Sayo - Geboren in der Nacht 15.05.2017 Gedanken

Ein Bericht von:
Rebekka Clasen
Assistentin

Die Hündin wird uns als Notfall vorgestellt, während unserer Kastrationsaktion in Rumänien. Sie stammt aus dem städtischen Auffanglager und hatte sich dort eine sehr tiefe Schnittverletzung einer Zehe zugezogen, die sich übel infiziert hatte.

Wen wundert diese skeptische Zurückhaltung, wenn ein Hund als Welpe in ein solches Auffanglager kommt, sein Leben aus nichts als Entbehrungen besteht und er nie Gutes von uns Menschen erfährt. Wie soll ein solcher Hund vertrauen?Rebekka Clasen

Sie sitzt in ihrem Käfig und signalisiert deutlich ihre Ablehnung uns gegenüber. Sie wirkt versteinert, voller Angst und Misstrauen. Ich frage mich insgeheim, wie wir den Umgang mit ihr in der nächsten Zeit wohl bewerkstelligen sollen, denn es ist offensichtlich, dass sie länger unsere Hilfe brauchen wird. Zunächst wird aber die Wunde in Narkose versorgt. Der erste Verbandswechsel steht an. Nina schlägt vor, ihr nur das Maul zuzubinden und keinen weiteren Zwang auszuüben. Ich bin skeptisch und beobachte, wie sie ihr vorsichtig die Maulbinde umlegt. Es klappt, denn Nina hatte recht schnell erkannt, dass der ?große, böse Hund? in Wirklichkeit nur ein völlig verstörtes Häufchen Elend ist und diese Erkenntnis schleicht sich nun auch langsam in mein Bewusstsein. Wen wundert es, wenn ein Hund als Welpe in ein solches Auffanglager kommt, sein Leben aus nichts als Entbehrungen besteht und er nie Gutes von uns Menschen erfährt. Wie soll ein solcher Hund vertrauen?

Wir versuchen es also mit Freundlichkeit, Geduld und Verständnis für die junge Hündin, in deren Leben jetzt ein kleiner Funken Hoffnung keimt. Sie beobachtet den ganzen Tag wie wir arbeiten, wie wir anderen Hunden begegnen. Sie sieht andere Hunde zusammen spielen. Sie beobachtet pure Freude und Begeisterung bei anderen Hunden, nur weil sie von uns geknuddelt werden. Und sie lernt uns zu vertrauen.

Schnell können wir ihr ohne Sorge den Verband wechseln - von Maul zubinden ist schon lange nicht mehr die Rede. Und auch unser Vertrauen in sie wird größer. Sie kam zu uns und wusste es nicht besser, aber sie lernt schnell. Die ersten paar Male, die wir sie einfach aus ihrer Box lassen um sich bewegen zu können, sind nicht zu beschreiben. Zuerst ganz vorsichtig, doch dann spielt sie. Sie springt und spielt ausgelassen mit den anderen Hunden. Als Belohnung schenkt sie uns noch mehr Vertrauen. Der düstere, verlorene Gesichtsausdruck ist nicht wiederzufinden. Pure Freude und Freundlichkeit strahlt sie jetzt aus. Sie lässt sich noch nicht von jedem anfassen, sondern weicht zurück. Aber für mich wird sie zu meiner Assistentin und treuen Begleiterin, die mir den ganzen Tag nicht von der Seite weicht. Wie können wir sie zurückgeben in ihre hoffnungslose Lage, jetzt, wo sie uns vertraut? Von Tag zu Tag sträubt sich mehr in uns bei dem Gedanken daran. Es muss doch einen Ausweg geben!
Und diesen finden wir.

Ich gebe ihr den Namen Sayo, der bedeutet: Geboren in der Nacht. Ihr bisheriges Leben war dunkel, doch jetzt wird es heller und heller. Und dies soll sich fortsetzen. Sayo befindet sich in Sicherheit im Tierheim von Prieteni Nostrii in Slatina. Doch sie braucht den richtigen Menschen, der ihr hilft, den restlichen Weg in ein glückliches Hundeleben zu gehen, ein Leben voller Vertrauen und Freundschaft. Ich will die Hoffnung nicht aufgeben, dass es diesen Menschen irgendwo gibt, der ihr das nötige Verständnis, die Zeit und Zuneigung gibt, die sie braucht. Einen Menschen, der nachvollziehen kann, wie es ist, im Alter von 1,5 Jahren das erste Mal die Sonne zu sehen, zu spielen, zu leben... und zu vertrauen.


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