Berichterstattung 14.06.2018 Gedanken

Ein Bericht von:
Thomas Busch
Tierarzt und Vorstand

Ich habe mich mit Gregor in Augsburg getroffen. Wir sehen uns leider viel zu selten, aber so ist es nun mal, wenn man ständig unterwegs ist.
Unser heutiges Gesprächsthema wird mich über das Treffen hinaus noch weiter beschäftigen. So sehr, dass ich mich heute Morgen an den Rechner setze und schreibe.
In sechs Stunden fliege ich nach Kreta, aber der Brisanz folgend, stehe ich halt ein bisschen früher auf. „Wir haben im Mai ein großes Defizit auf unserem Konto eingefahren“, sage ich zu Gregor, der Gedanken versunken hinzufügt: „und jetzt kommen ja erst die schwachen Monate“. Damit ist mal wieder eine Diskussion eröffnet, die wir schon tausend Mal rauf und runtergebetet haben: Was können wir noch mehr/besser machen, damit mehr Menschen unsere Arbeit kennenlernen, für sinnvoll erachten und unterstützen?

Aber wir beide wissen nur zu gut, was diese Einsätze unseren Tierärztinnen abverlangen. Zig Mal haben wir in hunderten Berichten beschrieben unter welchen Bedingungen sie arbeiten, wie viele Stunden sie täglich am OP-Tisch stehen, ständig mit der Verantwortung leben zu müssen, für „Das Leben“ der anderen verantwortlich zu sein. Sie sind an einem Tag Chirurg, Anästhesist, Dermatologe, Gynäkologe, Internist und vieles mehr.Thomas Busch

Sämtliche Konjunktive die uns einfallen, führen zu keinem Ziel außer der Feststellung, dass wir in den letzten Wochen recht wenig von unseren Einsätzen auf unserer Homepage präsentierten. Aber das ist ja auch kein Wunder, denn unsere Kolleginnen waren überall verteilt auf der Welt im Einsatz. Marga und Dörte auf den Kapverden, Nina in Rumänien, Melanie in Nordgriechenland, Antonia auf Rhodos, Tanya auf Kreta.

Anschließend riefen wir unsere Tierärztinnen und Helferinnen zurück an den Bodensee, da zur Mitgliederversammlung alle anwesend sein sollten. In der, während der Einsätze eigentlich nicht vorhandenen Zeit bereiteten sich meine Kolleginnen auf die Präsentation vor, die bereits im letzten Jahr in Holstein für Begeisterung sorgten. Die gleiche Chance wollten wir unseren Mitgliedern und Gästen am Bodensee auch bieten und einen Tag gestalten, an dem die oft so weit entfernten Ärzte zum Anfassen nah waren. 70 Zuhörer lauschten begeistert den Worten unserer Einsatzleiter und fünf einzelne Bildvorträge ließen die weltweiten Einsatzorte fast an den Bodensee kommen.

„Wir brauchen Berichte“, holt Gregor uns wieder nach Augsburg zurück und ich nicke Gedanken versunken. Aber wir beide wissen nur zu gut, was diese Einsätze unseren Tierärztinnen abverlangen. Zig Mal haben wir in hunderten Berichten beschrieben unter welchen Bedingungen sie arbeiten, wie viele Stunden sie täglich am OP-Tisch stehen, ständig mit der Verantwortung leben zu müssen, für „Das Leben“ der anderen verantwortlich zu sein. Sie sind an einem Tag Chirurg, Anästhesist, Dermatologe, Gynäkologe, Internist und vieles mehr. Sie sind Notfallarzt und sehen Dinge, die viele von ihren Mitmenschen ohnmächtig werden lassen würde. Sie spüren den Druck der ortsansässigen Kollegen und Tierärztekammern, wissen, dass ihre Arbeit bürokratisch hundertprozentig geprüft und beobachtet wird und wollen letztendlich nichts anderes tun, als zu helfen. Sie leiden unter einem Schlafdefizit, sind ausgepowert und dann verlangen wir (alle) schöne Berichte. Am besten live und in Farbe. Aber bitte nicht zu brutal, damit wir die Bilder am Abend nicht mit Heidis next Topmodel vermischen. Denn wir möchten uns erholen, von einem Arbeitstag, der ja auch irgendwie anstrengend war. Demnach darf der Bericht ein bisschen emotional sein, er darf Sehnsüchte in uns wecken, die eigentlich wir gerne leben würden und er darf uns darin bestätigen, dass unsere Spende gut angelegt ist. Habt ihr verstanden, ihr Tierärztinnen?

