Gespräch zwischen Dr. Herwig Zach und Thomas Busch 26.04.2015 Tierschicksal

Ein Gespräch mit den Tierärzten Dr. Herwig Zach von den Bons Amigos und Thomas Busch, Vorsitzender des Tierärztepools, über die Zukunft der Kastrationsaktionen auf den kapverdischen Inseln

Herr Dr. Zach, wie kamen Sie auf die Idee, auf den Kapverden Tierschutz zu betreiben?
Dr. Herwig Zach: Eigentlich fing alles mit einer Kette von Zufällen an: Eine Frau, die mit ihrer kranken Katze in die Ordination kam, erzählte davon, dass sie auf den Kapverden so viele arme, streunende Hunde gesehen hätte und fragte, ob man da nicht etwas machen könnte. Ein Wort ergab das andere und ein Jahr später flog ich zusammen mit Henriette Wirtl und einer Gruppe Tierärztinnen, Tierärzten, Helferinnen und Helfern auf die Kapverden zu unserem ersten Einsatz. Es war ein unbeschreibliches Erlebnis, diesen Tieren helfen zu können und dabei mit hilfsbereiten Menschen zusammenzuarbeiten. Wir alle waren fasziniert davon. Nach unserer Rückkehr gründeten wir den Verein Bons Amigos (deutsch: gute Freunde). Das ist jetzt 15 Jahre her. Seit dem Tod Henriette Wirtls im Jahr 2009 leite ich die Arbeit alleine.

Und dann kamen Sie dazu, Herr Busch?
Thomas Busch: Wir arbeiteten damals unter anderem auch für den ETN (Europäischer Tier- und Naturschutz). Henriette Wirtl hatte sich an diesen gewandt, um Hilfe zu erhalten, da sie vom Tierärztepool gehört hatte, ihr aber das Geld ausgegangen war. Zuerst kamen positive Signale vom Geschäftsführer, aber als das Projekt dem damaligen Präsidenten vorgestellt wurde, lehnte dieser ab.

Warum?
Thomas Busch: Keine Ahnung.

Und wie ging es weiter?
Thomas Busch: Ines Leeuw und ich hatten lange hin und her überlegt und fanden das Projekt sehr reizvoll. Insellage, keine Ausflugmöglichkeiten, kein Tierheim, wenig bürokratische Hindernisse... Argumente, die uns überzeugten. Wir packten unsere Sachen und flogen hin. Alles war natürlich sehr provisorisch, denn Geld war kaum vorhanden. Mit Schaudern denke ich noch heute an die Dusche. Einen Eimer kaltes Wasser schütteten wir uns abends über den Kopf..

Was hat sich seit dieser Zeit verändert, Herr Dr. Zach?
Dr. Herwig Zach: Eigentlich alles. Aus einem Pilotprojekt ist eine kleine NGO geworden, wir sind auf den Kapverden und in Österreich organisiert, betreiben in Praia eine kleine Tierklinik, führen regelmäßig Operationseinsätze durch, bilden Leute auf den Kapverden aus, arbeiten mit der Stadtverwaltung und anderen Organisationen zusammen, etc., etc. - und: es gibt jetzt auch richtige Duschen mit warmem Wasser ;-). Die "Bons Amigos" sind schon lange aus der Pionierphase herausgewachsen. Und wir arbeiten schon seit vielen Jahren mit dem Tierärztpool zusammen, von dem wir auch die vielbewährte Kastrationsmethode übernommen haben.

Herr Busch, der Tierärztepool arbeit inzwischen auch auf anderen Inseln der Kapverden?
Thomas Busch: Die Arbeit auf der Hauptinsel blieb nicht unbeobachtet. Eine Urlauberin sprach Herwig an und bat um Hilfe auf Sal. Ines und ich packten für drei Tage Equipment für 100 Operationen zusammen und flogen rüber. Noch nie haben wir unser Equipment so ausgepresst und gestreckt wie in diesen drei Tagen. Das Ergebnis: 189 Operationen. Es war ein phänomenaler Einstieg und die Begeisterung der Sponsorin war geweckt. Sie wollte wiederkommen und zusammen mit uns die Insel zu "ihrer" Insel in Bezug auf die Kastrationen machen. Was ihr auch gelang. Über 3600 kastrierte Tiere und damit ca. 85% der Population sind ein großartiges Ergebnis.

