Ninette - und plötzlich beginnt das Leben! 02.08.2015 Tierschicksal

Ein Bericht von:
Nina Schöllhorn
Tierärztin

Ein winziges Hündchen wird geboren. Ein Modehund- ein Chihuahua. Sie haben nicht mehr viel mit ihrem Vorfahren dem Wolf zu tun diese Hunde. Wurden solange immer weiter verändert, bis sie den Wunschvorstellungen vieler Menschen entsprachen. Einzig das Interesse des Menschen stand bei dieser Züchtung im Vordergrund. All die gesundheitlichen Probleme die diese Rasse zu tragen hat, schienen nicht zu interessieren. Mal ganz abgesehen von den charakterlichen Problemen, die zwangsläufig bei diesen Winzlingen entstehen, die sich in einer Welt von Riesen zurecht finden müssen...

Doch Ninette kam auf die Welt und hatte nicht nur die üblichen Probleme, die bei Chihuahuas verbreitet sind. Sie litt von Geburt an unter einer starken Deformierung ihrer Beine.

Es lässt sich nur darüber spekulieren wie ihr Leben aussah. Fest steht, dass schlechte Ernährung und ein absoluter Bewegungsmangel dazu führte, dass aus der Kleinen ein fast bewegungsunfähiges kleines Wesen wurde, dass sich nur noch mühsam ein paar wenige Schritte auf völlig krummen, wackeligen Beinen und aufgekrümmtem Rücken fortbewegen konnte. Ein Kreislauf und ein Bild des Jammers.

Als sie schließlich alt geworden war, waren ihre Besitzer ihr überdrüssig und sie wurde kurzer Hand entsorgt- im städtischen Tierheim von Suceava/ Rumänien. Dies ist nun für jeden Hund ein schlechter Ort, doch besonders fatal für eine armseelige Hand voll Hund, die keinerlei Chance hat sich gegen ihre Artgenossen durchzusetzen.

So fand ich sie auf, die kleine Ninette. Abgemagert, geschwächt und krank- ein Häufchen Elend. Es war mehr als offensichtlich, dass sie dort keinerlei Überlebenschance gehabt hätte und so nahm ich sie mit. Die Kleine trat eine lange Reise an. Sie begleitete mich auf meiner Kastrationsaktion von Nord- bis Südrumänien. Stets sehr unauffällig und dankbar für jede Zuwendung und Aufmerksamkeit. Zunehmend kam Leben in die Kleine. Sie entdeckte Lust am Fressen und lernte weiche Bettchen zu schätzen. Besonders angetan hatten es ihr schöne Ausblicke. Sie genoß es an einem Fluß den Blick in die weite schweifen zu lassen, wann immer sich die Möglichkeit bot. Ihr Blick dabei hatte eine besondere Tiefe. Er erzählte viel über ihr trauriges bisheriges Leben, über die wenigen schönen Momente, die sie erlebt hatte. Er erzählte aber auch viel darüber, was es heißt im Moment zu Leben, das Schöne des Augenblicks wahrzunehmen und die Vergangenheit weit hinter sich zu lassen...

Ninette kam zu Kräften, sie lernte Laufen. Jeden Tag ein paar Schritte mehr. Sie entwickelte einen Charakter, wurde zu einer Persönlichkeit. Und war plötzlich kein armer Winzling mehr.

Schließlich trat sie erneut eine Reise an, die Reise in ihr neues Leben. Ninette hat ein wundervolles Zuhause in Deutschland gefunden. Ein Zuhause in dem nicht nur tiermedizinisch bestens für sie gesorgt wird, sondern wo auch auf alle ihre Wünsche eingegangen wird und sie die kleine Prinzessin sein darf, die sie immer sein wollte.

Kleine Ninette, ich wünsche Dir von Herzen, dass Du dieses Leben noch sehr lange genießen kannst! Wir können viel von Dir lernen. Darüber, dass man niemals aufhören darf zu kämpfen, egal wie schlecht die Ausgangslage ist. Und darüber, dass der Moment zählt, das Leben im Hier und Jetzt!
Pass gut auf Dich auf!Deine Nina

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