Jua sucht ein Zuhause

"Thomas, kannst Du noch Vermittlungstexte zu den Hunden im NLR schreiben?“, ruft Melanie mir zu, bevor sie zwischen Bergen von Kartons verschwindet. Die Lieferungen für die Kapverden, Kreta und Epanomi sind angekommen, wollen sortiert werden und offensichtlich wird meine Hilfe an anderer Stelle nicht gebraucht.

"Welche Hunde?“, versuche ich noch zu fragen, aber eine Antwort bleibt aus.

Ich krame in meiner Erinnerung der letzten Reise. Richtig, diese beiden müssen es sein.

Da ist zuerst Jua zu nennen, der Welpe.

Ich selber versuchte auf Kreta bei einem alten, mittellosen und taubstummen Mann acht Hunde für die Kastration zu fangen. Sie waren schrecklich ängstlich und ich wollte nicht wissen, warum. Zu ihrem „Herrchen“ hatten sie auf jeden Fall kein Vertrauen und die „Jagdszenen“ dauerten eine ganze Weile. Irgendwann verschwand der alte Mann und kam mit einem Welpen an, den er im Genick gepackt hatte, mir übergab und ich sah, wie die Hautfalte stehenblieb. Ein Zeichen von Austrocknung. Auch der Rest des Welpen sah nicht sonderlich nach Leben aus, so dass meine Alarmglocken schrillten. Die restlichen Welpen hatte er bereits an Nachbarn weitergegeben. Ich fragte, ob er Durchfall beobachtet hätte und er gestikulierte ja. Parvo ist hochansteckend, die Chancen dieses jungen Hundes in meiner Hand mehr als schlecht und die abgegebenen würden wahrscheinlich gar nicht mehr leben. Ich lies mit Hilfe der Tierschützer, die diesen Fall bei uns gemeldet hatten, übersetzen, dass sein Überleben am seidenen Faden hängen würde. Ich glaube, der Grieche verstand überhaupt nicht, was ich damit sagen wollte. Er drehte sich um und holte einen anderen Welpen. In wenig besserem Zustand.

Solche Momente hassen wir! Die Gefahr, auch die noch gesunden Tiere durch eine Kastration zu schwächen und sie der Gefahr einer Infektion auszusetzen ist hoch. Sollte nach dem Eingriff etwas passieren, sind wir die Dummen. Also wurde der Welpe in Isolation gesetzt, seine Schwester oder Cousine, wie durch ein Wunder negativ getestet, nicht kastriert und die Erwachsenen unfruchtbar gemacht. Alles ging gut.

Jua, der kleine cremefarbene Welpe, stellten wie auf unserer Homepage bereits vor. Er kämpfte drei Tage mit schrecklichen Bauchkrämpfen um sein Leben. Medikamentös müssen wir an nichts sparen, unseren Sponsoren sei Dank!

So wurde er mit allem versorgt, was seinem Körper die Kraft geben sollte, den Kampf zu gewinnen. Da solche Infektionstiere isoliert und behandelt werden wie radioaktive Strahlung, habe ich den Kleinen auch kaum wahrgenommen. Melanie und ihre Mädels waren die Einzigen, die ihn behandelten.

Was soll ich sagen? Jua hat es geschafft. Und natürlich nicht irgendwo, sondern im NLR, welches die besten Möglichkeiten für Notfälle bietet. Wir reisten ab, und Christina Schomann übernahm die restliche Pflege. Und wie ich nun höre, hat Jua, damit er nach seiner Genesung nicht allein sein muss, seine Cousine wiedergefunden. Wer das in die Wege geleitet hat, habe ich noch nicht herausfinden können, aber auch das soziale Gesunden wird im NLR offensichtlich genauso großgeschrieben, wie das medizinische.

Somit werden in wenigen Tagen folgende Tiere zur Ausreise fertig sein und suchen noch einen neuen Besitzer (es versteht sich von selbst, dass sie nicht wieder dahin zurückmüssen, wo sie herkamen!):

Jua, ein typischer Kretaner mit seinem kurzen, hübschen, cremefarbenen Fell. Er hat Parvo überlebt. Inzwischen ist er aufgeweckt und total verschmust. Wir sind uns noch nicht ganz sicher, aber es kann sein, dass er und seine Cousine nicht alle Tonsequenzen hören können. Das ändert aber nichts an ihrer uneingeschränkten Lebensfreude.

Asali, seine rehbraune Cousine, ist noch etwas zurückhaltender als Jua. Sie wird ein Leben in einer liebevollen Familie in vollen Zügen genießen.

 

Wer möchte unseren lieben Schützlingen ein schönes Zuhause geben?