Sitio 27.11.2016 Gedanken

Ein Bericht von:
Dr. Melanie Stehle
Tierärztin

Ganz unscheinbar saß er in der Reihe der zu kastrierenden Katzen. Mein auf die Katzen geworfener Blick blieb prompt auf einem kleinen Wesen haften: da saß ein Katerchen mit schmerzhaft gekrümmtem Rücken, bis auf die Knochen abgemagert, dreckiges verklebtes Fell, dessen eigentliche Grundfarbe eine andere war als die sichtbare. Wenn wir im Ausland auf solch hilfsbedürftige Tiere treffen, gibt es im Wesentlichen zwei Gründe, weshalb die Tiere in diesem Zustand sind: Entweder stand ihnen kein Futter zur Verfügung oder sie leiden an einer Erkrankung.

Mein auf die Katzen geworfener Blick blieb prompt auf einem kleinen Wesen haften: da saß ein Katerchen mit schmerzhaft gekrümmtem Rücken, bis auf die Knochen abgemagert, dreckiges verklebtes Fell, dessen eigentliche Grundfarbe eine andere war als die sichtbare.Dr. Melanie Stehle

Glücklicherweise war der kleine Kater zahm, was bei wild aufgewachsenen Katzen nicht immer selbstverständlich ist. Ich untersuchte den kleinen Zwerg und siehe da, im Darm konnte ich einen festsitzenden Fremdkörper ertasten. Wir hatten nur eine Chance - wir mussten das Risiko einer Narkose eingehen, um ihm einen qualvollen Tod zu ersparen. Alles musste nun schnell gehen, die Vorbereitung, die Operation und auch die Aufwachphase. Ich eröffnete die Bauchhöhle, ertastete das betroffene Darmstück und entfernte den Fremdkörper durch Eröffnung des Darmes. Ich traute meinen Augen nicht, als ich den Fremdkörper genauer betrachtete: es war ein Stück Knorpel. Wahrscheinlich hatte er ihn aus lauter Hunger im Ganzen verschlungen, dies wurde ihm zum Verhängnis...

Die erste Hürde war genommen und überstanden. Nun hofften wir, dass auch in der Aufwachphase das kleine Herzchen nicht kapitulierte. Es tat es nicht. Die zweite Hürde war überwunden. Nun musste der kleine Körper "nur" noch eine gute Wundheilung haben und Appetit entwickeln. Sehr schnell stellte sich heraus, dass der kleine Kater sehr menschenbezogen ist. Mein Sohn freute sich mit uns, dass der kleine Zwerg die Operation gut überstanden hatte. Sie freundeten sich schnell an, wir suchten nach einem Namen und tauften ihn "Sitio". Unter der streichelnden Hand meines Sohnes nahm Sitio die ersten Futterstücke auf. Was für ein Freudenfest für uns alle!

Von Tag zu Tag erhöhten sich die Chancen, dass Sitio überleben wird. Er durfte mit uns ins New Life Resort und wird dort liebevoll von unseren Helferinnen aufgepäppelt. Und zu guter Letzt kann ich sogar schon berichten, dass er nach seiner Genesung in ein endgültiges Zuhause in Deutschland umziehen darf! Danke Sitio, dass Du uns bewiesen hast, dass es sich immer lohnt, um ein Leben zu kämpfen. Auch wenn wir nicht immer wissen, ob wir mit einem Happy End belohnt werden!


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