Somit arbeiten Sie parallel. Die einen auf Sal, die anderen auf Santiago.
Dr. Herwig Zach: Ja, das kann man so sagen. Der Tierärztepool ist derzeit vornehmlich auf Sal tätig, die Bons Amigos auf Santiago. Doch seit ich weiß, dass die Insel Sal hoffentlich bald nicht mehr so viel Arbeit bereiten wird, versuche ich, den Tierärztepool für öftere Einsätze auf Santiago zu gewinnen. Gerade in der Hauptstadt Praia, die der Sitz der Bons Amigos ist, leben ca. 10 x so viele Tiere wie auf Sal, und es bedürfte einer ununterbrochenen Kampagne von ca. 2 Jahren Dauer, um die Stadt in den Griff zu bekommen. Das kann eine Organisation alleine nicht bewältigen.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Thomas Busch: Herwig, von "Bons Amigos" und wir, der Tierärztepool, arbeiten nun schon seit vielen Jahren sehr erfolgreich zusammen. Das bleibt nicht unerkannt und die Signale von anderen Inseln und auch von den Touristen sind eindeutig. Man möchte, dass wir unsere Arbeit ausdehnen.
Der Tierärztepool ist zu allem bereit.
Dr. Herwig Zach: Auch "Bons Amigos" möchte ein Zeichen setzen. Im Oktober planen wir, zusammen mit Thomas, einen großen Einsatz, bei dem mehrere Ärzte vom Tierärztepool anwesend sein werden. Aber auch unsere Leute vor Ort helfen natürlich mit und eine Kollegin aus Portugal möchte ich ausbilden lassen und für eine längere Zeit an uns binden.
Wenn es uns gelingt, genügend Spenden zu akquirieren, werden wir eine Tierärztin des Tierärztepools für vielleicht zwei, drei Monate auf den Kapverden stationieren. Sie wird dann zu den anderen Inseln aufbrechen und dort die ersten Kastrationsschritte gehen. In Frage kommen Sal (zur Nachkontrolle) Boa Vista und Sao Vicente. Wir werden sehen, was sich bis zum Oktober auf die Beine stellen lässt.
Thomas Busch: Mit ein bisschen Glück können wir den deutschen Verein "Tasso e.V." wieder mit ins Boot holen, denn sie haben bereits einen längeren Einsatz auf Sal großzügig mitfinanziert. Dort hat man erkannt, dass sich die Insellage der Kapverden sehr gut eignet, um die Kastrationserfolge nachhaltig und überzeugend darzustellen. Positive Signale in Höhe von Euro 5000,- haben wir bereits erhalten.

Herr Busch, was ist für Sie ein Erfolg von Kastrationsaktionen auf den Kapverden?

Der Erfolg einer Kastrationsaktion lässt sich daran erkennen, dass sämtliche Taxifahrer der Stadt sofort wissen wo man hin will, wenn man sagt: "clinic bons amigos"!

Und für Sie, Herr Zach?
Dr. Herwig Zach: Wenn ich durch einen Bezirk gehe, in dem wir unlängst kastriert haben und die Tiere dort nun gesünder aussehen. Wenn die Menschen in Praia unsere Arbeit unterstützen und merklich mehr Bewusstsein und soziale Verantwortung für die Tiere entsteht. Wenn unser Team unter der Leitung der kapverdischen Krankenschwester Cesaltina, das gute Herz der Klinik, an einem einzigen Tag 480 Tiere gegen Parasiten behandelt. Das Arbeiten von mehreren Tierärzten an fünf Tischen mit dem täglichen Ergebnis von bis zu 80 Kastrationen. Wenn sich die Presse nahezu stündlich die Klinke in die Hand gibt und uns mit Interviews von unserer Arbeit abhält. Und wenn dann am Abend beim Essen im Restaurant der Fernseher in den Hauptnachrichten einen langen Beitrag über "Bons Amigos" sendet. Und wir anschließend Applaus von den anderen Gästen erhalten. Wenn eines der größten Hotels in Achada jeden Tag ein Mittagessen für 12 Personen spendiert.

Und Ihre Wünsche, Herr Zach?
Dr. Herwig Zach: Ich träume von dem Tag, an dem ich von unserer Klinik über die Stadt Praia blicke und sagen kann: Wir haben die Situation im Griff! Ich wünsche mir das in erster Linie für die Tiere, aber auch für die "Bons Amigos" und mich. Und auch für Henriette Wirtl, die die letzten Jahre ihres Lebens zu 100% dafür gearbeitet hat.

Und Ihre, Herr Busch?
Thomas Busch: An diesem Tag möchte ich neben Herwig stehen!

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