Mavro sucht ein Zuhause

Die Mittagssonne steht brütend heiß über uns. Schlechte Voraussetzungen, denke ich mir, um eine Katze zu finden, die hier irgendwo im Bereich des Hotels sein soll. Tierliebe Touristen hatten einen verletzten Kater entdeckt und uns gebeten, ihn abzuholen. Unter strenger Beobachtung des Hotelbesitzern machen wir uns auf die Suche nach dem Kater. Strenge Beobachtung deshalb, weil wir eine gesichtete weibliche Straßenkatze nicht zur Kastration mitnehmen dürfen - sie würde sonst weniger Mäuse fangen. Meine Laune sinkt. Dieses weit verbreitete Märchen ist so ermüdend wie die Geschichte, dass weibliche Tiere mindestens einmal geworfen haben sollten. Und das auf einer Insel voller Tierelend? Nichts, kein schwarzer Kater weit und breit. Wir erweitern unseren Suchradius und siehe da, ein leises Miauen im hohen Gras neben der Hotelanlage. Als hätte er unser Rufen gehört. Vorsichtig nehmen wir Kontakt mit ihm auf. Er scheint zurückhaltend, aber zahm zu sein. Aus dem Augenwinkel erkenne ich eine tiefe Wunde am Bein, die den darunter liegenden Knochen frei liegen lässt. ?Deine Schmerzen werden bald ein Ende haben, das verspreche ich Dir?. Vorsichtig setzen wir ihn in die Katzenbox und nehmen ihn mit.

Vier Wochen später erinnert nichts mehr an seine Verletzungen. Aus Mavro ist ein liebenswerter Schmusekater geworden, der alle um den Finger wickelt. Er ist jung, agil und voller Lebensfreude. Mit anderen Katzen und Hunden verträgt er sich gut. Leider hat der FIV-Test ergeben, dass er sich im früheren Leben daran infiziert hat. Ihn selbst stört das nicht. Er wird nur im späteren Leben eventuell das ein oder andere Mal die Hilfe von uns Menschen brauchen.
Wer möchte Mavro ein schönes Zuhause geben?