Wenn Träume wahr werden... 01.01.2016 New Life Resort

Ein Bericht von:
Ines Leeuw
Tierärztin

Dieser Text ist ein Auszug aus unserer aktuellen Veröffentlichung, dem "Report #25".
Das gesamte Heft kann hier geladen werden: Link zum Report
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Bei jedem Kastrationseinsatz passiert das Unvermeidbare. Nie wissen wir, wie das Tier aussieht, welches Schicksal es hinter sich hat, welche Verletzung es mit sich bringt und wie viel Zeit die anschließende Betreuung des Notfalls in Anspruch nimmt. Der Notfall kommt manchmal allein, manchmal gleich in doppelter oder dreifacher Ausführung. Oftmals warten auch Tierschützer auf uns mit einem besonders kniffeligen Fall, der nicht einfach wieder auf die Straße gesetzt werden kann. Für die intensive medizinische Betreuung (siehe Maila) sind wir schließlich da. Sobald wir unseren neuen Schützling kennengelernt haben, läuft alles schon fast ohne Beteiligung des Hirns ab. Wir wollen einfach helfen und das Beste für dieses Hunde- oder Katzenschicksal bewirken. Wenn die Notfälle zu uns gebracht werden, durchleben sie eine Transformation.

Aus dem unbekannten und ungeliebten Tier wird ein Individuum, das ein besseres Leben verdient. Wir kümmern uns nicht nur um die körperlichen Gebrechen, sondern müssen auch die verletzten Seelen unserer Tiere versorgen. Bisher haben wir all dies neben unserer täglichen Kastrationsarbeit irgendwie erledigen müssen.Ines Leeuw

Wenn wir unterwegs waren, war unser Intensivpatient meist mit von der Partie, damit eine mehrmals tägliche Behandlung gewährleistet werden konnte. Sicherlich eine Gratwanderung für das Tier und uns, aber irgendwie musste es ja weitergehen. Wenn unser Notfall dann endlich den Kampf gegen den Tod überstanden hat, wenn wir die Infusionsschläuche abbauen können, die Verbände nicht mehr gewechselt werden müssen und wenn nicht mehr darauf geachtet werden muss, dass der gebrochene Knochen in Ruhe heilen kann, dann wollen wir unseren neuen Schutzbefohlenen mehr bieten können als ein warmes weiches Plätzchen in einer Box. Sie sollen die Möglichkeit haben, weiches grünes Gras unter ihren Pfoten spüren zu können, sie sollen Sozialkontakte erleben können, die Hunde sollen den Platz und die Möglichkeit haben, spielen, rennen und springen zu können. Die Katzenkinder sollen einen Erlebnisspielplatz erkunden können. Im Wind sich wiegende Blätter sollen gefangen werden, kleine und große Bäume sollen erobert werden. Sie sollen Fangen und Verstecken spielen können, um traumatische Erlebnisse aus der Vergangenheit zu vergessen, um in ein neues Leben eintauchen zu können. Bisher war das nicht möglich!

So sehr wir uns auch Mühe gegeben haben, die "Stationshunde" mehrmals täglich auszuführen oder die Katzen für einige Stunden den Sonnenschein genießen lassen zu können, es war nie genug. Oft haben meine Kolleginnen und ich davon geträumt, wie schön es für alle Beteiligten wäre, wenn man ein kleines, feines und abgelegenes Plätzchen für unsere Schützlinge und uns finden könnte, wo all diese Träume wahr werden könnten.

Aber Träume bleiben meistens Träume! Manchmal werden sie jedoch erhört. Ein englisches Ehepaar musste leider aus sehr traurigen Gründen seine Rückreise nach England antreten und Heim und Herd auf Kreta sehr überstürzt zurücklassen. Für uns die Gelegenheit für unsere geschundenen Schützlinge einen Zufluchtsort aufzubauen. Nun bin ich in der glücklichen Lage, Ihnen heute einige unserer Gäste vorstellen zu können. Unsere Rentnerbande: Lekos ist 14 Jahre alt. Sie spürt, dass ihre Knochen ihr oft den Dienst versagen und sie nicht mehr wie ein junger Hund über das Gelände sprinten kann. Trotzdem genießt sie es, in dem großen Garten umherzuwackeln, ihre Runde um die Olivenbäume zu drehen und den Hühnern und Schafen mal "Guten Tag" zu sagen. Man spürt sie kaum und bei uns kann sie ihren Lebensabend genießen. Dennis ist 11 Jahre alt und blind. Er stammt aus dem alten Tierheim aus Nerokouro und hat als junger Hund jede Krankheit der tiermedizinischen Fachbücher gelesen und offensichtlich hinter sich gebracht. Es ist ein Wunder, dass er das recht unbeschadet überlebt hat. Hier kennt er jeden Grashalm und jeden Baum. Jeden Tag dreht er mehrmals seine Runden. Manchmal kommt ihm eine Katze in die Quere, die dort sonst nicht rumsteht, und wird von ihm umgerannt. Seine Ohren funktionieren noch ausgezeichnet und er bekommt immer mit, wenn Besuch kommt, was er uns sogleich mitteilt.

