Geboren um zu sterben 01.09.2014 Tierschicksal

Ein Bericht von:
Nina Schöllhorn
Tierärztin

Einsam liegt der kleine Körper am Straßenrand.
Steif. Fliegen legen ihre Eier in den Augen ab.
Wenige Stunden später sind Maden geschlüpft. Laub fällt auf das tote Wesen. Passanten gehen auf und ab. Unbeeindruckt.
Am Abend fehlt der Kopf.
Ein Artgenosse hat seinen beißenden Hunger gestillt. Am nächsten Morgen wird nichts von ihm übrig sein.

Nur hundert Meter weiter. Ein weiteres totes Hundekind. Ebenfalls überfahren. Mitten in der Einfahrt eines Fabrikgeländes.
Gestern noch war es uns freudig zwischen den Beinen umher gelaufen. Wie nahe sich Leben und Tod doch sind.
Keiner macht sich die Mühe den Leichnam zu entfernen. Warum auch? Auch hier haben die hungrigen Überbliebenen längst den Geruch wahrgenommen.
Am selben Tag, zwei Kilometer weiter. Ein Hundekind im selben Alter. Scheinbar leblos liegt es unter einem parkenden Fahrzeug. Doch es regt sich noch ein wenig Leben in ihm.
Übersät von abertausenden von Zecken, ausgesaugt, blutleer, kraftlos, kalt. Chancenlos. Wir kämpfen dennoch um sein Leben. Vergeblich.

Ein ganz normaler Tag in Slatina/ Rumänien. Die Welt dreht sich weiter. Menschen gehen ihres Weges. Teilnahmslos. Emotionslos.
In meinem Kopf hämmert jedoch das WARUM?
Wie ist das möglich?

Wo ist die Gerechtigkeit?
Wie kann es sein, dass täglich tausende Welpen ein solches Ende finden? In Rumänien, aber auch überall anders auf der Welt? Sie sterben, ohne dass irgendjemand Kenntnis von ihnen nimmt. Sie verschwinden, als ob es sie nie gegeben hätte. Sind sie wertlos, weil es so viele sind? Es sind Lebewesen. Einzigartig. Wertvoll. Mit einem Recht auf Leben.
Geboren um zu leben!

Ich finde keine Antwort auf meine Fragen. Auch wenn es keine Antworten gibt, so müssen wir dennoch reagieren. Wir müssen verhindern, dass diese Leben überhaupt geboren werden- in eine Welt die nicht zu schätzen weiß, was für kleine Wunder jeden Tag in ihr entstehen. Eine Welt, der nicht auffällt wie viele wunderbare Seelen sie jeden Tag verliert. Nina Schöllhorn


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