Kreta und Rhodos - Kampf gegen die Ohrmilben 14.10.2018 Gedanken

Ein Bericht von:
Marie-Luise Temm
Tiermedizin-Studentin

Ich hatte das Glück, Anfang des Jahres zweimal beim Förderverein Arche Noah Kreta e.V. Praktikum machen zu dürfen. Im Januar war ich mit Nina auf Kreta, dem Herzstück der Arche, und im März mit Antonia auf Rhodos, bei einem gemeinsamen Projekt mit „Flying Cats e.V.“ Ich hatte das Glück, dass es endlich Praktika waren, bei denen man gebraucht wurde, bei denen man etwas verändern kann, bei denen man am Ende des Tages wusste, was man getan hatte. Es waren lange Tage und kurze Nächte, aber ich habe sehr viel gelernt und blicke gern auf die kleinen Abenteuer zurück. Einige Erlebnisse möchte ich heute hier mit Ihnen teilen.

Während meiner Zeit beim Förderverein habe ich viele Einzelschicksale begleitet. Wenn ich anfangen würde, diese aufzuzählen, werde ich den meisten nicht gerecht. Es sind besondere Tiere, die unsere Wege kreuzen und jedes Mal eine Herausforderung - das durfte auch ich erfahren.Marie-Luise Temm

Neben der Kastration der Tiere fallen mir drei weitere wichtige Baustellen ein, die bei unseren Einsätzen sehr oft zu versorgen sind. Ich denke dabei an Augenverletzungen, zu ziehende Zähne und Ohrmilben. Alles nicht sonderlich appetitlich. Wobei, wenn ich wirklich so darüber nachdenke, kommen mir zusätzlich Flöhe, Zecken, Würmer und viel anderes Getier in den Sinn. Aber bleiben wir erstmal bei den Ohrmilben. Die sogenannte Ohrmilbe Otodectes cynotis ist die häufigste Räudemilbe von Hund und Katze. Wenn ich eine Katze in Narkose gelegt habe und danach zur Untersuchung und Vorbehandlung auf dem Tisch habe, untersuche ich zuerst die Ohren, Augen und die Maulhöhle. Bei Straßenkatzen mit einer Ohrmilbenproblematik sieht man dies oft bereits von außen: stark geschwollene Ohren, verdickte Haut, verkrustete und blutige Wunden. Denn durch den starken Juckreiz durch diese fiesen kleinen, weißen Krabbeltierchen, kratzen sich die Katzen die Haut an den Ohren auf. Immer und immer wieder. Ein Teufelskreis. Schaut man sich die Ohren dann genauer von innen an, erkennt man nicht viel außer massig schwarzen Belägen - die Hinterlassenschaften der dazwischen sitzenden kleinen, weißen Milben an sich. Meist sind direkt auch beide Ohren betroffen. Wie unangenehm muss das wohl für die Straßenkatze sein? Mich juckt es selbst ein paar Mal, wenn ich wieder daran denke.

Das Mittel der Wahl: man nehme einen Ohrreiniger, weiche die Beläge im Inneren des Ohres gut damit ein und mache sich mit Küchenrolle und Wattestäbchen daran, diese schwarzen Beläge und überzählige Hautschuppen rückstandslos aus dem Ohr zu entfernen. Ein positives Ergebnis erfordert Geduld und Genauigkeit - das gute Gefühl danach, unbezahlbar. Man sollte nur vor lauter Ohren putzen nicht den Rest der allgemeinen Untersuchung vergessen - sich in Trance zu säubern kommt bei den Kollegen bei aller Freude darüber, dass das jemand gerne macht, nur zwei Tage gut an, danach werden Witze gerissen - man will ja dennoch knapp 50 Katzen am Kastrationstag schaffen. Nach dem Putzen hilft dann noch ein Antiparasitikum, das man direkt ins Ohr gibt. Damit haben die von uns behandelten Tiere erstmal wieder Ruhe vor den Krabbeltierchen. Bei der Untersuchung der Maulhöhle fallen nicht selten zu ziehende Zähne auf. Diese sind ebenso wenig appetitlich, aber mit wenigen Handgriffen kann man den Tieren leicht die Schmerzen nehmen.

Als weitere Baustelle begleiteten mich noch die Augenverletzungen. Ausgelöst durch Rangkämpfe oder fiese Augenentzündungen, die unbehandelt zum Verlust des Augenlichts führen, bleibt häufig nur die chirurgische Versorgung durch Entfernung des Auges und Verschluss der Augenlider. Meine Aufgabe in der Vorbereitung liegt dabei im Erkennen der Verletzung und dem Rasieren des Augenbereichs. All dies zählte zu meinen täglichen Aufgaben bei unseren Einsätzen. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit ging es schneller von der Hand und man lernte neue Tricks, wie man effektiver arbeiten konnte. Von einem langjährigen Helfer der Aktion in Agios Nikolaos lernte ich, wie man die Katzen stressfrei in Narkose legt. Andere Helfer zeigten mir, wie ich schnell und problemlos Katzen von den Fangboxen in Narkosekäfige umsetze. Nina brachte mir ihre ultimative Methode zum Venenzugang schieben bei und Antonia zeigte mir, wie man unkooperative Hunde schnell schlafen legt. Und dennoch gab es jeden Tag etwas Neues zu entdecken.

Da war zum Beispiel ein Hund zur Kastration auf Kreta, der so verfilzt war, dass ich eine Stunde damit beschäftigt war, ihn durch Scheren von diesem Filzteppich zu befreien. Oder eine kleine Katze auf Rhodos, die eine offene Wunde am Bein hatte, lange von Antonia nachversorgt wurde und ich für sie ein glückliches neues Zuhause gefunden habe. Oder eine flugunfähige Straßentaube auf Rhodos mit gebrochenem Bein, die ich während meiner Zeit dort gepflegt habe und die später wieder in die Freiheit entlassen werden konnte. Oder die Hündin im Tierheim auf Rhodos, die uns jeden Morgen begrüßte und wir nach vielen Jahren im Tierheim endlich ein Zuhause für sie gefunden haben. Aber man erlebt auch, wie wichtig so einfache Maßnahmen wie Impfungen sind - diese Hilflosigkeit zuzusehen, wie ein Welpe an Parvovirose stirbt, weil man zu spät kommt.

Während meiner Zeit beim Förderverein habe ich viele Einzelschicksale begleitet. Wenn ich anfangen würde, diese aufzuzählen, werde ich den meisten nicht gerecht. Es sind besondere Tiere, die unsere Wege kreuzen und jedes Mal eine Herausforderung - das durfte auch ich erfahren. So bin ich nach meinem Praktikum als Pflegestelle für die Arche aktiv und nehme Hunde auf, die ein neues Zuhause suchen und bei mir bleiben, bis ich für sie eines gefunden habe. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie sie aufblühen und wie dankbar sie sind, ein warmes Plätzchen zu haben.


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