Sitia - Juni 2016 01.05.2016 Gedanken

Ein Bericht von:
Nina Schöllhorn
Tierärztin

Ein wunderschöner Ort am östlichen Ende von Kreta. Malerische Buchten, schöne Cafés, Restaurants, ein kleiner Hafen. Alles recht beschaulich und nicht zu groß. Vielleicht ein kleiner Geheimtipp für Kretareisende.
Der Grund, weshalb dieser besondere Flecken Erde nicht von Touristen überrannt wird, ist seine sehr abgelegene Lage. Wer Sitia erreichen will, muss eine lange, kurvenreiche Fahrt auf sich nehmen. Und das gilt leider auch für die dortigen Tierschützer. Jede Form von Hilfeleistung für die zahlreichen Straßentiere ist mühsam.

Wer kann schon seinen Urlaub genießen, wenn er ständig auf vierbeinige Elendsgestalten trifft? Da wird doch jedem fühlenden Menschen der romantische Ausblick auf den Hafen zerstört.... So geht es mir zumindest. Und Ihnen auch, das weiß ich.Nina Schöllhorn

Ob es um Fahrten zum Flughafen geht, um die Futterversorgung oder auch, um einen Tierarzt zu erreichen. Besonders das ist ein großes Problem. Die Fahrt zum nächsten verfügbaren Tierarzt dauert so lange, dass deswegen schon oft für viele Tiere jede Hilfe zu spät gekommen ist. Eine schwierige Ausgangslage für die Tierschützer vor Ort.

Sitia ist mir schon vor vielen Jahren ans Herz gewachsen. Nicht nur, weil es ein solch malerischer Ort ist, sondern auch wegen seiner besonderen Hunde. Sie sind wunderschön und obendrein von ganz zauberhaftem Charakter. Leider jedoch sind es unglaublich viele. Zu viele. Direkt am Hafen werden zahlreiche Streuner von den Tierschützern betreut und während der Saison auch von Touristen gefüttert.
Allerdings hat sich das mittlerweile herumgesprochen, und ?überflüssige? Hunde werden einfach ausgesetzt.

An sich ein schönes freies Leben für die Hunde - schöner als im Tierheim auf alle Fälle. Leider werden regelmäßig Hunde durch den starken Verkehr angefahren. Viele hinken auf Grund gebrochener Beine und sonstiger Verletzungen. Ich persönlich sehe überdies die Gefahr, dass die Hunde schlichtweg vergiftet werden. Viele Touristen mögen die Hunde, doch es sind zu viele....

Die Situation der Katzen ist fast noch erdrückender. Sie spiegelt die typische Situation in Griechenland wieder, wenn ein großer Teil der Population noch nicht kastriert wurde. Abgemagerte, heruntergekommene Katzen an jeder Mülltonne, egal wo man hinschaut. Mit ängstlichem Blick huschen sie durch die Straßen, immer auf der Suche nach Essbarem. Sie sind gekennzeichnet von den verschiedensten Krankheiten, und der grausame Zyklus von immer neu entstehendem Nachwuchs wird hier überdeutlich.

Eine schwierige Situation für die Tiere und jeden, dem die Tiere am Herzen liegen. Umso glücklicher bin ich, dass unsere Hilfe nun endlich effektiv ankommt. Es ist uns seit diesem Jahr möglich, hier regelmäßige Kastrationsaktionen durchzuführen. Von der Stadt wurden uns Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, und unsere Aktionen sind von offizieller Seite abgesegnet. Für die Tierschützer wird hierdurch einiges einfacher, und ich hoffe sehr, dass die Zahl der Straßentiere nun zügig gesenkt werden kann.

Es wird ein arbeitsreicher Weg sein, denn noch fehlt es an freiwilligen Helfern, an Ausrüstung wie Fallen und Transportboxen, an Medikamenten und natürlich wie immer an Geld. Doch ich bin zuversichtlich, dass es uns möglich sein wird, die Situation auf Sitias Straßen entscheidend zu verbessern. Nicht nur für die Tiere und die hier lebenden Menschen, sondern auch für die Touristen.
Wer kann schon seinen Urlaub genießen, wenn er ständig auf vierbeinige Elendsgestalten trifft? Da wird doch jedem fühlenden Menschen der romantische Ausblick auf den Hafen zerstört.... So geht es mir zumindest. Und Ihnen auch, das weiß ich.


mehr Tierschutzgeschichten

unsere Einsatzberichte

Spenden
Ein Bericht von:
Nina Schöllhorn
Tierärztin


Spenden

  • Spendenkonto
    Kontoinhaber:
    Förderverein Arche Noah Kreta e. V. / Tierärztepool
    Institut: Commerzbank Lübeck
    IBAN: DE02 2304 0022 0020 9239 00
    BIC: COBADEFFXXX
  • Paypal
  • Paypal-Account: paypal@archenoah-kreta.com

Weitere Geschichten

Magia

„Gleich wirst Du eine Hündin zur Kastration bekommen, deren Hintergliedmaße gebrochen ist.“, bekomme ich mit einem kurzen Öffnen der OP-Tür zugerufen und bevor ich antworten kann, ist sie schon wieder zu. „Ok, wir werden unsere ...


mehr lesen

Marty

Eineinhalb Jahre ist es nun her. Eigentlich eingefangen zur Kastration, sollte der hübsche Marty nun für die Sedierung an der Reihe sein. Doch beim Annähern an ihn merkte man sehr schnell, dass etwas mit ihm nicht stimmte. Hunderte von ...


mehr lesen