Auf einer kleinen griechischen Insel - Hase und Igel 17.03.2006 Tierschicksal

Bei diesem Bericht bleibt der Ort unbekannt und die Namen der Beteiligten sind verändert. Dies machen wir, um das langjährige Projekt von „Maria“ nicht durch die in den letzten Monaten gegen die Tierschutzszene stark zugenommene griechische Beamtenwillkür zu gefährden.Hintergrundinfo: Zahlreiche, durch Nichtgriechen, auch noch so sinnvolle und effektive Tierschutzmaßnahmen in Griechenland werden seit geraumer Zeit unter anderem durch eine Abteilung im griechischen Landwirtschaftsministerium in Kooperation mit einer ultranationalistischen Gruppe von Griechen sabotiert und in der griechischen Presse verleumdet. Eine transparente Öffentlichkeitsarbeit ist den vielen ausländischen Tierschutzorganisationen daher nicht mehr möglich, da die vor Ort aktiven Tierschützer persönlich bedroht, verfolgt und in ihren Rechten eingeschränkt werden. Sämtliche anfallenden Kosten dieser Kastrationsaktion wurden – wie immer – von Maria beglichen!

Als wir die Insel erreichen, ist es bereits 21:30 Uhr. Seit 16 Stunden sind wir auf den Beinen. Der Taxifahrer von Maria erwartet uns am Hafen. Nun steht uns nur noch eine einstündige Fahrt bevor und dann endlich, sind wir am Ziel.Die Insel, auf der wir uns befinden ist wunderhübsch. Maria, die mit ihrem griechischen Mann mehrere Wochen im Jahr auf dieser Insel verbringt, organisiert in perfekter Weise die Kastration von Katzen und Hunden. Schon seit langer Zeit begleiten wir die Arbeit von Maria und freuen uns, mindestens zweimal im Jahr hier her kommen zu dürfen. Probleme mit ortsansässigen Tierärzten gibt es keine, einfach aus dem Grunde, weil es keine Tierärzte gibt.Bis auf den Amtsveterinär, der allerdings nur Großtiere behandelt. Wir lernten ihn im vergangenen Jahr kennen. Als er uns auf die Finger schaute, war er total begeistert und brachte uns seinen eigenen Hund zur Kastration. Auch Katzen bringt er inzwischen zu uns und wir freuen uns, ihn wieder zu sehen.In dem Auto, welches uns vom Hafen abholt, stehen 5 gefüllte Katzenkörbe. Sie sind von Tierfreunden am Hafen eingefangen worden und nutzen die Fahrverbindung direkt mit uns auf den OP-Tisch zu fahren. Wo wir unser Gepäck lassen, interessiert hier niemanden...

Normalerweise operieren wir immer alle Tiere, die tagsüber gefangen werden unverzüglich, um ihnen den Aufenthalt in einer Box so kurz wie möglich zu gestalten.Heute Abend geben wir uns aber der Wiedersehensfreude hin und sprechen mit Maria über die gesamte Entwicklung des griechischen Tierschutzes. Sie kennt sich bestens aus in der griechischen Tierschutzszene und verfolgt auch mit ihren Anwälten die Entwicklung in Nordgriechenland bei Rebecca und Jimmy Samaras.Nächster TagDie eingesperrten Katzen lassen uns nicht lange schlafen. Um 7:30 Uhr ist unser OP-Raum eingerichtet und die erste Katze liegt auf dem Tisch. Tragend – versteht sich. Das ist der Nachteil an dieser Jahreszeit. Die meisten Tiere erwarten wir in diesem Zustand.Im Vergleich zu den allerersten Kastrationsaktionen bei Maria ist heute hier die Hölle los. Viele Menschen bringen die eingefangenen Tiere und vor allem auch Hunde. Die standen bei den ersten Aktionen nicht so sehr im Vordergrund, bis 12:00 Uhr haben wir aber schon 5 Weibchen kastriert.Wir wissen noch nicht, dass wir, bis auf 20 Minuten Pause, bis nach Mitternacht durcharbeiten werden.Immer mehr Menschen stehen mit Tieren in der Tür. Maria redet sich den Mund fusselig, erklärt, überredet und rennt ständig zwischen OP und Haustür hin und her. Unser Ziel ist wie immer klar definiert: so viel wie möglich! Eitrige Zähne, verstopfte Analdrüsen, geschwollene Augen, hin und wieder mal eine Impfung werden „nebenbei“ erledigt.Die Arbeit auf dieser Insel macht Spaß.

