Wir sind doch keine Henker! 11.06.2015 Tierschicksal

Ein Bericht von:
Ines Leeuw
Tierärztin

Die Tage auf Kreta sind immer arbeitsreich. Auch heute stand uns ein langer Arbeitstag bevor. Angekündigt waren über 30 Hunde und jede Menge Katzen zur Kastration. Uns war klar, dass wir den Sonnenuntergang am Meer mal wieder nicht mitbekommen würden...

Dass wir von Notfällen nicht verschont bleiben, haben wir Ihnen schon des Öfteren vorgestellt und Sie um Hilfe gebeten. Ihre Anteilnahme an Tierschicksalen, die verletzt den Weg zu uns finden, bestärkt uns, dass wir mit dem Retten dieser Tiere auf der richtigen Spur liegen.
Selbstverständlich wissen wir es aber auch zu schätzen, wenn Sie uns bei den Kastrationsaktionen unterstützen, denn schließlich hat bisher noch niemand den Erfolg unserer Arbeit gesehen. Denn er wird ja gar nicht erst geboren :-)

Diese beiden kleinen, rot-weißen, hilflosen Geschöpfe, um die wir uns an diesem Tag als erstes kümmern sollten, allerdings schon. Die Welt hatte sie ausgespuckt und sie nicht nur alleine gelassen, sondern auch noch mit Viren behaftet, die ihre Augen mit dem Krankheitsbild "Katzenschnupfen" endgültig zerstört hatten. Am Müllplatz hat man sie gefunden und wer soll sich um blinde Katzen kümmern? Also lag ein Zettel auf der Box: "bitte einschläfern".

Ich denke, die meisten von Ihnen kennen mich, meine Kolleginnen und Assistenten inzwischen so gut, dass sie die Wut auch durchs Internet spüren können, die in uns hoch kroch. Wer zum Teufel sind wir? Henker? Haben wir uns auf den Tierschutz eingelassen, um alles was schielt, hustet oder humpelt umzubringen? Haben wir eine Ausbildung zum Metzger gemacht oder sind wir Tierärzte geworden?

Wir beherrschen uns, kochen aber in uns rein. Ist hier die Mühe, die Kleinen aufzupäppeln, zu viel Arbeit? Sind es die Operationen, deren Kosten eh niemand anderes trägt, als der Förderverein und damit unsere Spender? Gibt es einen einzigen von Ihnen, der sagt: "die sind es nicht wert?" Bloß weil sie nicht mehr sehen können?

Haben Sie die Lebensfreude eines blinden Tieres schon mal erlebt? Haben Sie gesehen, wie die anderen Sinnesorgane die Aufgabe der Augen übernehmen und blinde Tiere fast keine Einschränkung erleben?

Meine Kolleginnen und ich sind uns auch ohne Blicke sofort einig, dass unsere Station wieder zwei Gäste mehr aufzunehmen hat. Taktgleich kommuniziert unser Herz. Wir könnten auch blind sein und würden uns trotzdem verstehen!

Was uns aber in aller Deutlichkeit stinkt, ist die Tatsache, uns als Mülleimer zu missbrauchen! Ein krankes Tier, welches kein Intensivpatient ist, muss nicht in unsere Obhut. Darum kann sich auch der vermeintliche "Tierschützer" weiterhin kümmern, der die Verantwortung der "Hilfe" übernommen hat. Aber nein, offensichtlich ist die Lösung "einschläfern" die einfachste.

Weder blinde Katzen noch wir sind Abfall!
Ihre Ines Leeuw


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