Umbau im New New Life Resort - dritter Teil 13.07.2017 New Life Resort

Ein Bericht von:
Thomas Busch
Tierarzt und Vorstand

Die letzten Tage habe ich fast jeden Morgen in diversen Baugeschäften verbracht. Leider dauert das Einkaufen ziemlich lange, da die Verständigungsprobleme nun mal existieren. Was aber die Hilfsbereitschaft und das Bemühen angeht, die Dinge, die nicht vorhanden sind, zu bestellen oder irgendwo anders her zu besorgen, ist unglaublich. An dieser Stelle kann sich der Einzelhandel in Deutschland eine gehörige Scheibe abschneiden. Auf dem Baugelände des Geschäftes, in dem wir zum Stammkunden geworden sind, leben fünf Katzen. Die äußerst bemühte und nette Verkäuferin hat nicht viel mit Katzen am Hut, jedoch füttern die Arbeiter die Tiere. Zwei davon sind verschmust, die andern recht scheu. Im Laufe der Zeit wird die Verkäuferin immer neugieriger, was wir denn hier bauen. Außerdem sind wir so ziemlich die einzigen, die eine ordentliche Rechnung verlangen. Bei diesem Thema fällt mir auf, dass wir bei fast jedem Einkauf gefragt werden, ob wir die 24 Prozent Mehrwertsteuer zahlen wollen oder nicht. Übersetzt heißt das, dass immer noch sehr viel "schwarz" gehandelt wird. Wir fragen nach und erhalten durchweg die Antwort, dass nur das sie vor der Pleite rettet. Die steuerliche Belastung sei so hoch, dass sie ihren Laden schließen könnten, wenn nicht viel "so" bezahlt wird. Richtig rund läuft es noch nicht in Griechenland.

In diesem Vergleich schmunzeln wir Bauarbeiter. Sind unsere, in den letzten drei Wochen entstandenen Wunden doch ein Klacks gegen Verdursten oder Verrecken.Thomas Busch

Wir kommen also ins Gespräch und irgendwann weiß unsere Verkäuferin, was wir hier machen. Sie findet das gut und lässt uns auch tatsächlich ihre Katzen einfangen. Als ich die Tiere kastriert zurückbringe, bekomme ich die Schrauben für die Dachbefestigung geschenkt.

Auf unserer Baustelle kommen wir nicht so voran, wie ich es mir wünschen würde. Obwohl Malte und die anderen Helfer alles geben und immer noch von morgens 5:00 bis spät abends schuften, halten die Maurer- und Schweißarbeiten ziemlich auf. Wir werden nicht komplett fertig werden, dafür war die Aufgabe zu gewaltig, aber deshalb werden wir Pfusch nicht zulassen. Dann müssen wir danach eben wieder jemanden finden, der weiterarbeitet oder Andi für seine Bemühungen bezahlen. Oder wiederkommen. Das Ausmaß und die Dimension dieser Baustelle sind aber auch nicht zu unterschätzen. Wir haben in dem rechten Hundehaus drei Hundezimmer geschaffen, an die sich ein großer Auslauf anschließt. Alles ist betoniert und kann leicht gereinigt werden. Das Gefälle des Betons ist perfekt. Das Dach ist komplett neu und mit 20 cm Isolierung versehen. Drei neue Fenster sorgen für genügend Licht. Stahltüren können nicht zerbissen werden. Strom- und Wasserleitungen inklusive der Anschlüsse sind neu. Das linke Hundehaus wurde von innen mit vier neuen Wänden verstärkt. Wenn wir ehrlich sind, war es vorher ein maroder Stall, auf keinen Fall mehr. Jetzt ist es ein neues Haus. In der "Hundeküche" wird zukünftig das Futter zubereitet, die Decken, Körbchen, Leinen, Bürsten, Boxen etc. gelagert. Ebenso gibt es einen weiteren Hundezwinger mit Auslauf. Er kann für Tiere genutzt werden, die isoliert gehalten werden müssen. Meistens bedingt durch Krankheiten oder Seuchen.

