Die neusten Entwicklungen auf Kreta 12.04.2015 Tierschicksal

Ein Bericht von:
Thomas Busch
Tierarzt und Vorstand

Es gibt inzwischen drei Gemeinden auf Kreta, die mit den Tierärzten des Fördervereins Arche Noah Kreta e.V. / Tierärztepool zusammenarbeiten.

Im Westen der Insel befindet sich das Küstenörtchen Kalyves, welches östlich von Chania liegt und dem Bereich Apokoronas zugehörig ist. Dort haben in der Vergangenheit mehrere Gespräche stattgefunden, bei denen nach positiven Verhandlungen eine Einigung zwischen dem Bürgermeister, dem ortsansässigen Tierarzt und dem Förderverein Arche Noah Kreta e.V. getroffen werden konnte. Am Sonntag, den 22. März 2015 startete die erste Kastrationsaktion.

Ines Leeuw und Thomas Busch kastrierten an diesem Tag 11 Hündinnen, 4 Rüden, 14 Katzen und 7 Kater. Ein Bein musste amputiert, ein Auge entfernt, zwei Zahnsanierungen durchgeführt und eine Gesäugeleiste wegen Tumoren entfernt werden. Ein Tier wurde mit starkem Verdacht auf Tetanus erlöst.
Die Struktur der vor Ort arbeitenden Tierschutzvereine ermöglichte eine zügige Vorgehensweise und vor allem auch die hohe Anzahl an Tieren, die in der Nacht zuvor gefangen wurden. Mit dieser Aktion ist ein Grundstein gelegt. Es ist ein wundervoller Start mit der zukünftigen Aufgabe, die Planung und Durchführung mit all ihren rechtlichen Forderungen und bürokratischen Auflagen zu optimieren.

Ziemlich zentral auf Kreta liegt im Norden die Stadt Rethymnon. Hier haben die Gespräche über Kastrationsaktionen schon vor vielen Jahren begonnen, aber der Widerstand der ortsansässigen Tierärzte führte immer wieder zu Verzögerungen. Die Stadt Rethymnon baute eine alte Schule zu einer Gemeindepraxis um, die dem Förderverein Arche Noah Kreta e.V. zur Verfügung gestellt werden sollte. Die Gesetze forderten aber die Leitung unter die Hoheit eines griechischen Tierarztes zu stellen, was den Beginn unnötig verzögerte. Der Arzt, der die erste Kastrationsaktion unter seine Verantwortung stellte, verließ kurze Zeit später die Stadt, so dass die Kastrationsaktionen wieder eingestellt werden mussten. In der Zwischenzeit bildete der Förderverein Arche Noah Kreta e.V. die griechische Kollegin Antonia Chatzidiakou aus, die inzwischen zu dem festen Stamm der Tierärzte des Vereines gehört. Damit war der Förderverein Arche Noah Kreta e.V. in der Lage, seine eigene Tierärztin der Stadt "anzubieten", was diese rechtlich nicht ablehnen konnte. Somit fand vom 29. bis zum 04. März die zweite Kastrationsaktion unter der Leitung von Antonia in Zusammenarbeit mit Ines Leeuw statt. Da die Bedingungen, die uns die Kastration eines Straßentieres erlauben, derart kompliziert sind, wird es Nachbesserungen geben müssen, die mit dem Förderverein Arche Noah Kreta e.V., den ortsansässigen Tierärzten und der Stadt geführt werden.

Im Osten von Kreta befindet die Stadt Agios Nikolaos. Schon seit einem Jahr liegt die Erlaubnis vor, die dem Tierschutzverein "Vocal" unter der Leitung von Virginia Swain-Dixon den Betrieb der vereinseigenen Tierschutzpraxis erlaubt, in der bisher die Kastrationsaktion in Zusammenarbeit mit den Tierärzten des Fördervereins Arche Noah Kreta e.V. stattgefunden haben. Zwischen dem 24. und dem 26. März 2015 fand wiederholt eine Aktion statt, bei der sich der Vorsitzende Thomas Busch von der perfekten und eingespielten Organisation vor Ort überzeugen durfte. Zuzüglich kam Antonia für einen Tag nach Ag. Nikolaos und auch hier war der Vorsitzende von ihrer chirurgischen Leistung höchst begeistert. Zusammen mit Dr. Marga Keyl kastrierten die beiden Kolleginnen 68 Katzen und 31 Kater. Sie amputierten ein Bein und zwei Schwänze, entfernten eine Auge, führten zwei Probelaparotomien durch und zogen 14 vereiterte Zähne.

Die ersten Schritte zur Legalisierung von Kastrationsaktionen sind vollzogen. Nun wird sich die Zukunft damit beschäftigen müssen, die noch ziemlich separiert voneinander ablaufenden Aktionen zu koordinieren und eine Zusammenarbeit mit den einheimischen Tierärzten zu fördern.

Der Förderverein ist dazu mehr als bereit und bedankt sich für das Vertrauen der Spender, die über all die Jahre die Geduld nie verloren haben und an unser langfristiges Ziel geglaubt haben. Er bedankt sich aber auch bei den Initiatoren auf Kreta, die ihre Geduld mehr als bewiesen haben, bei den einheimischen Tierärzten, die helfen, dass der Widerstand und teilweise sogar der Hass einer Zusammenarbeit weicht, vor allem aber auch bei den Bürokraten, die dem Elend auf griechischen Straßen mit einer neuen Einstellung entgegentreten.

Längst sind noch nicht alle Steine auf unserem Weg an die Seite geräumt, aber wir waren seit Gründung des Vereines im Jahre 1997 unserm Ziel - Kastrationen um Leben zu retten - nie näher.
Die offene Art, mit der Kreta seit neuestem die Zusammenarbeit mit unserem Verein sucht, wurde von einem deutschen Fernsehteam dokumentiert. Voraussichtliche Ausstrahlung wird im Herbst sein.
Wir freuen uns mit Spannung auf diesen Termin.
Der Vorstand


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