Dörte - tierärztliche Verstärkung 06.01.2017 Gedanken

Ein Bericht von:
Dörte Krause
Tierärztin

In den letzten drei Jahren bestand mein Alltag hauptsächlich aus Impfungen, Flohbehandlungen und vielen Blutuntersuchungen, Dank eines sehr gut ausgestatteten Labors, welches nicht jede Praxis ihr Eigen nennt. Doch so langsam wurde ich rastlos, sollte das wirklich alles gewesen sein? Renitente Besitzer von der Notwendigkeit einer adäquaten Parasitenprophylaxe zu überzeugen oder um so manche Impfung kämpfen zu müssen? Hatte ich fast sechs Jahre studiert, um mir dann sagen zu lassen "Aber im Internet steht...?"

Ich wollte etwas Neues, etwas Spannendes, etwas zum Spielen und mit Schokolade!

Schon am Anfang verliebte ich mich in einen kleinen Kater, der als winziges Häufchen Elend zu uns gebracht wurde. Völlig ausgetrocknet, beide Augen kaputt und abgemagert wurde er uns vorgestellt. Der Kleine eroberte im Sturm mein Herz und ich setzte mich daran ihn von der sprichwörtlichen Schippe herunter zu bekommen. Doerte Krause

Tierschutz, das wollte ich machen. Tieren helfen, da sie sich nicht selbst helfen können. Das war der Grund, warum ich mich durch dieses furchtbar technische und theoretische Studium gewunden hatte. Doch im Praxisalltag steht zwischen Dir und der Hilfe für das Tier immer der Besitzer und das gut, oder eben schlecht gefüllte Bankkonto desselbigen. Doch wo soll man anfangen? Tierschutzorganisationen gibt es wie Sand am Meer und Tierschutz ist nicht gleich Tierschutz.
Gerade in dieser Grübelzeit kam mir der Report vom "Förderverein Arche Noah Kreta e.V." in die Hände.

Nach ein bisschen Stöbern im Internet setzte ich mich mit dem Vereinsvorsitzenden Thomas Busch in Verbindung und durfte schon bald zum Probearbeiten nach Kreta reisen. Auf Kreta wurde in der Klink in Rethymnon operiert. Zuerst fühlte ich mich sehr fehl am Platz. Wenn die Mädels erst mal loslegen, gibt es kein Halten mehr. Routiniert, zügig und gründlich wurde operiert, bis der letzte Patient vom Tisch war.

Das war eine sehr gute Gelegenheit für mich, meine verrosteten OP-Kenntnisse wieder heraus zu kramen und etwas aufzupolieren. Kater zuerst, dann ein paar Rüden und zum Schluss, unter dem kritischem Blick von Antonia, ein, zwei Handgriffe bei den Katzen- und Hunde-Mädels.
Ich war infiziert und wollte mehr.

Gesagt, getan, der nächste Einsatz fand einen Monat später auf Rhodos statt. Zwei Wochen würde ich mit Melanie unter Realbedingungen testen, ob ich wirklich für diese Arbeit geschaffen wäre. Kaum am Flughafen auf Rhodos angekommen, ging es auch schon ins Tierheim. Ein Ort, ausgelegt für 50 Tiere, aber überfüllt mit über 300 Hunden. Auf engstem Raum drückten sich die Tiere in ihren Zwingern. Der OP-Raum vollgestopft mit Equipment und Medikamenten, die bis zum Ende des Einsatzes reichen sollten. Gerade so hatten wir Platz für zwei Tische zum Operieren und zum Vorbereiten. Die Klimaanlage bestand aus einem Fenster, das geöffnet zu viel Wind hereinließ, sodass es nach wenigen Minuten doch wieder geschlossen werden musste und einer tatsächlichen Klimaanlage, die aber nur im Fünfminutentakt funktionierte. So arbeiteten wir uns bei über 30°C von Tag zu Tag, während uns der Schweiß den Rücken herunter und aus den Handschuhen heraus lief.
Nach einer kurzen Einarbeitung begann für mich der Ernst des Lebens, unter den Argusaugen von Melanie führte ich meine Emaskulationskenntnisse vor und durfte auch bald allein an die Kater und später Rüden. Doch Melanie war immer nur ein Rufen entfernt, was mir eine enorme Sicherheit gab.

An Katzentagen hatten wir bis zu 50 Operationen am Tag und doch standen am nächsten Morgen wieder fast genauso viele Tiere vor unserer Tür, irgendwie surreal. Man musste doch irgendwann mal fertig sein... Doch die fleißigen Katzenfänger von "Flying Cats e.V." waren unermüdlich und brachten uns jeden Tag zuverlässig Arbeit. Neben den Kastrationen aber hatten wir auch andere Fälle zu bearbeiten, sei es ein Krankheitsfall im Tierheim oder ein Welpe mit gebrochenem Bein. Sehr berührt haben mich die vielen Kätzchen, denen wir ein oder manchmal sogar beide Augen entfernen mussten, da diese durch die Folgen einer Katzenschnupfeninfektion irreparabel beschädigt waren und nun Ärger in den kleinen Katzenköpfen verursachten. Eine Infektion, die sich mit einer Impfung bekämpfen lässt. Doch diese müsste regelmässig aufgefrischt werden und das ist bei dieser massiven Anzahl an Straßenkatzen nicht zu bewältigen. Schon am Anfang verliebte ich mich in einen kleinen Kater, der als winziges Häufchen Elend zu uns gebracht wurde. Völlig ausgetrocknet, beide Augen kaputt und abgemagert wurde er uns vorgestellt. Der Kleine eroberte im Sturm mein Herz und ich setzte mich daran ihn von der sprichwörtlichen Schippe herunter zu bekommen.

Nach einigen Tagen intensiver Pflege war klar, dass er es schafft. Ich konnte ihn nicht zurücklassen und nun wohnt der kleine Geordi bei uns. Bald weitete sich unsere Station aus und zählte am Ende fünf Katzenbabys und eine erwachsene Katze. Vier von den kleinen mit Augenproblemen und ein kleiner humpelnder roter Kater. Natürlich ist es eine ganz andere Welt, in einem kleinen stickigen Raum, voll mit Flöhen und Zecken, die einem die Beine hochkrabbeln, zu stehen und sich auf die offene Bauchhöhle, die vor einem liegt zu konzentrieren. Doch es hat mich gepackt: Eiter, Blut, Schweiß und Tränen und am Ende viele gerettete Leben durch Kastrationen und andere größere und kleinere Eingriffe. Die Zeit mit Melanie hat mich sehr beeindruckt und ich kann nur hoffen, nach der Einarbeitung beim Tierärztepool ein Stück weit die Routine und Gelassenheit zu gewinnen, die ich hier in Aktion gesehen habe. Auf ein aufregendes Jahr 2017!
Eure Dörte


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