Punkte machen. 29.08.2017 New Life Resort

"Na, junger Mann, was machen Sie denn schönes auf Kreta?", fragt mich der joviale Sitznachbar im Flugzeug, nachdem er mir ausgiebig von seiner Hotelanlage, die er jedes Jahr besucht, vorgeschwärmt hat.
Während ich noch über das "junger Mann" schmunzele, überlege ich, was man antwortet?
Ich kann sagen, was ich nicht machen werde. Ich werde nicht am Strand liegen, keine Cocktails mit kleinen Schirmchen trinken und auch nicht dreimal am Tag das Vollpensionsbuffet leeressen. Drei Wochen lang. Soviel Zeit liegt vor mir. So viel Zeit!

Die Tage gleichen sich. Dann, um vier Uhr aufstehen, einen Hund und zwei Katzen für ihren Flug vorbereiten, zum Flughafen fahren, zum Check-In laufen, die Tiere einchecken, durch die Sicherheitskontrolle, zum Gate - Moment, ist die Zeit schon um? Nach drei Wochen, die wie ein Tag verflogen, sitze ich schon wieder im Flieger nach Hause.Gregor Uhl

Ich werde vor allem Punkte mache. Schweisspunkte. Denn das Hundehaus muss fertig werden, ebenso die Futterküche mit dem Katzen- und Quarantänezwinger. Also werde ich mehrere hundert, wenn nicht gar tausend mal folgenden Vorgang wiederholen: Stahl zuschneiden, mit der Flex anschleifen, mit Schraubzwingen fixieren, lotrecht ausrichten, alles überprüfen, Schweisspistole ansetzen, Schweissmaske aufsetzen, auf die Taste drücken, der Brenner zündet den Lichtbogen. Gefühlvoll die Schweissnaht ziehen.
"Brrrrrrrzzzz" - wenn der Schweissbrenner klingt wie das frittieren von Speck - leider muss hier ein Fleischvergleich herhalten - ist die Schweissnaht hinterher gut.

Beziehungsweise der Schweisspunkt. Und so messe, markiere, schneide, entgrate, schleife, schneide, bohre, schraube, düble und vor allem schweisse ich drei Wochen lang was das Zeug hält. Von frühmorgens bis vormittags arbeite ich im Freien an den Zwingern, dann tagsüber am und im Haus (hier ist auch noch genug zu tun), abends wieder an den Zwingern.
Noch zwei Wochen. So viel Zeit!

Zum Stahlhändler fahren, für Andi Fliesenkleber besorgen, denn er arbeitet auch unermüdlich wie ein Uhrwerk an den Hundehäusern. Auf dem Rückweg noch eine Katze abholen - sie frisst nicht, wir sehen, was wir für sie tun können. Zwischendurch schnell ein Tier an den Flughafen bringen - eine glückliche Seele mehr, die es geschafft hat. Endgültige Abreise von der Insel, auf ein deutsches Sofa.
Auf dem Rückweg noch ein Großeinkauf im Supermarkt, denn während ich am Haus werkele, arbeiten Antonia, Tanya und Sabrina in der Gemeindeklinik in Rethymno. 130 Kastrationen in fünf Tagen - auch wenn das eher ruhige Tage waren, sollte abends der Tisch für die Damen fertig gedeckt sein. Beim gemeinsamem Abendessen ist auch nicht Feierabend, denn die Gesprächsthemen drehen sich meist um unsere Schützlinge. Fälle werden diskutiert, die nächsten Tage geplant.
Noch eine Woche. So wenig Zeit!

Das Grundstück muss auch gepflegt werden, Büsche müssen geschnitten werden, denn sonst ist irgendwann der Eingang zugewuchert. Flugboxen reinigen, Material sortieren, mal nach den Autos sehen. Verdammt, zuwenig Luft in den Reifen. Waschwasser auffüllen. Raussaugen.
Und immer wieder "Brrrrzzzz". Das Schweissgas ist aufgebraucht, ebenso der Schweissdraht. Fahrt in die Stadt in die entsprechenden Fachgeschäfte, auf dem Rückweg noch Neonlampen besorgen, beim Kurier ein Paket mit neuen Quetschboxen für die Katzen abholen, ein Ersatzteil für einen Wasserhahn organisieren. Zwischendurch wieder einen Hund abholen, der sich selbst an einer Kette zum sterben überlassen wurde. Er ist in katastrophalem Zustand - so viele Problemen an einem einzigen Tier! Wir geben wie immer alles für ihn. Noch zwei Tage.

Die Tage gleichen sich. Dann, um vier Uhr aufstehen, einen Hund und zwei Katzen für ihren Flug vorbereiten, zum Flughafen fahren, zum Check-In laufen, die Tiere einchecken, durch die Sicherheitskontrolle, zum Gate - Moment, ist die Zeit schon um? Nach drei Wochen, die wie ein Tag verflogen, sitze ich schon wieder im Flieger nach Hause.

Leider blieb ich dem Sitznachbarn die Antwort schuldig, aber vielleicht findet er ja auch den Weg hier auf unsere Seite? Viel ist vorwärts gegangen, aber wie schon Sepp Herberger sagte: "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel". Zumindest habe ich mit vielen Punkten einen Punkt unter die Zwinger setzen können.
Zum Glück sind Thomas und Melanie bereits auf dem Weg nach Kreta, um mit Antonia, Tanya und Ines Udich die Arbeit in unseren Kastrationszentren fortzusetzen. So viel Zeit liegt vor Ihnen - so viel Zeit!


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