Leo ist ein 10 Jahre alter und mittlerweile sehr gebrechlicher Schäferhund. Seine alten Knochen fordern aber jeden Tag einen Spaziergang durch die Nachbarschaft. Schließlich muss man ja wissen, wer so unterwegs ist. Auch wenn er seine Beine nicht mehr so gut anheben kann und seine Schritte mit der Zeit gemächlicher und langsamer geworden sind, ist er immer noch in der Lage, seinen Ball zu holen, wegzukicken und wieder einzufangen. Jacky wurde uns von einer Tierschützerin aus einem Hotel in Rethymno gebracht. Sein rechtes Vorderbein ist wahrscheinlich einem Autounfall zum Opfer gefallen und eine Amputation war unumgänglich. Danach wollte das Hotel den verkrüppelten Kater nicht zurückhaben. "Schlecht fürs Geschäft!", kam als Begründung. Aber davon abgesehen, was wäre im Winter geworden, wenn das Hotel schließt und die Katzen auf sich selbst gestellt sind. Er hätte es schwerer gehabt, sich Nahrung zu besorgen. Mittlerweile, nachdem er sich bei uns eingelebt hat, haben wir die Tür seines Geheges immer offen und er darf unser All-Inclusive-Angebot annehmen, was er auch tut.

Tarzan wurde als einäugiges Katzenkind auf der Straße in Kalives gefunden. Sofort war klar, dass er unsere Aufmerksamkeit braucht. Nachdem wir ihn operiert und sein kaputtes Auge entfernt hatten, sollte er eigentlich wieder auf die Straße zurück. Um uns vom Gegenteil zu überzeugen, ist er in den Hungerstreik getreten. Drei Tage hing er am Tropf, viele Male musste er mit einer Spritze und pürierten Leckerbissen zwangsernährt werden. Als er uns endlich Anlass zur Freude geben konnte und die von Christinas Taschengeld eingekauften 5- Sterne-Katzenmenüs selbständig zu sich nahm, wäre eher ich als er auf die Straße gesetzt worden. Wir durften beide bleiben.

Maiko, unser rotes dreibeiniges Katzenkind hat schon am ersten Tag mit seinem Charme alle Gesetze außer Kraft gesetzt. Sein rechtes Hinterbein war so stark entzündet, dass auch noch nach der Amputation die Gefahr einer aufsteigenden Infektion bestand. Nach 10 Tagen in der Quarantänebox war sein Übermut so groß, dass er mit den anderen Katzenkindern Olivenbäume erkunden wollte.

Harry ist ein großer schwarzer Rüde, der ursprünglich mit einer schlecht heilenden Wunde am Hinterbein zu uns kam. Mehrere Jahre hatte er bereits bei unserer Vorgängerin verbracht. Seine äußerliche Wunde ist verheilt, aber seine seelischen Verletzungen sind immer noch da. Er ist quasi unser Erbe. Dazu gehören übrigens auch noch drei altersschwache Schafe. Uwe, Holger und Isolde sind bereits 14 Jahre alt und sollen so lange bei uns bleiben, wie sie es mögen. Mittlerweile warten sie morgens geduldig auf uns, denn auch hier geht die Liebe durch den Magen. Den täglichen Leckerbissen können sie nicht widerstehen.

Auch 14 Hühner gehörten bei der Übernahme zu unserem NEW LIFE RESORT. Sobald wir aus der Haustür treten, versammeln sich unsere 14 Damen geschlossen. Kaum dass wir Kurs Richtung Futterraum nehmen, beginnt ein Wettrennen. Jede unserer gefiederten Freundinnen möchte zuerst am Futterplatz sein.

