, Gebäuden oder Abwasserkanälen feststeckten, ausgesetzte Katzen oder einfach Katzen, die dort weg sollen, wo sie sich aufhalten. Wir kommen jedem Hilferuf nach. Tag und Nacht versucht einer unserer ehrenamtlichen Helfer bei den größten Notfällen sofort zu helfen. Bei nicht akuten Hilferufen versuchen wir sobald wie möglich zu helfen und versuchen auch immer einen Weg zu finden, nicht nur den Katzen zu helfen, sondern auch die Menschen mit einzubeziehen.

Unsere Vermittlungsarbeit

2014 konnten wir für 133 Katzen ein Zuhause in anderen europäischen Ländern finden. Wir arbeiten mit einer kleinen Anzahl von Tierschutzorganisationen zusammen, die uns bei der Vermittlung helfen. Wir arbeiten nur mit Organisationen zusammen, die Vor- und Nachkontrollen durchführen und Abgabeverträge machen. Wir finden nicht nur ein Zuhause für niedliche Katzenbabies, wir finden auch wunderbare Zuhause für ältere, kranke und behinderte Katzen. So fanden wir eine Familie für Izzie und Ginger, die von zwei Engländern zurückgelassen werden mussten, als sie plötzlich nach England zurückkehren mussten, nachdem beide innerhalb weniger Monate die Diagnose Krebs erhielten. Beide Katzen haben ein wunderbares Zuhause in Österreich gefunden. Hermes wurde während einer Kastrationsaktion in unsere Klinik gebracht, nachdem eine Griechin sich bei der örtlichen Behörde wegen ihm gemeldet hatte. Er war schon älter und es schien so, als ob er ausgesetzt worden war, da er mit dem Leben auf der Straße überhaupt nicht zurecht kam. Er hat heute ein Zuhause in Deutschland. Auch diese älteren Katzen benötigen unsere Hilfe. 2014 kamen viele kranke und behinderte Katzen und Katzenbabies zu uns.

Oftmals wurden sie von Touristen gebracht, die in den dicht besiedelten Touristenhochburgen mehr als 60 km von uns entfernt, wohnten und dort keine Hilfe vorort fanden. Viele kamen mit schlimmen Augenentzündungen oder waren gar schon blind, wie beispielsweise Clooney und Sammy Davis Jnr, die beide je ein Auge verloren hatten. Eliot, ein winziges Katzenkind, das durch eine Infektion schon auf beiden Augen blind war, wurde in einer Hotelanlage gefunden. Shelley kam mit einem gebrochenen, nekrotischen Bein, das, um ihr Leben zu retten, sofort amputiert werden musste. Für all diese Katzen konnte dank unserer wundervollen Partner im Ausland, ein Zuhause gefunden werden. Auf Facebook berichten wir regelmäßig über unsere neuesten Aktivitäten. Ich möchte mich bei allen ganz herzlich für ihre Unterstützung bedanken. In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist sie für uns noch wichtiger als bislang. Mit herzlichen Grüßen
Virginia Swain-Dixon
Vorstand
miaow.info
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Virginia Swain-Dixon
Partner auf Kreta



Spenden

  • Spendenkonto
    Kontoinhaber:
    Förderverein Arche Noah Kreta e. V. / Tierärztepool
    Institut: Commerzbank Lübeck
    IBAN: DE02 2304 0022 0020 9239 00
    BIC: COBADEFFXXX
  • Paypal
  • Paypal-Account: paypal@archenoah-kreta.com

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