Kuma - Der Fluch des Jagdhundes 17.03.2017 Gedanken

Ein Bericht von:
Antonia Xatzidiakou
Tierärztin

Bevor er überhaupt geboren wurde, steht alles fest. Der Deal zwischen den beiden Männern ist von Wichtigkeit und wird niemals aufgelöst werden. Die Mutter ist perfekt. Sie hat schön bemuskelte Beine und ein hübsches Gesicht. Sie ist das perfekte Bild eines Pointers. Der Vater hat eine gute Nase, er kann stundenlang laufen und zeigt keinerlei Angst während der Jagd. Die Nachkommen der beiden werden definitiv genauso perfekt sein.

Da ist ein vergifteter Hund am Fluß! Er hat Krämpfe und wird sterben!

So wird ein neuer Jagdhund geboren. 40 Tage nach der Geburt wird er von der Mutter getrennt und in einen Zwinger irgendwo in den Bergen gesteckt, wo die anderen Jagdhunde untergebracht sind. Dieser Zwinger wird sein Zuhause sein, für den Rest seines Lebens. Betonboden, Gitter an allen vier Seiten und auch oben, mit viel Glück eine Plane oder eine kleine Plastikhütte als Schutz vor Sonne und Regen.

Man sagt Jagdhunde müssen in schlechten Bedingungen groß werden. Keine Decken, kein Spielzeug, keine Aufmerksamkeit. Das härtet sie ab und macht sie aufmerksamer. Sie dürfen nicht jeden Tag fressen, dann jagen sie besser. Sie sollen das ganze Leben im Zwinger verbringen, bis auf die wenigen Wochen im Jahr in denen gejagt wird. So sind sie motivierter und effektiver bei der Jagd. Als kleine Welpen werden sie schon neben den Schießplätzen angebunden um sie schußfest zu machen. Sie müssen nicht zum Tierarzt, denn ihre Besitzer wissen selbst am besten was die Hunde brauchen. Kastration zerstört den Geruchssinn und ist daher verboten. Sie brauchen lediglich einen Microchip um die Jagdgebiete betreten zu dürfen.
Hört sich das alles nach Schwachsinn an? Leider ist es Realität auf Kreta!

Ihr Name ist Kuma und ihr Leben war so, wie oben beschrieben. Zehn Jahre lebte sie in einem Zwinger und tat nichts außer zu jagen. Sie war gut darin. Dann wurde sie alt, bekam Gesäugetumoren und ihr Besitzer hörte auf zu jagen. Ein nutzloser Gegenstand. Doch sie wollte immer noch jagen. So verkaufte man sie an den nächsten Jäger. Er störte sich nicht an ihrem Alter, war aber auch nicht bereit sich besonders um sie zu kümmern. Wenn sie jagen würde, könnte sie bleiben. Wenn nicht, sollte sie eben irgendwo in den Feldern sterben.

Wir wissen nicht unter welchen Umständen sie schließlich verloren ging. Abgemagert und hungrig wie sie war, fraß sie alles was sie finden konnte. Und schließlich fraß sie Gift.

"Da ist ein vergifteter Hund am Fluß! Er hat Krämpfe und wird sterben!" waren die Worte die wir abends am Telefon hörten. Wir stürzten und ins Auto und fanden Kuma. Wir taten unser Möglichstes um ihr Leben zu retten. Und sie überlebte.
Anhand ihrer Chipnummer konnten wir ihren ersten Besitzer ausmachen, der uns ihre Geschichte erzählte. Er wirkte etwas betrübt als er hörte was passiert war. Doch er wollte sie nicht zurück, er brauchte sie nicht mehr. Vielleicht hätte sie besser sterben sollen, sagte er.

So kamen wir zu Kuma. So kam es, dass wir beschlossen ihr eine neue Chance zu geben. Wir wünschen ihr ein neues Leben als Teil einer Familie, ohne einen Job den sie erfüllen muss. Einfach um ihrer selbst.

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