Der Himmel hat einen neuen Stern 18.09.2016 Abschied

Ein Bericht von:
Sara Kohl
Pflegestelle

Mein lieber kleiner Noah,
heute war es soweit, dass ich dich auf deine letzte Reise geschickt habe.
Eine Entscheidung die mir unendlich schwer viel, ich gezögert und gehadert hab, ob es denn wirklich schon soweit ist, ob es nicht doch noch eine Chance gibt. Aber deine Epilepsie wurde immer schlimmer und ich hab gesehen, wie du gelitten hast. Ich konnte nicht mehr zusehen und habe die Entscheidung getroffen, dass du genug gelitten und gekämpft hast. Gegen dich selbst, gegen die Umwelt, gegen deine Ängste und gegen was auch immer.

Du hast mich vor sehr viele Herausforderungen gestellt. So oft hast du mich vor die Frage gestellt "Was ist Lebensqualität?", "Was ist richtig, was ist falsch?" Du hast mir darauf keine Antworten gegeben. Aber irgendwie irgendwie haben wir unseren Weg gefunden.Sara Kohl

Mein lieber Noah, aus Rumänien kam ein Hilferuf von Nina. Sie hatte ein kleines altes Männlein, mit Schnee zugedeckt im Zwinger gefunden. Schon halb erfroren und in ganz miesem Zustand. Sie hat um dich gekämpft und hat dich wieder aufgepäppelt. Dann kam der erste Brief den du mir geschickt hast. Als Namensloses Etwas, dass einen Platz im fernen Deutschland sucht, an dem es noch ein bisschen erfahren darf, wie schön das Leben sein kann. 2 1/2 Jahre ist das her. Natürlich hab ich direkt gesagt das du kommen kannst und hab dir den Namen Noah gegeben. Weil du für mich auf der Arche Noah von Nina gelandet bist, die dir das Überleben ermöglich hat.

Als kleines schwarzes Knäuel hab ich dich bei der Nina aus dem Transporter geholt. Ich sah dich und dachte noch, "oh weh, so ein kleines verhuschtes Etwas" Aber was dann kam, hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Ein Hund, der sich nicht wie ein Hund verhält, der vollkommen erstarrt ist und in seiner eigenen Welt lebt. Kein rankommen, keine Regung. Wir haben dich vollkommen auf den Kopf gestellt, um rauszubekommen, was los ist. Aber nix kam raus.

Nach vielen Tränen, Verzweiflung, Wut und Hilflosigkeit, war es irgendwann an der Zeit es einfach zu akzeptieren und sich jeden Tag wieder über die kleinen Fortschritte zu freuen. Ich weiß noch genau, als du mich das erste Mal bewusst angeschaut hast. Oder der Moment als du das erste Mal mit den anderen im Flur gestanden bist, als ich heimkam. Was ich auch nie vergessen werde, als wir auf der Hundewiese waren und du wie immer ins letzte Eck gelaufen bist, damit dir niemand was tut, ich hab dich gerufen und du bist tatsächlich stehen geblieben und hast dich nach mir umgeschaut. So ein Wahnsinns Moment, als du nach über einem Jahr ganz bewusst auf mich und deinen Namen reagiert hast :-)

Du hast soviel gelernt und bist in vielen Fällen über deinen Schatten gesprungen. Aus dem kleinen verhuschten schwarzen Knäuel ist durchaus ein Hund geworden, der mit offenen aber sehr vorsichtigen Augen durch die Welt gegangen ist. Ich bin sooooo stolz auf dich!

Du hast mich vor sehr viele Herausforderungen gestellt. So oft hast du mich vor die Frage gestellt "Was ist Lebensqualität?", "Was ist richtig, was ist falsch?" Du hast mir darauf keine Antworten gegeben. Aber irgendwie irgendwie haben wir unseren Weg gefunden.

Mein kleiner Noah, 2 1/2 Jahre hast du mich nun begleitet und mir wurde die Ehre zu teil, dich auf diesem Weg zu begleiten. Dir zu zeigen, dass nicht alle Menschen doof sind und das ein weiches Bett und gutes Futter durchaus seine Vorzüge haben. Gerne wäre ich diesen Weg noch viel weiter mit dir gegangen. Aber es war an der Zeit dich ziehen zu lassen und dir auch jetzt am Schluss zu zeigen, dass ich dich so lieb hab, dass ich dich nicht leiden lassen will.

Mein Kleiner, du hast so viele Herzen berührt, die dich erlebt haben, die dich auf Bildern gesehen haben und ganz besonders hast du mein Herz berührt. Mit deiner zurückhaltenden und vorsichtigen Art. Du wirst immer ein Teil meines Herzens bleiben. Ich werde dich nie vergessen.

Jetzt mach dich auf die Reise, lauf schnell und befrei dich von aller Last und aller Krankheit. Grüße mir das Meierchen und rockt zusammen über die Wolken.
Wir denken an dich!
dein Frauchen Sara und deine Kumpeline Xenia

Vielen Dank an alle, die uns auf diesem Weg begleitet haben. Die uns unterstützt haben, die meine Zweifel und meine vielen Gedanken angehört haben. Und die nie die Hoffnung aufgegeben haben, dass wir doch noch das passende Zuhause für dich finden.


mehr Tierschutzgeschichten

unsere Einsatzberichte

Spenden
Ein Bericht von:
Sara Kohl
Pflegestelle


Spenden

  • Spendenkonto
    Kontoinhaber:
    Förderverein Arche Noah Kreta e. V. / Tierärztepool
    Institut: Commerzbank Lübeck
    IBAN: DE02 2304 0022 0020 9239 00
    BIC: COBADEFFXXX
  • Paypal
  • Paypal-Account: paypal@archenoah-kreta.com

Weitere Geschichten

Lilli - der Hund

Touristen melden in der Hochsaison im Stundentakt Tiere, die sie gefunden haben und denen sie helfen möchten. Vielen Menschen müssen wir leider sagen, dass wir aus unterschiedlichen Gründen nicht viel tun können. Erst recht, wenn es ...


mehr lesen

Ihre Stimme

Zwei Welten treffen aufeinander. Auf der einen Seite Lilli Hollunder, Schauspielerin, glamourös, populär, attraktiv, lustig, sexy und original das, was man aus den Medien wahrnehmen kann. Auf der anderen Seite der Tierärztepool. Genau ...


mehr lesen