Herr Meier begibt sich auf eine Reise 04.03.2016 Abschied

Mein lieber Meier,
heute war es soweit. Erwartet und dann doch plötzlich, hast du heute deine letzte Reise angetreten :-( Eine Reise ohne Wiederkehr. Aber ein Start in ein neues Leben für dich.

Mit dem ersten Bild, wurdest du mir als kleines, altes Männchen vorgestellt. Ich brauchte überhaupt nicht weiterlesen. Deine Augen, dieser ängstliche Blick - du hast mich genau ins Herz getroffen. Ich wusste vom ersten Moment an, du bist mein Hund. Diese Augen sollten lernen zu strahlen und eine Welt sehen, die all das tolle bietet, was dir bis dahin verwehrt geblieben ist. Viele Jahre hast du dich allein auf den Straßen von Bals durchgeschlagen. Bis irgendwann deine Kräfte zu schwinden begannen. Kaputte Gelenke, kaputte Zähne, dehydriert und verwirrt. So hat dich Nina aufgelesen. Von Anfang an hast du dich als Kämpfer gezeigt. Wie wild hast du um dich gebissen, wolltest dich nicht anfassen lassen. Schon da hab ich zu dir gesagt, sei nicht dumm. Die beiden meinen es nur gut mir dir. Und du hast deine Chance genutzt. Du hast dich verladen lassen und konntest mit Nina auf deine erste Reise gehen. Der erste große Schritt in Richtung eines eigenen Zuhauses.

In einem rührenden Briefwechsel hat Xenia sich bei Nina um dich beworben. Jeder kennt sie, diese Briefe, aber ich möchte sie noch einmal hervor holen, denn so hat alles angefangen.

Sehr geehrte Frau Schöllhorn,
mein Name ist Xenia. Ich bin ca. 10 Jahre alt und komme aus dem rumänischen Miercurea Ciuc. Vor ziemlich genau einem Jahr haben Sie mich zu meinem jetzigen Frauchen gebracht und mir dadurch einen wunderbaren Start in ein neues Leben ermöglich. Hierfür bin ich Ihnen auch heute noch sehr dankbar. Vielleicht können Sie sich noch an mich erinnern, auch wenn ich damals etwas anders aussah als heute. Ich möchte mich heute in einer offiziellen Anfrage an Sie wenden. Mein Frauchen hat mir erzählt, dass Sie gerade einen alten Herrn namens Herr Meier im rumänischen Bals vor dem sicheren Tod bewahrt haben. Sie hat mir Ihren Text vorgelesen und die Bilder gezeigt. Und was soll ich sagen, mein kleines Herzchen ist höher gehüpft, denn ich gebe es offen zu, dass ich eine Schwäche für kleinere Herren habe. :oops: Da ich hier bei meinem Frauchen alleine bin und gerne wieder einen Partner hätte, möchte ich mich heute ganz offiziell darum bewerben, Herrn Meier kenn lernen zu dürfen und ihn meinem Frauchen zu Adoption vorzuschlagen. Damit Sie sich ein bisschen ein Bild von mir mache können, habe ich Ihnen ein Bild von mir angehängt und möchte ich mich ein wenig beschreiben. Wie gesagt ich bin eine 10 Jahre alte, aber noch sehr rüstige rumänische Mischlingshündin. Ich bin ca. 33 cm hoch und wiege etwa 15,5 kg. Ich bin eher von der ruhigen Sorte und genieße das Leben in vollen Zügen. Meine Hobbys sind, auf dem Bett oder Sofa schlafen, in der Sonne liegen, spazieren gehen, fressen und mein Frauchen ärgern. Ich habe mich hier in meinem neuen Zuhause schon so gut eingelebt, dass ich mir sicher bin, dass ich Herrn Meier gut helfen kann, sich hier zurecht zu finden. Gerne würde ich mich bei einem Bewerbungsgespräch bei Ihnen und Herrn Meier persönlich vorstellen. Bitte geben Sie mir doch die nächsten Tage Bescheid, ob Ihnen das passen würde.
Mit freundlichen Grüßen
Xenia

Und hier deine Antwort:
Liebe Xenia,
Ich heiße Herr Maier. Seit einer Woche ungefähr. Davor hatte ich nie einen Namen. Ich hatte kein Zuhause, keine Menschenfreunde, ich war ein Niemand. Viele, viele Jahre lang. Ich habe es geschafft mich irgendwie auf der Straße durchzuschlagen. Nicht einfach, denn die meisten anderen Hunde sind ja viel größer als ich. Nun bin ich etwas in die Jahre gekommen und konnte mich nicht mehr gegen meine Konkurrenten durchsetzen. Ich schaffte es nicht mehr genug Futter zu finden, wurde immer dünner und schwächer. Parasiten siedelten sich auf mir an und raubten mir zusätzlich Kraft. Irgendwann habe ich aufgegeben. Als ich von laut schreienden, stinkenden Männern mit einem Fangstab gegriffen wurde, dachte ich nur: Das muss das Ende sein. Doch ich kam auf einem Tisch wieder zu mir. Zwei Menschen beugten sich über mich und sprachen mit besorgter Stimme. Sie sagten etwas von sehr bedenklichem Zustand, armer Kerl und etwas davon, dass sie mir eine Chance geben wollten und ich erst mal bei ihnen bleiben könne. Ich habe aber noch nie gute Erfahrung mit Menschen gemacht. Von ihnen gingen nur Beschimpfungen und Schläge aus. Deshalb habe ich auch diese beiden Menschen angeknurrt. Sie sollten mich bloß in Ruhe lassen. Einige Tage vergingen und ich wartete noch immer auf das Ende. Doch dieses schien nicht zu kommen. Vielleicht lag es an dem guten Futter? Noch nie habe ich so viel und so gut zu essen bekommen. Doch außer essen und schlafen tat ich nichts. Wozu auch.
Da sprach eine Stimme zu mir: Kleiner Herr Maier, Du hast jetzt einen Namen und Du bist wichtig. Denn es gibt eine rumänische Hundedame im weit entfernten Deutschland, die möchte Dich kennen lernen. Sie ist bereit Dir ein Plätzchen in ihrem Leben anzubieten. Es wartet ein Leben auf Dich. Alles worauf Du immer gewartet hast, alles wonach Du Dich die vielen Jahre gesehnt hast. Also, reiß Dich zusammen und steh auf, kehr zurück ins Leben!
Liebe Xenia, ich bin aufgestanden! Ich habe den beiden Menschen zum ersten Mal ins Gesicht gesehen. Ich habe festgestellt, dass sie wirklich gute Menschen sind. Sie wollen mir ganz ehrlich helfen. Sie werden mir nicht weh tun. Sie sorgen sich um mich. Ich bin gelaufen, an einer Leine- das habe ich noch nie in meinem Leben getan. Und ich lasse mich jetzt streicheln, ganz ohne zu knurren. Ich habe sogar ein kleines bisschen mit dem Schwanz gewedelt heute.
Ich hoffe nur, die Stimme hat die Wahrheit gesagt. Ist das wirklich so, Xenia? Ist da ein Plätzchen frei in Deinem Leben?
Viele Grüße,
Herr Maier

