Elmo 16.04.2015 Tierschicksal

Ein Bericht von:
Dr. Marga Keyl
Tierärztin

Heute habe ich den Glauben an die Menschheit verloren. Ich war auf dem Rückweg nach Hause und freute mich auf einen ruhigen Tag. Bereits am Vortag rief eine befreundete Tierschützerin an und fragte, ob ich noch einen Hund mitnehmen könne, er hat wohl ein eingewachsenes Halsband und auch eine ältere Wunde am Kopf.

Kein Problem, von eingewachsenen Halbändern hatte ich schon gehört - jedoch noch keins zu Gesicht bekommen. Wir luden die Hundebox ins Auto. Schon während der 20 Minuten nach Hause kurbelte ich die Fenster herunter, etwas im Auto roch sehr übel. Zu Hause angekommen warf ich das erste mal einen genaueren Blick in die Hundebox. Je näher ich kam, desto mehr schlug mir der Gestank entgegen. Ok, erstmal den Hund in Narkose legen, dann schauen wir uns genauer an, was da los ist.

Ich habe schon viel Tierelend gesehen, kann viel ertragen, aber hier standen mir die Tränen in den Augen. Was für ein Mensch kann einem Hund sowas antun? Wie geht das? Wie kann man zugucken, wie dem Hund eine Kette in den Hals einwächst? Wochen, Monate? Wo kommt die Wunde am Kopf her? Ich möchte gar nicht darüber nachdenken.Dr. Marga Keyl

Als der Hund schlief, sahen wir das ganze Ausmaß. Zunächst untersuchte ich die Wunden am Hals, die eigentlich nur aus stinkendem Eiter und wildem Fleisch bestanden. Ich guckte ungläubig Christina an und fragte "Ist das Halsband da jetzt noch drin?" Ich konnte es nicht sehen. Dann sah ich sie plötzlich, die rostige Eisenkette. Eingewachsen in den Hals. Als Welpe umgemacht, mit einem Draht verschlossen und nie wieder geöffnet.

Wir hatten Mühe, mit Zangen den Drahtverschluss zu öffnen. Vorsichtig zogen wir die Kette aus der Wunde rund um den Hals, an einer Stelle war sie komplett in die Haut eingewachsen. Auch aus einer großen Wunde am Kopf lief der Eiter. Der Gestank war nahezu unerträglich, immer wieder guckten Christina und ich uns ungläubig an.

Ich habe schon viel Tierelend gesehen, kann viel ertragen, aber hier standen mir die Tränen in den Augen. Was für ein Mensch kann einem Hund sowas antun? Wie geht das? Wie kann man zugucken, wie dem Hund eine Kette in den Hals einwächst? Wochen, Monate? Wo kommt die Wunde am Kopf her? Ich möchte gar nicht darüber nachdenken.

Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis wir das verklebte Fell um die Wunden freigeschoren hatten und die Wunden gereinigt hatten. Am Kopf konnte man direkt auf den Schädelknochen gucken, Gott sei Dank war dieser stark genug gewesen, um den Schlag abzufangen - sonst hätte der kleine Kerl das wohl nicht überlebt.

Nach einer weiteren halben Ewigkeit waren alle Wunden aufgefrischt und vernäht.
Später am Abend bot ich dem, von der langen Narkose noch etwas taumeligen, Kleinen etwas Wasser an. Anstatt zu trinken kuschelte er sich an mich und versuchte auf meinen Schoß zu klettern. Ich taufte ihn "Elmo". Danke Elmo, dass du, trotz allem was du erlebt hast, den Glauben an die Menschheit noch nicht verloren hast...


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