Dann schreibt mal schön, vielleicht um 5:00 Uhr oder gegen 23:00 Uhr. Vielleicht könnt ihr auch dazwischen, wenn die Welpen eh gefüttert werden müssen.
Gregor und ich gucken uns an. Irgendetwas läuft hier gerade falsch. Suche den Fehler. Diese Gedanken beschäftigten mich in der letzten Nacht so sehr, dass nun ich sie zu einem Bericht zusammenfasse.

Können und wollen wir unsere Kolleginnen vor Ort tatsächlich damit auch noch belasten? Oder sollten wir nicht um Verständnis bitten, dass die Berichte etwas später kommen und verzeihen, wenn sie ausbleiben? Sollten wir nicht froh sein, nach den Einsätzen nichts zu hören, wissentlich, dass sich unsere Verausgabten erholen?

Ist es dann nicht unsere Pflicht, dafür zu sorgen, dass vielleicht auch mal andere den Spagat zwischen unseren Spendern und dem Einsatz vor Ort hinbekommen? Ich wüsste gerne mal, wie Sie, liebe Leser, darüber denken? Sicherlich ist eine zeitnahe Berichterstattung wichtig, aber ist sie wichtiger als die Hilfe vor Ort? Außerdem begleiten uns viele Menschen bereits so viele Jahre, dass sie eigentlich wissen sollten, dass, wenn sie nichts von uns hören, wir unterwegs sind. Und wer unsere Arbeit begleitet, der weiß, dass wir vor Ort alles geben. Alles!

So dreht sich der Kreis und Gregor und ich stehen mal wieder im Regen. Wir haben gestern Abend alle Tierärzte angeschrieben und gebeten, die Bericht und Fotos für die Veröffentlichung auf unserer Homepage fertig zu stellen. Wir haben es aber so formuliert, dass wir für alles was kommt, Verständnis haben. Vor allem für das, was nicht kommt.

Ich für meinen Teil kann nicht mehr machen, als auch Sie um Verständnis zu bitten. Dafür biete ich Ihnen eine Berichterstattung von Kreta, wenn ich dort heute Nachmittag gelandet bin. Bis dahin muss ich aber noch einiges erledigen und schließe damit den kleinen Bericht, für den ich eigentlich gar keine Zeit gehabt hätte. Sie verstehen...?
Thomas Busch


mehr Tierschutzgeschichten

unsere Einsatzberichte

Spenden
Ein Bericht von:
Thomas Busch
Tierarzt und Vorstand


Spenden

  • Spendenkonto
    Kontoinhaber:
    Förderverein Arche Noah Kreta e. V. / Tierärztepool
    Institut: Commerzbank Lübeck
    IBAN: DE02 2304 0022 0020 9239 00
    BIC: COBADEFFXXX
  • Paypal
  • Paypal-Account: paypal@archenoah-kreta.com

Weitere Geschichten

Magia

„Gleich wirst Du eine Hündin zur Kastration bekommen, deren Hintergliedmaße gebrochen ist.“, bekomme ich mit einem kurzen Öffnen der OP-Tür zugerufen und bevor ich antworten kann, ist sie schon wieder zu. „Ok, wir werden unsere ...


mehr lesen

Marty

Eineinhalb Jahre ist es nun her. Eigentlich eingefangen zur Kastration, sollte der hübsche Marty nun für die Sedierung an der Reihe sein. Doch beim Annähern an ihn merkte man sehr schnell, dass etwas mit ihm nicht stimmte. Hunderte von ...


mehr lesen