Gigantos sucht ein Zuhause

Es geht hier um eine Größenangabe, nicht um das Gewicht. Ein Hund, der normalerweise um die 40 kg wiegen sollte und uns mit knapp über 20 kg vorgestellt wird, bewegt etwas in mir. Seine Augen blicken mich stumpf an. Er scheint zu wissen, dass er krank ist.

Ich frage nach. Was hat dieser Hund? Im Tierheim zucken alle mit den Schultern. Der Tierarzt kannte ihn nicht einmal.

Ich streichle ihn, zugegeben mit etwas Vorsicht, denn sein Maul könnte meine Hand ohne weiteres verschlucken. Seine Antwort: ein kurzes Lecken über meinen Arm.

Und schon ist es um mich geschehen. Diese Bindungen in Sekundenschnelle sind auf der einen Seite das wundervollste, was Mensch und Tier verschweißen kann, auf der anderen Seite aber auch die Hölle, denn ich kann nichts für ihn tun.

Nichts?

Na dann ist die Rechnung wohl ohne Klüßi gemacht worden.

Mein Team hat es mitbekommen. Melanie am OP-Tisch brauche ich nicht zu fragen, Antonia auch nicht.

Und schon geht es los: Pläne, Verschwörungen, geheime Missionen, nicht nachvollziehbare Transporte und bei der Rückreise von Kreta sitzt Gigantos wenige Wochen später mit Melanie und Thomas im Auto und fährt nach Deutschland.

Was er und ich und das Team in dieser Zeit alles anstellen mussten, um meinen Riesen zu mir nach Deutschland zu bekommen, verschweige ich. Nur soviel: in seiner Pflegestelle in Nordgriechenland bekam er Durchfall. Da er das Alleinsein nicht sonderlich mag, fing er an die Papiere auf dem Schreibtisch zu lesen und zu sortieren. Blöderweise fielen einige auf den Boden, wo ja schon andere Dinge von ihm lagen…

Über einen Hundetransporteur fand er den Weg nach Athen, wo Melanie und Thomas ihn bei einer befreundeten Tierärztin aufgabelten.

Als ich hörte, dass er auf dem Wege durch Italien in Kürze bei mir sein würde… endlich!

Doch dann die Nachricht von Melanie: unser dünner Riese mag keine Katzen. Verflucht! Ich habe einige Freigänger zuhause, die ich nicht opfern möchte. Ein paar Tage kann Gigantos in München bei Melanie bleiben, aber auch sie hat eine schwer verletzte Katze bei sich aufgenommen und Gigantos möchte sie aufessen.

Nun ist guter Rat teuer, denn es muss eine Lösung geben. Aber Gigantos kann nicht irgendwo hin, denn seine Krankheiten müssen behandelt werden. Gerade die Herzwurmtherapie ist nicht ohne und soll in Melanies Händen bleiben.

ACE!

Mit diesem Verein arbeiten wir schon lange zusammen und wer das griechische Tierheim kennt, kann sich vorstellen, dass das in Deutschland in keiner Weise hinterherhinkt.

Wenn ich aber eins bei der Arche gelernt habe, so weiß ich, dass eine Tierrettung, die in letzter Konsequenz andere zum Ende führen müssen, nicht die Art Tierschutz ist, die für uns obligatorisch ist. Ich wollte Gigantos retten, ihm einen Neustart ermöglichen. Ich habe mich für ihn eingesetzt, ihn aus dem sicheren, siechenden Tod gelockt, dann muss ich mich auch bis zu seiner endgültigen Vermittlung um ihn kümmern. Aber wie, habe ich doch einfach nicht geglaubt, dass mein gutmütiger Riese Katzen nicht mag?

Aber das ACE-Team lässt mich nicht hängen und Gigantos darf dort einziehen.

Obwohl ich es nicht mag, Berichte zu schreiben, so ist das das mindeste, was ich tun kann. Melanie übernimmt dort die medizinische Betreuung und Gigantos verspricht, an sich zu arbeiten. Der Hundetrainer Oliver hilft ihm dabei, hat mir versichert, dass ich einen ganz tollen Hund mitgebracht habe und meint, Gigantos wird sicherlich ein tolles Zuhause finden.

Helfen Sie mir dabei, meinen gutgemeinten „kleinen“ Fehler schnellstmöglich wiedergutzumachen und machen Sie Reklame für einen Hund, der ein traumhafter Begleiter ist. Der mit anderen Hunden wunderbar zurecht kommt. Der eine Souveränität ausstrahlt, die ihresgleichen sucht, und der, wenn er zugenommen hat und wie ein Tiger neben seinen neuen Besitzern herläuft, an Schönheit nicht zu überbieten ist. Selbst Samuel, der 9-jährige Sohn von Melanie, lief stolz mit Gigantos an der Leine spazieren und die Menschen blieben stehen und schmunzelten über dieses, fast gleichgroße Duo.

Gigantos, du bist ein großartiger Hund, kriegst ab jetzt genug zu essen, darfst gesund werden, aber sieh ein, dass die Buchhaltung nichts für Dich ist. Und Katzen auch nicht!

Deine Sabrina Klüßendorf