Leon sucht ein Zuhause

Ein Katzenkind hat unsere Herzen während eines einzigen Einkaufs erobert

Eigentlich wollten wir nur kurz ein paar kleine Einkäufe erledigen, denn unsere Kinder hatten Hunger. Wie Tausend andere Kinder und Erwachsene auch, dachte niemand an das Privileg von uns Menschen, in diesem Fall einfach den nächst besten Supermarkt anzusteuern. Eigentlich wäre das alles auch ganz schnell erledigt gewesen, ohne dieser Gnade Aufmerksamkeit zu schenken. Eigentlich.
Doch heute sollten wir daran erinnert werden. Etwas schmerzlich. Zumindest schrie es so unter irgendeinem der Autos und es war klar, dass da noch jemand Hunger hatte. Jemand mit vier Beinen, ohne Privilegien, ohne Gnade und ohne Geld.
Der Platz war zwar nicht ganz falsch, aber zwischen den an- und abfahrenden Autos eine Frage der Zeit, bis das Hungergefühl auf sehr brutale Art gelöst werden würde.
Mehr grau als weiß, mehr Haut und Knochen, mehr dünn als satt, so kam da was auf uns zu, was unseren eigenen Hunger innerhalb von Sekunden abstellte.
„Mama, der hat wohl Hunger“ schoss es aus dem Kindermund meines Sohnes und nicht nur das.
„Das ist hier aber ein viel zu gefährlicher Platz zum Futtersuchen“, schob mein Zwerg altklug hinterher. So altklug war der Satz aber gar nicht, denn Samuel hat schon mehr Tiere in seinen fast neun Jahren begleitet und gerettet, als manch ein Erwachsener.
Felsenfest und hartnäckig blieb er bei seiner Einschätzung. Weniger felsenfest stand allerdings ich zwischen der Kinderschar, denn ich sah unsere ziemlich volle Station vor meinem Auge und zählte die freien Boxen durch. Null.
Ohne Kontrolle über meinen Arm legte sich dieser um Samuels Schulter, zog ihn zu mir und ich hörte mich sagen: „Da hast Du wohl völlig recht, wir nehmen ihn mit!“
Mein Mund wollte was ganz anderes sagen, aber das, was meine Ohren da eben von mir hörten, war eindeutig. „Den nehmen wir mit!“ Ende.
Es gibt im NLR zwar die goldene Regel, dass nur verletzte Tiere in die Station kommen, aber hier zu warten, bis dem Zwerg irgendein Autoreifen die Beine gebrochen hatte, würde zu nichts führen :-)
Samuel hob die kleine Feder, die bis dahin unsere Beine nahezu professionell umschmust hatte, hoch, taufte ihn Leon und besiegelte damit eine neue Freundschaft.
Seit zwei Wochen kümmert sich Samuel nun um Leon. Die beiden sind in der Tat Freunde geworden und die ausgehungerte Feder ist zu einer kleinen Kugel angeschwollen.
Samuel weiß, dass wir uns wieder von ihm trennen müssen. Das ist der Deal. Aber welche Mutter mag ihrem Sohn verbieten, Leben zu retten?
Ich nicht.
Und so kommt es, wie es immer kommt, wir suchen eine Familie die… Sie wissen schon.
Melden Sie sich einfach bei mir oder Samuel und eine blütenweiße Kanonenkugel mit vier absolut gesunden Beinen kann bei Ihnen einziehen.

Ihre
Dr. Melanie Stehle