Silvester 15.03.2019 Gedanken

Ein Bericht von:
Dr. Melanie Stehle
Tierärztin

“Krankhaftes sammeln und halten von Tieren auf engem Raum, ohne die Mindestanforderungen an Nahrung, Hygiene oder tierärztlicher Versorgung gewährleisten zu können“ - das ist die Definition von animal hoarding, Tierhortung. Betroffene Personen sind nicht mehr in der Lage, auf die Haltungsmängel und die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere zu reagieren. Sie glauben schlichtweg ihnen etwas Gutes zutun, ihnen zu helfen. Dass genau das Gegenteil der Fall ist, erleben wir immer wieder, zuletzt in einem Bergdorf auf Kreta. Über Tage hinweg kastrierten wir Hunde aus Lebensverhältnissen, wie wir sie nicht einmal unseren Feinden wünschen. Ein älterer Mann hält zirka 30-40 Jagdhunde. Junge Welpen leben alleine in einem alten Autowrack, ohne Schutz vor Nässe und Kälte. Zum Füttern wirft der ältere Mann einen Sack Futter in das Areal und erkennt nicht, dass die Hunde regelrecht um das Futter kämpfen. Die Schwächsten bekommen nichts. 

Er soll Silvester heißen, benannt nach dem Tag, an welchem sich sein Leben zum Guten wenden sollte. Er hatte Glück. Er wird die Zeit bekommen, die er braucht. Für ein paar seiner Leidensgenossen kam der Wintereinbruch zu plötzlich. Sie starben, noch bevor eine helfende Hand gereicht werden konnte.Dr. Melanie Stehle

Einer von ihnen wird in der Silvesternacht zu uns gebracht, nachdem örtliche Tierschützer den Mann überreden konnten, einige der Hunde frei zu geben.
 
Er ist abgemagert, zittert am ganzen Körper und lässt sich nicht anfassen. Berührungen durch Menschen kennt er nicht, sein Platz war stets zitternd in der hintersten Ecke. Noch bevor der Hunger ihn aus diesem Bereich hervorkommen lässt, ist sämtliches Futter von den anderen, dominanteren Hunden aufgefressen. Vielleicht hat er morgen Glück, vielleicht aber auch nicht. Stress, Hunger, Parasiten, Seuchen – ein Leben weit ab von Lebensqualität. Dies sollte sich nun endlich ändern. Ein größeres Symbol konnte uns zum Jahresende mit Silvester nicht gegeben werden – er steht für all diejenigen, für die wir ein Sprachrohr sein müssen. Die eine Chance bekommen müssen in ein glückliches Leben starten zu können. Silvester nutzte seine Chance, er erkannte, dass man mit Menschen Freundschaften schließen kann und schlich sich still und heimlich in das Herz einer lieben Praktikantin. Sie wird mit viel Zeit und Liebe die seelischen Wunden zum Heilen bringen. Medizinisch konnten wir unseren Teil dazu beitragen. Danke Annika, dass Du und Deine Familie ihm zu seinem vollkommenen Glück verhelfen möchtet.
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