Esmeralda wurde von Tierschützern mit ihren Katzenwelpen in einem Graben gefunden. Offensichtlich hatte sich jemand nicht nur den leidigen Nachwuchs vom Hals schaffen wollen, sondern direkt auch den "Übeltäter"mitgeschickt. Zumindest hatten die drei Katzenwelpen ihre Mutter an ihrer Seite, so dass die Nahrungsversorgung gesichert war. Die Tierschützer nahmen die gesamte Katzenfamilie auf. Leider wurde Esmeralda einige Tage später vergiftet. Bewusstlos wurde sie zu uns gebracht. Auch nach drei Tagen Dauertropf und vielen Medikamenten konnte keine Besserung festgestellt werden. Christina, unsere Katzenflüsterin, wollte aber noch nicht aufgeben. Tag und Nacht überwachte sie ihre Behandlung. Am vierten Tag reagierte Esmeralda schwach auf äußere Reize.

Am fünften Tag nahm sie ein wenig Nahrung zu sich und Christina weinte vor Erleichterung. Über eine Woche dauerte es noch, bis sie wieder laufen, springen und selbstständig essen und trinken konnte. Ihre Stimme hatte sie jedoch schneller wiedergefunden und so erinnerte sie uns ständig daran, dass sie nach Hause zu ihren Babys muss. Die Katzenkinder wurden glücklicherweise von den Tierschützern versorgt. Als Esmeralda wieder zu ihnen konnte, waren sie schon ein gewaltiges Stück gewachsen, fraßen schon selbst und brauchten ihre Mama nicht mehr. Agapi kam ebenfalls als Notfall zu uns. Sie hatte offensichtlich Komplikationen bei der Geburt. Zwei bereits tote Katzenbabys hatte sie zur Welt gebracht. Sie konnte nicht aufhören zu schreien und wurde schließlich zu uns gebracht. Während der Not-OP stellte sich heraus, dass ein weiterer toter Katzenwelpe in ihrer Gebärmutter steckte.
Wäre sie später zu uns gekommen, wäre sie an einer Blutvergiftung gestorben. Nachdem sie sich erholt hatte, wollte sie keiner mehr zurücknehmen.

Joey kam von einer anderen Tierschützerin zu uns. Er wohnte bereits mehrere Jahre bei ihr und war mittlerweile auch in die Jahre gekommen. Jedes Mal, wenn wir ihn sahen, wurde er dünner und dünner. Seine beiden Kniegelenke sind so arthrotisch verändert, dass ihm jeder Schritt Schmerzen bereitet. Auch seine Nieren arbeiten nicht mehr so, wie sie sollten. Nachdem wir Joey ein wenig aufgepäppelt haben, soll er seinen Lebensabend bei uns und unserer Rentnergang genießen. Sein Leben war hart und unerfreulich.Er soll wenigstens für wenige Monate oder ein Jahr das Gefühl haben, dass das Leben auch schön sein kann. Er ist sehr genügsam und freut sich über sein Dosenfutter, seine Medikamente, über uns, über die Katzen, die ihn besuchen kommen und über das Dasein an sich.

Neben den bereits erwähnten Katzenkindern gibt es noch Noah, Curry und Kozani, sowie eine Katzenrentnergruppe. Sie alle können die sichere Freiheit dieses Grundstücks genießen. Plastikmäuse und Insekten fangen ist eine Beschäftigungstherapie und keine Notwendigkeit zum Überleben.

Für sie alle suchen wir ein endgültiges liebevolles Zuhause oder einen Paten, der uns bei ihrer Versorgung unterstützt. Wie Sie zwischen den Zeilen herauslesen können, ist das NLR nicht nur eine Aufbewahrungsstelle für Tiere oder ein Tierheim. Es ist eine Zuflucht für alte, kranke und verwahrloste Tiere. Ein Ort, an dem die Tiere sich in Ruhe von ihren seelischen und körperlichen Strapazen erholen können. In dieser Zeit sollen sie nicht nur in Boxen oder Gehegen gehalten werden, sondern am Leben teilnehmen dürfen. Natürlich müssen und wollen wir unsere Schützlinge vermitteln, damit Platz geschaffen werden kann für die nächste Generation hilfsbedürftiger Tiere. Deshalb: Bitte geben Sie einem unserer Schützlinge ein liebevolles Zuhause oder unterstützen Sie sie und uns mit einer Patenschaft.


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