Mein lieber Meier, nach diesen Zeilen, bist du gemeinsam mit deinem Kumpel Pöhli auf deine zweite ganz große Reise gegangen. Eine Reise nach Deutschland. Eine Reise in dein Zuhause.
Seit diesen Zeilen sind fast drei Jahre vergangen. Wer hätte das damals gedacht? Drei Jahre voller Freude, voller Glück, voller Liebe. Vom ersten Moment an, wo wir in MC aufeinander getroffen sind, durfte ich dich anfassen, streicheln, hoch nehmen. Warum auch immer - aber vom ersten Moment an, hast du mir ein grenzenloses Vertrauen entgegen gebracht, wie es sicher kein zweites Mal gibt. Du hast dich mir anvertraut und ich durfte dir eine neue Welt zeigen. Durfte dir zeigen, wie es ist, gestreichelt zu werden, auf einem Sofa, in einem Bett zu schlafen, immer warm und weich zu liegen, immer ausreichend zu futtern zu haben. Und du hast es dankbar angenommen und warst glücklich.
In der ganzen Zeit, hast du nur wenigen Menschen erlaubt, dich anzufassen, dich zu berühren. Aber wenn ich da war, war immer alles gut. Du hast vertraut, dass ich auf dich aufpasse und das es schon in Ordnung ist, was passiert. Wie habe ich diese große Ehre nur verdient gehabt? Vom ersten Moment war es so etwas ganz Besonders und ich habe es auch nie als Selbstverständlichkeit gesehen, sondern war dir immer dankbar, dass du mir hast diese Ehre zu Teil hast werden lassen.

Vor ziemlich genau einem Jahr ging es dir schon einmal sehr schlecht. Es gab die schreckliche Diagnose Lungentumor. Deine Lebenserwartung damit - völlig unbekannt. Wir haben uns schon auf alles eingerichtet. Bettina hat schöne Bilder von dir gemacht, damit ich dich immer so fit und munter in Erinnerung behalten kann. Aber du hast es wieder allen gezeigt. Du hast gekämpft und hast beschlossen, es ist noch nicht Zeit für dich. Wir haben dir die Schmerzen genommen und einfach das beste draus gemacht. Wir haben einen wunderbaren Sommer verbracht und die Zeit noch einmal richtig genossen.
Gegen Ende des Jahres merkte man aber doch, dass deine Kräfte nachließen. Aber das war nicht weiter schlimm. Du bist einfach im Buggy mit auf die Runden gegangen. Bist gelaufen, soweit du konntest und wenns nicht mehr ging, wieder weiter gefahren. So warst du wenigstens immer dabei. Immer hattest du ein Lächeln und Strahlen auf dem Gesicht. Genau das, was ich mir vom ersten Bild an für dich gewünscht hab.

Die letzten 1 1/2 Wochen hast abgebaut und immer schlechter Luft bekommen. Und seit einigen Tagen war klar, unser gemeinsamer Weg, wird bald zu Ende sein :( Du hast es auch so gespürt wie ich und immer meine Nähe gesucht.
Mein kleines Meierchen, du hast mich auf vielen Reisen begleitet und warst mir die ganze Zeit ein absolut treuer Begleiter, bist viele Wege mit mir gemeinsam gegangen, dafür danke ich dir von ganzem Herzen.
Heute habe ich dich auf dem Weg zu deiner letzten Reise begleitet. Du solltest nicht leiden, und auch wenn du noch nicht so richtig wolltest und dich innerlich kräftig dagegen gewehrt hast, du alter Kämpfer :) Aber es war besser so.

Mein liebes Meierchen - du bist und bleibst etwas ganz besonderes für mich. Und ich werde dich immer in Erinnerung behalten. Danke für unsere gemeinsame Zeit.
Und jetzt hüpf gut rüber, genieße das Leben hinter der Regenbogenbrücke, mit viel grünen Wiesen, viel Sonne, vielen Hundekumpels und Hundedamen :) Genieße das Leben ohne Schmerzen, ohne Atemprobleme, mit immer genug zu Futtern und viel, viel Liebe.
Wir werden dich nicht vergessen.
Dein Frauchen Sara und deine Kumpeline Xenia und Kumpel Noah

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