Mr. Darcy 07.10.2015 Tierschicksal

Ein Bericht von:
Dr. Marga Keyl
Tierärztin

Vor ein paar Tagen bekam ich (wie so häufig während der Saison) einen Anruf von deutschen Touristen. In einem beliebten Badeort in unserer Nähe würde eine Katze herumlaufen, deren Vorderbein ganz offen wäre und die allgemein in einem furchtbaren Zustand wäre. Leider wäre die Katze wild und man kann nicht an sie ran kommen, auch bei den umliegenden Tavernas würde sie immer weggescheucht.

Wenn man das hört, macht man sich so seine Gedanken. "Furchtbarer Zustand" ist bei Touristen meist anders definiert als bei uns, die wir das Elend jeden Tag sehen. "Offenes Bein" kann ein Bruch sein oder eine Wunde, oder ein Abriss der Nerven unter dem Schulterblatt, was zur Folge hat, daß die Katze das Bein nicht mehr benutzen kann und es auch nicht mehr spürt, die Pfote daher über den Asphalt schleift und sie sich so aufreibt.
Ich versprach also, sobald ich Zeit hätte, mit einer Katzenfalle vorbeizukommen und zu versuchen, die Katze einzufangen. Am nächsten Tag machten wir uns mit Falle bewaffnet auf den Weg, jedoch gab es von der Katze keine Spur und auch sonst wusste keiner, von welcher Katze wir sprachen. So kamen wir aber mit einigen Menschen ins Gespräch, die die Katzen im Ort füttern. Sie erzählten uns, wie viele es dort gibt, wo sie leben und gefüttert werden, und sie nahmen unser Angebot, die Katzen zu kastrieren, dankbar an.

Am nächsten Tag fuhren wir wieder hin, diesmal mit Erfolg. Die Beschreibung war leider nicht im Geringsten übertrieben. Der Kater war nur noch Haut und Knochen, wobei selbst die Haut an einem Vorderbein von Schulter bis Unterarm fehlte. Er sei wohl zwischen die Zähne eines Hundes geraten. Die Muskeln und Sehnen hatten sich durch die Verletzung so verkürzt, daß er das Bein nicht mehr strecken konnte. Der Kater war so hungrig, daß er sofort in die Falle ging.

Mir blieb nichts anderes übrig, als das Bein zu amputieren, es hatten sich sogar schon Maden in die Wunde gesetzt. Erstaunlich war schon, daß er die Narkose in seinem Zustand überhaupt überlebte. Als er so da lag nach der OP, auf seiner Wärmflasche und in ein Handtuch gekuschelt, guckte meine Kollegin Antonia mich an und fragte: "Kann er Mr. Darcy heißen?" Ja, das kann er. Er sieht zwar noch nicht aus wie ein hübscher Gentleman, aber das werden wir nun ändern. Mr. Darcy wachte auch tatsächlich aus der Narkose wieder auf. Schon spät am Abend, als wir die Box säuberten, in der er lag, war er in der Lage uns anzufauchen.
Nun wird er bei uns im New Life Resort gepäppelt, denn Katzen wie Mr. Darcy haben ein neues Leben mehr als verdient. Ohne Schmerzen, Flöhe, Würmer, Hunger und ohne Menschen, die ihn ständig wegscheuchen, weil er furchtbar aussieht. Bei uns darf er fressen wie ein Scheunendrescher, er hat sogar schon ein kleines Kugelbäuchlein bekommen. Und der schönste Moment des Tages ist immer, wenn man sich zu Mr. Darcy ins Katzengehege setzt und ihm das Nassfutter vorsetzt. Denn während er das verschlingt, kann man ihn vorsichtig für ein paar Sekunden am Kopf kraulen...


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