Keine halben Sachen! 06.04.2015 Tierschicksal

Ein Bericht von:
Thomas Busch
Tierarzt und Vorstand

Es ist typisch für Dich. Was Du sagtest, das machtest Du. Und was Du machtest, das machtest Du richtig. Halbe Sachen waren nie Dein Ding. So lernte ich Dich kennen und so bliebst Du an meiner Seite - mehr als zehn Jahre. Schulter an Schulter.

Damals bei der Mitgliederversammlung hobst Du die Hand und meintest, Du könntest das Tierheim auf Kreta bauen. Du tatest es. Perfekt, getrieben von einem einzigen Menschen ? von Dir selbst. Wie wir alle im Team ruhtest Du nie, so lange irgendetwas nicht fertig war. Da waren sie wieder, die ?keine halben Sachen?.

Du passtest rein in die Arche, wir spürten die Einigkeit, den Zusammenhalt. All die Probleme, die wir meisterten, trieben uns nicht auseinander, nein, sie schweißten uns zusammen. Immer mehr. Immer fester.

Gemeinsam an der Front. Viele, viele Stunden. Ideen ausbrüten und umsetzen. Das waren wir. Der Vorstand, die Tierärzte, die Assistenten, die ehrenamtlichen Helfer ? wir leben unsere Ziele.

Mir persönlich warst Du immer eine Stütze bei den schwierigen Entscheidungen. Wir beide trafen nach oft stundenlanger Diskussion immer die richtigen. Durch eine Tierschutzfreundschaft wurden wir auch privat zu Freunden. Es fühlte sich gut und vertraut an, jemanden neben sich zu wissen, dem man glauben konnte. Der authentisch war. Verdammt, wieso bist du jetzt weg?

Wir aßen gemeinsam unter tropischem Nachthimmel und alberten über unser Ende. Als naiv und kindisch betrachte ich heute diesen Abend. Wer von uns hätte gedacht, dass dieses Thema so schnell ernst werden könne? Bitte kein Pflegeheim, kein unkontrollierbarer Körper, kein Pflegefall. Komme, was wolle.

Es kam.

Als ich die Nachricht hörte, stand die Welt still. Wir alle waren schockiert, aber voller Hoffnung. Du lagst da, als würdest Du schlafen. Dein Blick aber war leer. Dein Herz hatte dem irdischen Leben und Deinem Tempo nicht standhalten können. Keine halben Sachen, aber seine Leistung war in diesem Moment nicht einmal mehr das. Der Infarkt hatte Dich mit brachialer Gewalt aus dem Leben gerissen. Du hattest auf Deinen Körper keinen Einfluss mehr, Maschinen übernahmen die Kontrolle. Vielleicht hast Du in diesen schrecklichen vier Monaten nicht mehr viel mitbekommen und als Du in dieser Form nicht mehr hier sein wolltest, hörte Dein Herz für immer auf zu schlagen. Dieses Ende passte zu Dir, auch wenn Du es vielleicht nicht selber bestimmt hast. Typisch Andre. Was er sagt, das macht er. Kein Pflegefall.

Du hast mich mit diesem Schritt tief beeindruckt. Wie in den zehn Jahren, die wir gemeinsam ruderten. Jetzt bringt der Fährmann Dich hinüber und ich hoffe, an einen Ort, an dem es keine Sorgen, aber viele Gitarren gibt. Du wirst dort Deinen Platz suchen und finden und mit diesem Wissen bin ich glücklich. Wenn Du angekommen bist, weiß ich, dass Du die Fäden ?Deiner? Arche auch von dort oben lenken wirst.

Wir haben Dein erstes Zeichen erhalten, denn wie durch einen Zauber sind die Kastrationsaktionen auf Kreta plötzlich so dermaßen legal und willkommen, dass es nur Du sein kannst, der da oben das Zepter in die Hand genommen hat. Somit wird Dein Platz als zweiter Vorsitzender des Fördervereins Arche Noah Kreta e.V. niemals von jemand anderem ersetzt werden, höchstens ergänzt.

Mute Dir aber nicht zuviel zu, denn neben der Arche musst Du auch noch die Fäden für Deine geliebte Beate und Deine Kinder führen. Pass auch auf sie auf, denn ich weiß, sie vermissen Dich noch viel, viel mehr!

Andre, Du warst mir zu einem persönlichen Freund geworden und die Arche wird ohne Dich eine andere sein. Deine Berliner Art, die mir so sehr ans Herz gewachsen ist, Dein Humor, Deine Ironie, Deine Zielstrebigkeit, Deine Zuverlässigkeit ? all das fehlt mir so sehr. Nun soll das für immer weg sein? Ich kann es einfach nicht fassen. Genauso wie wir alle bei der Arche, für die am 17. März 2015 die Welt ärmer wurde.

Irgendwann komme ich Dich besuchen. Dann umarmen wir uns. Lachen und erzählen. Schmieden Pläne und träumen von einer Vergangenheit, die wir verändern durften. Bis es aber soweit ist, muss ich hier noch ein paar ?Kleinigkeiten? regeln. Und ich verspreche Dir, dass wir alle niemals aufgeben, um dem Ziel näher zu kommen, für das auch Du immer gekämpft hast. Dein Erbe, aus dem Förderverein Arche Noah Kreta e.V. mit seinem integrierten Tierärztepool einen anerkannten Tierschutzverein zu machen, der schnell und professionell an jeder Stelle dieser Welt den Ärmsten der Armen helfen kann, nehmen wir gerne an.

Du bist einverstanden, wenn ich das Lied, welches wir beide komponierten, für jedes Ohr hörbar mache, auch wenn es noch nicht fertig war. So aber wird Deine Stimme uns auf ewig erhalten bleiben, gleichfalls wie die Erinnerung an eine wunderbare Freundschaft.

Danke, dass Du uns begleitet hast.
Thomas und die gesamte Arche

Urlaubsliebe - von Andre und Thomas


mehr Tierschutzgeschichten

unsere Einsatzberichte

Spenden
Ein Bericht von:
Thomas Busch
Tierarzt und Vorstand

Spenden

  • Spendenkonto
    Kontoinhaber:
    Förderverein Arche Noah Kreta e. V. / Tierärztepool
    Institut: Commerzbank Lübeck
    IBAN: DE02 2304 0022 0020 9239 00
    BIC: COBADEFFXXX
  • Paypal
  • Paypal-Account: paypal@archenoah-kreta.com

Weitere Geschichten

Klein. Unsichtbar. Tödlich.

Sie sind klein. Und unsichtbar. Sie verstecken sich und werden weitergereicht, ohne dass es jemand mitbekommt. Sie war auch klein. Und süß. Zuckersüß. War... Beide fanden zueinander. Eine lebensbedrohliche Gefahr schlich sich in ...


mehr lesen

Silvester

“Krankhaftes sammeln und halten von Tieren auf engem Raum, ohne die Mindestanforderungen an Nahrung, Hygiene oder tierärztlicher Versorgung gewährleisten zu können“ - das ist die Definition von animal hoarding, Tierhortung. ...


mehr lesen