Narami - eine Kämpferin 18.03.2018 Gedanken

Ein Bericht von:
Nina Schöllhorn
Tierärztin

Wie so oft werde ich zu einem komplizierten Fall gerufen. Wie so oft blicke ich in ein Augenpaar aus dem größte Not spricht. Doch dieses Mal ist etwas anders. Ich kenne diese Hündin. Einige Wochen zuvor hatte ich sie kastriert. Offensichtlich kam sie mit dem Leben auf der Straße nicht gut klar. Ein dramatischer Autounfall war die Folge. Doch nicht nur das: Es vergingen einige Tage, ehe sich jemand verantwortlich fühlte, für den am Straßenrand liegenden Hund. Dies ist kein Einzelschicksal. Immer wieder finden Hunde den Weg zu uns, die bereits tagelang mit schwersten Verletzungen auf Hilfe warteten. Unfassbar, aber leider Alltag in Griechenland.

Nach Tagen des stummen Leidens am Straßenrand konnten wir ihr den furchtbaren Schmerz nehmen. Jetzt muss das Bein versorgt werden und wir hofften wie immer darauf, es erhalten zu können. In diesem Fall war uns der Erfolg beschieden.Nina Schöllhorn

Die Hündin ist also hochgradig abgemagert und ausgetrocknet. Eines ihrer Vorderbeine ist in solch dramatischem Zustand, dass schon im Vorfeld über Amputation gesprochen wurde. Doch schnell ist mir klar, dass auch alle anderen Beine in Mitleidenschaft gezogen wurden. Amputation ist daher keine Option, denn dann stände der Hündin ein sehr trauriges Schicksal als schwerst behinderter Hund bevor. „Ich MUSS dieses Bein retten!“, murmle ich vor mich hin, während ich die Hündin ins Auto trage. Ich ernte zweifelnde Blicke und bin selbst ein wenig erschrocken von meinem Optimismus. Auf der Autofahrt schmiede ich einen Plan, wie ich es versuchen will. Ich traue mich keinen meiner Kollegen um eine Einschätzung zu bitten, denn ich möchte nicht hören, dass das Ganze ausweglos ist. Ich widme mich also einem völlig eröffneten Handwurzelgelenk, welches kontaminiert und bereits infiziert ist. Die einzelnen Knochen liegen frei, das Gelenk ist völlig instabil. Die Hündin schaut mich voll Vertrauen an. Sie hat keine Zweifel daran, dass alles gut wird. Also MUSS alles gut werden!

Narami ist unglaublich tapfer. Sie duldet die täglichen, schmerzhaften Behandlungen. Sie freut sich trotz allem immer uns zu sehen, genießt unsere Aufmerksamkeit und Nähe. Vom ersten Tag an steht sie auf ihren vier kaputten Beinen. Sie ist eine Kämpferin, das ist sofort klar. Und auch vom ersten Verbandswechsel an ist noch etwas klar: Sie verfügt über eine erstaunlich gute Wundheilung. Die große Wunde beginnt schnell und gut zu heilen. Die instabilen Gelenke stabilisieren sich. Narami nimmt zu, wird kräftiger. Und ich freue mich jeden Tag über die Verbesserungen. Schließlich ist es soweit und ich traue es mich laut zu sagen: Ja, ich habe es tatsächlich geschafft, ich habe dieses Bein und somit Narami gerettet. Naramis Geschichte ist eine von medizinischer Herausforderung, eine von Verantwortung einem Lebewesen gegenüber, das man bereits kannte, eine von Freundschaft zwischen Mensch und Hund und von Vertrauen. In erster Linie aber ist es die Geschichte einer Hündin, die niemals aufgab. Die kämpfte, obwohl sie allein und verloren schien. Die sich nicht beeindrucken ließ von Schmerzen und einer niederschmetternden Diagnose. Die stets fröhlich und positiv ist, voll Neugier und Lebensfreude. Ihre Botschaft ist klar: Gebt niemals auf!

Durch eure Spenden konnten die Kosten für eine weitere Operation und Physiotherapie gedeckt werden. Wir danken allen Unterstützern für ihre großartige Hilfe!


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