Gift! 07.06.2016 Gedanken

Ein Bericht von:
Nina Schöllhorn
Tierärztin

Die Saison hat begonnen. Die Touristen kommen. Ganz plötzlich müssen jetzt die Hunde verschwinden. Gift. So heißt die einfache Lösung - seit man sich erinnern kann.
Ein bisschen unschön manches Mal, und man sollte sich nicht erwischen lassen. Aber so ist es nun mal.
Das Vergiften hat begonnen. Aus verschiedenen Teilen der Insel bekommen wir Warnmeldungen und Hilferufe. Tierfreunde rüsten sich wieder mit Erste-Hilfe-Sets aus.

Saalim ist ein Gesicht unter den Opfern der Giftanschläge. Es gibt zahllose andere für die jede Hilfe zu spät kommt.Nina Schöllhorn

Und es gibt Opfer. Einer davon wird uns gebracht. Wir kämpfen um sein Leben. Mehrere Tage. Er liegt da, bewegungsunfähig, jeder Atemzug fällt ihm schwer, sein Kreislauf droht zu kapitulieren, seine Organe zu versagen. Doch er kämpft mit uns, er ist jung und stark. Er macht offensichtlich Höllenqualen durch. Es ist schwer ihm dabei zuschauen zu müssen. Doch soll er eine Chance haben, muss er da jetzt durch. Während er da so liegt, fixiert er mich mit seinem Blick und wedelt unaufhörlich. Zu mehr ist er nicht in der Lage. Und doch ist dies in diesem Moment unglaublich viel.

"Du musst ein toller Hund sein, Du hast bestimmt ein tolles Wesen, ich bin mir sicher" geht es mir durch den Kopf.
"Wenn er es schafft, bleibt er bei uns. Keinesfalls darf er dorthin zurück wo er vergiftet wurde" beschließen wir an diesem Abend.
Am dritten Tag richtet er sich auf.
Am vierten Tag steht er. Wir haben alle Gänsehaut.

Er schaut uns an, als will er sagen: "Ihr habt mir was versprochen!"
Ja, das haben wir.
Genauso wie er, als er sich nur mittels seiner Augen und seines Wedelns verständlich machen konnte. Saalim (swahili= gerettet) hat genau das wunderschöne Wesen, dass er damals versprochen hatte.

Saalim ist ein Gesicht unter den Opfern der Giftanschläge. Es gibt zahllose andere für die jede Hilfe zu spät kommt.

Aus Sitia kommt die Nachricht, dass zwei der Hunde am Hafen verstorben sind nach einem Giftanschlag. Sch0n länger hatten wir befürchtet, dass es dazu kommen würde.
Doch was nun in Sitia folgt ist erstaunlich: Die breite griechische Bevölkerung reagiert entsetzt und schockiert auf die Vergiftungsaktion. Jung und Alt machen deutlich, dass dies in der Gesellschaft nicht toleriert werden kann. Man versucht den Täter zu finden. Hundebesitzer werden momentan auf Spaziergängen ständig von Unbekannten darauf hingewiesen, auf ihre Hunde aufzupassen, sie nichts fressen zu lassen. Das Thema ist in aller Munde. Sogar das Veterinäramt bezieht öffentlich Stellung.

Ändert sich tatsächlich etwas? Findet ein Umdenken statt? Vielleicht verschwindet Gift doch zunehmend aus den Köpfen, als Lösung für das "Problem?"

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