Calimero sucht ein Zuhause

Anfang Februar stand das im Süden von Kreta gelegene Örtchen „Ierapetra" auf unserem Kastrationsplan. Das war zu der Zeit - viele können sich noch daran erinnern - als die Welt noch normal war. Zumindest die unsere.

Was eher weniger normal war, war der kleine Hund mit seinem dicken Bauch, den eine Tierschützerin auf dem Arm hielt und uns um Hilfe bat. Der dicke Bauch war das eine und gewiss auch kein besonders kniffeliger Fall, denn verwurmte Welpen gehören zu dem Tagesgeschäft eines jeden Tierschützers. Nein, es war vielmehr die Tatsache, dass der Zwerg deshalb ein Zwerg war, weil seine Geschwister gut und gerne doppelt so groß waren wie er.

Eine hochgradige Anämie, bestätigt durch die eingeleitete Blutuntersuchung auf Ehrlichiose, war der dritte verdächtige Befund.

Wir berieten die Tierschützerin, gaben ihr Medikamente gegen dicke Bäuche, Ehrlichiose, und weiß der Kuckuck was noch alles mit und verloren den Zwerg aus den Augen.

Aber leider nicht aus dem Sinn.

Antonia blieb noch einige Zeit länger auf Kreta, ich hingegen flog heim. Mit den Gedanken einer sorgenden Mutter, beziehungsweise den Fragen im Kopf, was der Zwerg wohl macht, ob es ihm gut geht und was denn nun die Ursache für seinen Zwergwuchs sei? Hat er damit überhaupt eine Überlebenschance?

Nicht, dass ich nicht genug Tiere zur Vermittlung habe, nicht dass ich nicht schon viel schwerer verletzte Hunde gesehen habe, nicht dass ich nicht die Arbeit kenne, die Welpen verursachen. Und natürlich kenne ich auch die OP-Kosten, wenn es etwas Ernstes ist, was nur in Deutschland bei Spezialisten operiert werden kann. Aber was nützt diese ganze Erkenntnis, wenn die Augen sich begegneten. Wenn man das Versprechen gibt. Eher sich selber, als ausgesprochen dem Tier (welches es ja eh nicht versteht). 

Ich sah mich inneren Auges schon wieder Taxi fahren um die Kosten reinzuholen…

Antonia versuchte mich zu beruhigen. Bei unseren Telefonaten fragte ich nach dem Kleinen und sie erzählte mir von seinem Zahnwechsel und dass er auch schon ein bisschen zugenommen hatte. Frau Doktor stand mit der Tierschützerin in Verbindung.

Im März traf ich Antonia auf Rhodos. Ein Einsatz, sozusagen an der Coronakrise vorbei, sollte stattfinden und wir alle waren zuversichtlich, dass wir die Kastrationen bis zum geplanten Ende durchführen könnten, denn auf Rhodos gab es nicht einen einzigen positiven Fall. Daraus wurde nichts, aber das nur am Rande.

Viel wichtiger, und so etwas wie ein Sonnenstrahl, war für mich die Frage von Antonia, ob ich mir vorstellen könnte, meinen Kreta-Zwerg aufzunehmen, um ihn in Deutschland mal durchchecken zu lassen. 

Mein Herz hüpfte durch den OP und nahm meinen ganzen Körper mit. In diesem Moment war mir selbst Corona egal.

Am 20. März floh Marga mit einem der letzten Flieger aus Kreta, da auch dort die Beschränkungen immer stärker wurden. Ich muss ihnen darüber sicherlich nichts berichten, sie alle kennen die seitdem ausgerufenen Maßnahmen. Was Sie aber nicht wissen, ist, dass Calimero ebenfalls in der Maschine saß und Marga mir damit einen riesigen Gefallen tat. Am liebsten wäre ich ihr in Hamburg um den Hals gefallen, aber das hatte sich ja erledigt.

Nun stand auf meinem Beifahrersitz eine Box, deren Inhalt aussah wie acht Wochen, nachweislich aber das stolze Alter von fast sieben Monaten erreicht hatte.

Irgendetwas stimmte hier nicht und ich wählte die Nummer der Tierklinik in Flensburg, deren Hilfe wir schon so oft in Anspruch genommen haben.

Es fand statt: ein kompletter Hundecheck. Ultraschall von oben bis unten: Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse, Herz. Blutabnahme. Eine besondere Untersuchung, um einen Lebershunt auszuschließen. Und vieles mehr. Er musste fressen, danach wurde wieder Blut abgeben und der Tag streckte sich dem Abend entgegen. Die Wartezeiten verbrachten wir mit einem Mittagsschläfchen, kuschelig im - durch die Frühlingssonne erwärmten - Auto.

Nach fünf Tagen dann das befreiende Endergebnis: mein Schatz hat nichts. Er ist kerngesund. Ok, im Kern vielleicht nicht ganz, denn eine genetische Wachstumsstörung wird ihn ein ganzes Leben lang begleiten, aber der Rest ist völlig in Ordnung.

Und wen stört das? Mich nicht!

Sie vielleicht? Falls nicht, rufen Sie mich einfach an. Calimero ist ein freches, kleines (wortwörtlich) Kerlchen geworden, welches den Großen in meinem Rudel kräftig die Meinung sagt. Und er ist bereit, Sie auf Ihren Wegen zu begleiten. Sonnig sollten diese sein und nicht in aller Herrgottsfrühe stattfinden, denn er ist ein Langschläfer und ein Schönwettterhund. Bei Kälte und Regen reicht eine Runde um Ihre Buchsbaumhecke.

Calimero ist ein Jagdhund-Mix und somit extrem aktiv. Wir suchen für ihn ein Zuhause mit sicher eingezäuntem Garten, viel Auslauf, Platz zum Toben und Menschen, die sich in der Lage sehen einen Hund konsequent zu erziehen und ausreichend Zeit haben, sich um einen Hund wie Calimero zu kümmern.

Ihre Sabrina