Die Temperaturen sind qualvoll. 40 Grad erreichte das Thermometer in der letzten Woche täglich. Um die Mittagszeit nicht auszuhalten. Einen Sonnenbrand haben wir alle bekommen. Aber am schlimmsten ist der Schlafmangel, denn tagsüber konnten wir uns nur sehr selten mal aufs Ohr legen. Zig andere Aufgaben im Haus hielten uns davon ab. Nina ist inzwischen wieder nach Deutschland zurückgeflogen. Sie hat mehr als einen Monat komplett durchgearbeitet und sehr, sehr viele Tiere kastriert. Jetzt sind Melanie und Dörte angereist und lösen sie ab. Drei Helferinnen, Ines Udich, Sabrina uns Christina sind ebenfalls hier. Jede Hand wird aber auch gebraucht, zumal der Futter-LKW ankam und wir unser Lager damit aufgefüllt haben und 20 Tonnen an unsere Partner verteilt haben. Antonia kam gestern. Zwischen all unseren Bau-Aufgaben, die nichts mit der Medizin zu tun haben, versuchen wir trotzdem, die Kastrationen in den Gemeindekliniken aufrecht zu halten. Ebenso stehen wir allen Notfällen wie gewohnt zur Verfügung. Jetzt zahlt sich die Größe, zu der der Tierärztepool inzwischen angewachsen ist, aus. Keiner sitzt rum, keiner hat Langeweile, im Gegenteil. Die Versorgung der Tiere hat während des gesamten Bauprojektes immer Priorität.

Wir haben noch zwei Tage. Bis dahin muss das Dach des linken Hauses fertig sein, denn Andi schafft das unmöglich ohne Hilfe. Malte hat gestern noch bis weit in die Dunkelheit alleine die Dachbalken positioniert. Ecke und ich haben aufgegeben. Wenn es heute gut läuft, können Malte und Andi die Mauern bis zu den Dachbalken hochziehen und Freitag endlich die Paneelen aufschrauben. Verputzen, Fenster einsetzen und den ganzen Kleinkram wegarbeiten kann Andi auch ohne uns.

Wir haben am letzten Abend den Hausbesitzer eingeladen und all die Menschen, die uns geholfen haben, das neue NLR zu dem zu machen, was es jetzt geworden ist. Es war ein emotionaler Abend und das größte Lob sprach der Hausbesitzer selbst aus. Er hätte sich gewünscht, dass sein verstorbener Vater unsere Verschönerungsarbeiten sehen könnte. Damit haben wir wohl alles richtig gemacht und blicken auf mindestens 5 Jahre (so lange läuft unser Mietvertrag) stressfreie Zeit. In einer Station, die zwar drei Wochen lang sehr viel von uns gefordert hat und die wahrscheinlich erst in ein paar Wochen fertig gestellt werden kann, die aber ein absolut perfektes Kümmern um Notfälle erlaubt. Alle Tierärzte und Helfer sind begeistert und freuen sich darauf, die schwerverletzten Tiere gut unterbringen zu können.
Und als hätte der zugeklebte Karton mit dem, aus seinem Innen kommenden, kläglichen Miauen, davon gehört, sind die ersten Gäste bereits eingezogen. Melanie hat aus dem Tierheim Heraklion einen weitern Patienten eingeladen, eine Hündin mit Beckenbruch.

In diesem Vergleich schmunzeln wir Bauarbeiter. Sind unsere, in den letzten drei Wochen entstandenen Wunden doch ein Klacks gegen Verdursten oder Verrecken. Einer der Helfer hat sich die Ferse verletzt, als eine Schleifscheibe brach. Malte ist umgeknickt und humpelte drei Tage lang. Oliver ist inzwischen wieder zuhause und sein Sonnenbrand hat sich in kleinen Schichten von der Haut abgelöst. Ich habe mir einen Eisenpfeiler ins Gesicht gerammt, aber, wie gesagt, es sind alles nur Kleinigkeiten. Danke an Euch alle, die diesen Umbau ermöglichten. Danke an wahre Tierfreunde, die nicht nur verbale Phrasen klopfen, sondern bewiesen haben, das der eiserne Wille Berge versetzen kann.

Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht und das Ergebnis wird mich immer daran erinnern, wie wunderbar Teamarbeit funktionieren kann. Es war sehr beruhigend, Menschen um mich zu haben, die fachlich genau wissen was sie tun und es mir erlaubten, die Verantwortung abzugeben.
Diese Menschen habe ich auch für den medizinischen Bereich gefunden, sie bilden den Vorstand, die hüten die Kasse, sie kümmern sich um die Notfälle, sie pflegen, sie putzen, sie fahren, sie füttern usw.
Ohne Euch wäre die Arche nichts.
Danke, Thomas


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