Ganz nebenbei 26.08.2015 Tierschicksal

Das Telefon klingelt. Eine Tierschützerin, die auf der Insel einige Zwinger hat und dort Hunde hält, ruft an. Wir kennen sie. Über die Zustände, über ihre vielversprechenden Phrasen, wann sich was bei ihr ändern wird, die dürren Hunde... verhängen wir das große Schweigen. Viele Welpen sterben dort, da sie an diesem Ort mit Infektionen in Kontakt kommen, die ihr kleines Immunsystem in die Knie zwingen und ihnen keine Chance lassen.

Respekt vor unseren Helferinnen und Tierärztinnen, die nie nach der Uhrzeit fragen, nie nach ihrem eigenen Befinden, nie nach einem ?Warum??.
Sie setzen sich ins Auto und fahren hin.Gregor Uhl

Warum sie immer wieder Tiere anschleppt und aufnimmt, kann einem normalen Menschen nicht klar sein. "Sie werden sonst totgefahren, sie verhungern, sie werden vergiftet"... das ganze Repertoire, mit dem man die eigene Unfähigkeit übertrumpfen möchte.
"Schau dich doch mal um, schau dich doch mal selber an, an welcher Stelle hat das hier etwas mit Tierschutz zu tun?", möchte ich ihr entgegen schreien. Aber ich kann nicht, weiß ich doch, dass dann der letzte Strohhalm abknickt, der den Zwergen eine kleine Chance bietet. Unsere Tierärztinnen. Ihr heutiges Anliegen: sie hat vier Welpen aufgenommen, vielleicht acht Wochen alt, alle haben starken Durchfall. Es sind nicht unsere Tiere. Es ist nicht unser Tierheim. Aber wenn wir gerufen werden, können wir nicht anders und fahren hin. Ab diesem Moment haben wir Verantwortung für die medizinische Versorgung, für ihr Leben. Wir können sie nicht aufnehmen, wir können auch nicht jedem Einzelnen im Tierheim gerecht werden - viele bräuchten Therapien für die Haut- und Darmerkrankungen sowie den Parasitenbefall - aber diese vier sind jetzt unsere Schützlinge.

Respekt vor unseren Helferinnen und Tierärztinnen, die nie nach der Uhrzeit fragen, nie nach ihrem eigenen Befinden, nie nach einem "Warum?".
Sie setzen sich ins Auto und fahren hin.Gregor Uhl

Wir wissen nicht, was mit ihnen passieren wird - wenn sie überleben, werden sie später vielleicht adoptiert. Hoffentlich. Je eher sie hier raus sind, desto besser. Aber erstmal müssen sie überleben!
Dieser eine Anruf führt dazu, dass wir am ersten Tag dreimal die Strecke dorthin auf uns nehmen - rund zwanzig Kilometer, einfach. Inklusive der Behandlungen der Tiere vor Ort dauert jede Fahrt rund 1.5h - Equipment muss vorbereitet werden, jedes einzelne Tier muss untersucht werden und bekommt Medikamente. Zu uns nehmen können wir sie nicht, da wir keine Möglichkeit haben, infektiöse Tiere in Quarantäne unterzubringen. Das Risiko, ungeimpfte Kastrationskandidaten zu infizieren, wäre viel zu groß. So sprühen auch wir uns nach jeder Fahrt gründlich mit Desinfektionsmitteln ab. Wir werden dadurch nicht steril, aber jede noch so kleine Präventivmaßnahme wird ergriffen.

In den folgenden Tagen folgen weitere sechs Fahrten - also insgesamt neun. Das bedeutet: 360km Fahrstrecke und 13.5h Arbeitszeit. Ganz nebenbei. Denn was sich anhört, als sei es der Kern unserer Arbeit, muss "nebenbei" laufen. Wir sind nicht verantwortlich dafür, dass Menschen Tiere zu sich nehmen, denen sie nicht gerecht werden können. Sie können ihnen keine normale Sozialisation bieten, sie haben oft kein Futter für die Tiere, sie können keine medizinische Behandlung gewährleisten. Aber die Tiere können nichts dafür - sie trifft keinerlei Schuld. Diese Welpen wurden nicht gefragt, ob sie in eine Welt geboren werden wollten, wo sie keinerlei Wert genießen. Eine Welt, die für sie ein kurzes, grausames Leben vorsieht, das allzu oft in einer Mülltonne oder in einem Sack im nächsten Fluss endet. Eine Welt, in der es kaum Hoffnung gibt.

Deswegen tun wir uns all diese Strapazen an - und deswegen träumen wir von einer Welt, in der keine Tiere mehr unerwünscht geboren werden. Wir haben die Chance, daran zu arbeiten. Träumen sie mit uns diesen Traum und unterstützen sie unsere Kastrationsarbeit - damit vielleicht irgendwann keine Welpen mehr in der Mülltonne landen. Oder sich in einem Tierheim den schleichenden, aber sicheren Tod holen. Oder in einem Fluss ertränkt werden.

Gregor Uhl
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