Der Umzug 10.05.2017 New Life Resort

Ein Bericht von:
Thomas Busch
Tierarzt und Vorstand

Unsere kleine Station in der Nähe von Chania, unser New Life Resort, war in den letzten Monaten ein häufiger Grund für Diskussionen. Mieten oder kaufen, bleiben oder wegziehen, eine Station oder besser doch keine, regten die Gemüter an und jeder einzelne von uns schwankte oft mehrmals am Tag mit seiner Meinung.
Ausführlich berichteten wir im letzten "Im Einsatz" von dieser Ambivalenz. Nun ist die Entscheidung gefallen. Wir haben das Gelände verlassen - müssen - da es verkauft wurde.
Das Problem war nur: Wohin?

Wir reisen ja nicht mit einem oder zwei Koffern, sondern wir beherbergen immer eine gewisse Anzahl von Tieren, mindestens 1-2 Tonnen Futter, einen riesigen Berg an Equipment, unsere medizinische Ausrüstung und ganz nebenbei die privaten Dinge unserer Ärzte und Helfer.
Wir hatten uns nach langem Ringen gegen den Kauf eines Grundstücks entschieden. Drei Gründe möchte ich hier wiederholen: erstens hatten wir schlicht und ergreifend nicht das nötige Geld für den Kauf UND den entsprechenden Umbau. Zweitens wird uns immer klarer, gerade in Anbetracht der neuen und damit neunten Klinik auf Kreta, dass wir jeden Cent in die Anstellung weiterer Tierärzte investieren sollten. Und drittens ist eine Reaktion auf politische Veränderungen in Griechenland oder auf vereinsinterne Entwicklungen so wesentlich einfacher und risikoloser.
Die Frage blieb nur: wie finden wir einen Hausbesitzer, der bereit ist, eine Tierhaltung zuzulassen? Wo gibt es ein Haus, in dem mehrere Tierärzte und Helfer gleichzeitig wohnen können, ohne sich auf die Füße zu treten (das war im NLR mit seinen 70qm oftmals ein tragischer Punkt)? Wohin sollen wir gehen, ohne Nachbarn, Jäger, Schäfer mit unseren Tieren zu stören? Und letztendlich blieb die Frage, bis zu welcher Höhe wollen wir eine Miete akzeptieren?

Unsere Partner, wir selber, diverse Makler und selbst Juristen suchten für und mit uns nach einer neuen Bleibe, die die oben genannten Kriterien erfüllte. Nichts! Nur Andre hatte Erfolg. Unser, leider viel zu früh verstorbener, zweiter Vorsitzender regelte von "oben" mal wieder unsere Probleme. Seit er uns verlassen hat, optimiert sich unsere Arbeit auf Kreta in einem atemberaubenden Tempo, so dass uns gar nichts anderes übrig bleibt, als sentimental zu werden und an das zu Glauben, was nicht als Zufall abgetan werden kann. Andre schickte uns von oben zu einem Grundstück, in welches wir uns sofort verliebten. Es bietet all das, was wir brauchen; viel Platz, nahezu Alleinlage, einen netten Vermieter und eine akzeptable Miete.

Ein kleiner Wermutstropfen ist der Zustand des Hauses, denn es stand mehrere Jahre leer. Für den Umzug haben wir aber eine wundervolle Spende erhalten und wer glaubt, dass Tierärzte, vornehmlich Tierärztinnen, nur operieren können, der sah sich in den letzten zwei Wochen getäuscht. 3500 km, tägliches Ausräumen, Putzen, Einladen, Herüberfahren, Ausladen, noch mal Putzen und schließlich wieder Einräumen, war ein Marathon der Extraleistung. Zwischendrin immer wieder die OP-Tage in den einzelnen Kliniken, die wir unter keinen Umständen absagen wollten. Und dann der Höhepunkt!

