Tjaro 20.09.2015 Tierschicksal

Ein Bericht von:
Nina Schöllhorn
Tierärztin

Die Chancen standen erdrückend schlecht. Auch wenn es der kleine Welpe nicht wusste. Voller Lebensfreude tollte er durch seinen Zwinger. Ein kleines, unbedarftes Wesen, das keine Ahnung hatte vom Ernst seiner Situation.
Unsere Wege kreuzten sich im Tierheim von Suceava in Rumänien. Schon immer ein Ort der Traurigkeit, der Verzweiflung. Doch in diesen Tagen breitete sich besondere Hoffnungslosigkeit aus, da die Stadt auf Grund der Überfüllung der Station begonnen hatte Hunde zu töten.

Ich ging durch die Reihen um Hunde auszuwählen, die man noch in letzter Minute nach Deutschland retten konnte. Keine dankenswerte Aufgabe...

Ich war bemüht die große Anzahl an Welpen zu ignorieren. Die Welpensterblichkeit liegt dort bei 98%. Es macht also keinen Sinn Welpen auszusuchen. Sie überleben die Zeit bis sie fertig geimpft und ausreisebereit sind so gut wie nie.
Doch plötzlich sitzt er da. Wer kann so einem Welpengesicht widerstehen? Noch dazu auf diesen knubbeligen dicken Beinen. Doch es macht einfach keinen Sinn, ich bin vernünftig und gehe weiter.

Doch am nächsten Tag stehe ich wieder vor seinem Zwinger und beschließe zumindest ein Foto zu machen. Und während ich ihn in den Händen halte, beschließe ich, dass man nicht immer vernünftig sein muss.
Genau dieses Foto gelangt einen Tag später in die Hände von Monika, einer guten Tierschutzfreundin. Ihre Antwort ist klar, Tjaro soll zu ihr kommen, sie wird ein Zuhause für ihn finden. Ich soll alles tun, damit er überleben wird.

Trotz aller Bemühungen erkrankt Tjaro kurze Zeit später wie erwartet an Staupe. Es ist knapp, doch er überlebt. Er bleibt aber schwach und kann lange Zeit nicht geimpft werden. Ein Zitterspiel beginnt. Irgendwann die erlösende Nachricht aus Rumänien: Tjaro geht es gut, er kann ausreisen.

Die Freude war riesig als der Kleine endlich bei Monika ankam. Doch schnell stellte sich heraus, dass er unter einer massiven Fehlstellung der Vorderbeine litt und nur durch eine zeitige Operation ihm ein schmerzfreies Leben ermöglicht werden konnte. Tjaro hat die Operation gut überstanden. Er ist lebensfroh wie schon immer. Er genießt jeden Tag, tollt mit den anderen Hunden und sammelt Spielzeug.

Er weiß nicht wie schlecht seine Chancen wirklich standen. Und Gott sei dank wird es es nie erfahren...

Ihre Nina Schöllhorn

Ich möchte mich ganz herzlich bei allen Beteiligten bedanken, die dazu beigetragen haben, dass Tjaro gerettet werden konnte. Mein besonderer Dank gilt Herrn Dr. Paul Kramer in Zürich, der uns was die Operation angeht sehr entgegen gekommen ist und damit gezeigt hat, dass er ein sehr großes Herz für Hunde hat- egal welcher Herkunft.


mehr Tierschutzgeschichten

unsere Einsatzberichte

Spenden
Ein Bericht von:
Nina Schöllhorn
Tierärztin


Spenden

  • Spendenkonto
    Kontoinhaber:
    Förderverein Arche Noah Kreta e. V. / Tierärztepool
    Institut: Commerzbank Lübeck
    IBAN: DE02 2304 0022 0020 9239 00
    BIC: COBADEFFXXX
  • Paypal
  • Paypal-Account: paypal@archenoah-kreta.com

Weitere Geschichten

Klein. Unsichtbar. Tödlich.

Sie sind klein. Und unsichtbar. Sie verstecken sich und werden weitergereicht, ohne dass es jemand mitbekommt. Sie war auch klein. Und süß. Zuckersüß. War... Beide fanden zueinander. Eine lebensbedrohliche Gefahr schlich sich in ...


mehr lesen

Silvester

“Krankhaftes sammeln und halten von Tieren auf engem Raum, ohne die Mindestanforderungen an Nahrung, Hygiene oder tierärztlicher Versorgung gewährleisten zu können“ - das ist die Definition von animal hoarding, Tierhortung. ...


mehr lesen