Maria organisiert die Kastrationstage in perfekter Manier. Reichlich Tiere, ein inzwischen sehr gut ausgerüstetes Equipment, Katzenfallen, Zwangskörbe, Aufwachboxen, kurzum alles was das Tierschutzherz begehrt.Als Überraschung hat Maria eine nagelneue OP-Lampe gekauft, wohlwissentlich, dass unsere Arbeitszeit den Sonnenuntergang mehr als einmal überlebt.Übrigens ein Wort zu der Fraktion Leser, die der Meinung sind, wir hätten es ja so gut mit unserer Arbeit angetroffen; wir bekommen ja so viel von der Welt zu sehen. Als wir die Insel betreten ist es bereits dunkel. Das OP-Fenster ist mit Ranken zugewachsen. ;Das einzige, was sich zeigt ist die griechische Sonne, nämlich immer dann, wenn einer von uns in den Innenhof geht, um einen Hund, der dort mit seinem Begleiter wartet, in Narkose zu legen. Um 1:30 Uhr fallen wir tot ins Bett und morgen gibt es eine Wiederholung. Und übermorgen auch. Und dann verlassen wir mit der 19:30 Fähre die Insel. Wohlgemerkt im Dunkeln!Sieben Hündinnen, acht Kater und 20 Katzen, leider fast alle tragend sind heute unfruchtbar gemacht worden.

Am nächsten Tag: Im OP brennt die Luft. Wieder stehen Leute mit Hunden im Hof. Alles Weibchen. Leider nimmt die Kastration einer trächtigen Katze fast so viel Zeit in Anspruch, wie die Kastration einer Hündin. Nicht trächtige Katzen sind viel schneller fertig. Aber damit müssen wir leben und wissen dafür ziemlich exakt, wie viel Tiere in diese Welt, in der sie von vorne herein nicht gewollt sind, nicht mehr hineingeboren werden. Ein Kater wird von uns in Narkose gelegt und hier offenbart sich eines der größten Probleme bei der Kastration von wilden Katzen. Man kann diesen Tieren, die manches Mal einem Wildtier gleichen, nicht verständlich machen, dass wir mal eben eine kleine Voruntersuchung durchführen wollen. Sie gebärden sich wie wild und würden uns schnell verletzen. So narkotisieren wir diese Tiere durch die stabilen Gitter eines Zwangskäfigs und wissen nichts über die Herzstabilität, über den Ernährungszustand, über irgendwelche Krankheiten. Diese Tatsache wird diesem kleinen Kerl zum Verhängnis. Er hat sehr langes Fell und ich sehe nicht, dass er total abgemagert ist. Er wacht aus der Narkose nicht mehr auf. Unsere Laune ist schlagartig in den Keller gefallen. Wir zerbrechen uns die Köpfe, haben aber einfach keine Alternative zu dieser Methode. Außerdem wissen wir nicht, ob der Kleine nicht auch ohne Narkose gestorben wäre.Die nächsten Hunde holen uns aus unserem Grübeln heraus. Sie sind super süß und lieb. Ihre Operation verläuft vorbildlich, da bei Hunden, die nicht super ängstlich und scheu sind, eine Voruntersuchung möglich ist. Um 21:30 Uhr sind wir fertig mit 28 Kastrationen, als einer der Helfer mit seinen eigenen Pflegekatzen kommt. Ob wir ihnen noch schnell die Zähne machen können, kastriert sind sie schon. Und so beenden wir den Tag mit dem Ziehen von 11 total vereiterten Zahnruinen.

So verrinnen die Stunden wie im Flug. Man merkt immer erst die Anstrengung der Tage, wenn man wieder zu Hause ist und der Körper einen kleinen Ausgleich fordert. Aber das ist den Tierärzten egal, die sich dieser Arbeit verschrieben haben, denn zu wissen, dass keine Tiere mehr in eine Welt geboren werden, in der sie nicht gewollt sind, ist ein sehr schönes Gefühl, was die Strapazen leicht vergessen lässt.Durch den unermüdlichen und perfekten Tierschutzeinsatz von Maria auf dieser relativ kleinen Insel sind in den letzten Jahren über 1000 Tiere kastriert worden. Die Auswirkungen, so freut sich Maria, sind stark zu spüren und so langsam akzeptiert dies auch die Bevölkerung.


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