Die ersten Kastrationen in Chania in der neuen Gemeindeklinik. In Chania! Wissen Sie, was das heißt? Chania war die letzte große Stadt ohne Gemeindeklinik. Hier war das Tierschutzklima durch diverse, katastrophal arbeitende Tierschützerinnen mehr als vergiftet und die Obrigkeiten hatten keine offenen Ohren für ein funktionierendes Konzept. Diese Zeiten sind auch hier vorbei!
Wie lange redeten wir auf sie ein, wie oft bewiesen wir in anderen Gemeinden den Erfolg unserer Arbeit? Die Tierschützerin Natassa Bobolaki schaffte mit einem gigantischen Engagement das Unmögliche. Zwar dauerte es mehr als fünf Jahre, aber am Montag, den 10.04.2017 standen unsere Tierärzte das erste Mal am OP-Tisch der Gemeindeklinik von Chania. Die Atmosphäre war wundervoll und auch mit der Kollegin, die von der Gemeinde mit der, nennen wir es mal "Wartung" der Klinik betreut ist, verstehen wir uns prima.
Die Klinik gehört der Gemeinde, der Tierärztepool übernimmt die Verantwortung und auch die komplette Finanzierung der Kastrationen und die Tierschützer der Umgebung dürfen mit ihren Tieren kommen. An 6 Tagen im Monat soll die Klinik von uns besetzt sein, was mal wieder eine personelle Herausforderung darstellt.

Dr. Melanie Stehle übernahm in diesen Tagen die Operationen und erzählte jeden Abend auf Neue, wie sehr sie beeindruckt war und wie sehr sie die Begeisterung über diesen Erfolg genossen hat. Selbst Freudentränen seinen bei einer Tierfreundin geflossen. Natassa, sie haben eine großartige Arbeit geleistet!
Aber zurück zu unserem Umzug. Kastrationsaktionen in Kalyves und in Rethymnon wollten wir nicht verschieben und so reduzierte sich die Umzugsmannschaft immer wieder auf wenige Leute. Egal, 16 Tage später, pünktlich zu meinem Abflug, hatten wir es geschafft. Das alte New Life Resort war leer, nur Yari und drei Katzen waren noch dort. Yari kennen Sie inzwischen, es ist unsere einst mit starken Vergiftungssymptomen zu uns gebrachte blinde Schäferhündin. Als wir die Tiere abholten begleitete uns eine Pflegestelle und Hundetrainerin aus Holstein. Sie machte mit ihrer Familie Urlaub auf Kreta und besuchte uns. Sie hatte die Berichte über Yari bereits alle gelesen und wollte sich ein Bild von dieser tollen, aber leider behinderten, Hündin machen. Tja, das war dann wohl ein... "Fehler" kann man eigentlich nicht sagen. Eher "Endgültiges"! Yari wird in naher Zukunft nach Deutschland reisen.

Ich verlies den Ort des Geschehens in einem geordneten Chaos. Der Umzug war vollbracht, aber damit noch lange nicht alles auf seinem neuen Platz. Und auch lange noch nicht alles fertig. Auf dem Gelände stehen zwei kleinere Stallungen, die einst Pferde- und Ziegenunterkünfte waren. Diese gilt es, so schnell wir möglich umzubauen und zu einer Bleibe für all die zu machen, die schwer verletzt zu uns gebracht werden. Ein Architekt machte uns für den Umbau ein Angebot, welches in 5-stelliger Höhe lag. Die Überlegungen, den Umbau selber in die Hand zu nehmen, entwickeln sich daraufhin. Freiwillige vor: Wer Lust hat und handwerklich geschickt ist, darf gerne nach Rethymnon kommen. Anfang Juni geht es dann weiter, aber die genauen Termine stehen noch nicht fest.

Für mich persönlich war diese Reise sehr klärend. Es ist eine Entscheidung gefallen, die die richtige ist. Bei der Entwicklung unseres Vereins in Richtung Kastrationen, Kastrationen und noch einmal Kastrationen wäre die Bindung unseres Kapitals in eine Unterkunft der falsche Weg. Wir benötigen Flexibilität und Tierärzte!
Große Pläne für diese liegen in Schubladen, aber davon werde ich erst bei unserer Mitgliederversammlung am zwanzigsten Mai in Holstein berichten, zu der, wie ich hoffe, viele von Ihnen erscheinen werden.
Ihr Thomas Busch


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