Kimo - Entscheidung für das Leben 26.05.2017 Gedanken

Ein Bericht von:
Dr. Melanie Stehle
Tierärztin

Die Frage, warum wir schwer verletzte Tiere nicht einschläfern, ist immer aktuell und begleitet uns nahezu jeden Tag. Denn sie sind immer da, die Brüche, die Verletzungen, die Abschürfungen, die... Die Liste ist lang und vielfältig. Auch in unserem Team diskutieren wir oft über die Grenze des "sich lohnen". Wo liegt diese? Beim Preis? Bei der Nettigkeit des Tieres? Bei dem dringlichen Betteln desjenigen, der uns das Tier gebracht hat? Oder liegt die Grenze auf der Waagschale? Auf der einen Seite EIN gerettetes Schicksal, auf der anderen die Frage, was man sonst so alles mit dem Geld hätte sinnvoll verändern können?
Nehmen wir die Geschichte der geretteten Seesterne des kleinen Jungen, der, als er gefragt wird, was für einen Unsinn er da betreibt, als er die ans Land gespülten Seesterne wieder ins Wasser wirft, lächelnd antwortet: "Sie haben recht, an den Geschehnissen der Welt ändert sich nichts, aber für diesen einen ändert sich alles." Er dreht sich rum und wirft weiterhin die angespülten Seesterne ins Wasser.

Wir möchten diese Grenze weder suchen noch finden. Wir möchten die Freiheit haben, durch unsere Ausbildung und Erfahrung entscheiden zu können, ob ein weiteres Leben schmerzfrei und artgerecht sein könnte. Ist es so, entscheiden wir uns IMMER für das Leben.Dr. Melanie Stehle

Wir möchten diese Grenze weder suchen noch finden. Wir möchten die Freiheit haben, durch unsere Ausbildung und Erfahrung entscheiden zu können, ob ein weiteres Leben schmerzfrei und artgerecht sein könnte. Ist es so, entscheiden wir uns IMMER für das Leben. Unser großes Glück ist es, dass unser Verein beides leisten kann: Die Verhinderung weiterer Geburten durch Kastrationen UND das Retten von Einzelschicksalen!

Deshalb ist das Wegsehen keine Variante. Sie würde zwar keine Kosten verursachen, keine Zeit in Anspruch nehmen und würde uns viele Sorgen ersparen. Aber es wäre nicht unsere Welt. Es würde sie auch nicht verändern. Auf keinen Fall die von Kimo.
Als Tierärzte ist es außerdem unsere Pflicht für Tiere in Notlagen da zu sein. Sie wahr zu nehmen und ihnen zu helfen. Nicht an Kimo mit seinen beiden Brüchen vorbeizugehen. Nicht den nach außen stehenden Knochen zu ignorieren.

Im zarten Alter von 8 Monaten hat er das Leben noch vor sich. Seine Welt liegt ihm zu Füßen. Er will leben, spielen, toben, riechen, lieben. Doch es folgten schwierige Operationen. Kimo, unser Sonnenschein, spürte, dass wir seine Chance waren. Schwanzwedelnd lies er sich brav die Verbände wechseln. Jeden Tag aufs Neue. Sabrina, seine Pflegemama und er wuchsen zusammen. Genauso wie seine Knochen. Die Ärzte hatten richtig entschieden, es gab eine Chance auf ein schmerzfreies Leben. Die Chirurgen leisteten ganze Arbeit.
Geduldiges Ruhighalten für die nächsten Wochen wurden für ihn zwar zur Herausforderung, aber auch diese Hürde nahmen er und Sabrina, als wäre es selbstverständlich. Die Verlaufskontrollen verliefen gut und somit konnten Ende April die letzten Drähte und Platten entfernt werden. Kimo hat seine Chance auf ein Leben mit vier Beinen wahrgenommen - es wird nicht mehr lange dauern, dann wird er ausgiebig über die Wiesen toben und sein neues Leben genießen.

Und wir haben die Welt wieder ein bisschen besser gemacht. Zumindest die von Kimo. Und glauben Sie es mir, der nächste Seestern wird auch wieder dahin zurück gebracht, wo er hingehört.

Die hohen Kosten können wir tragen, denn wir lassen Sie entscheiden, für welchen Teil der Waagschale Sie Ihre Spende eingesetzt wissen wollen. Allgemeines fließt in die Vereinsarbeit, speziell in die Kastrationen. Teilen Sie aber unsere Ansicht, dass wir an den Einzelschicksalen unmöglich mit der letzten Spritze vorbeigehen sollten, dann schreiben Sie kurz ?Kimo? auf Ihre Überweisung.

Wir danken Ihnen sehr dafür, uns die Entscheidung mit Ihrer Spende für Operationen oft abzunehmen.
Ihre Dr. Melanie Stehle


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