Patrick sucht ein Zuhause

Der Schattenboxer

Patrick unser Sonnenstrahl. Immer auf dem Sprung den Lichtschein zu fangen. Den Lichtschein seines Lebens.
Zugegebenermaßen war er schon ziemlich weit abgetaucht ins Reich der dunklen Schatten, aber in der Nähe von Antonia ist das gar nicht so einfach. Einschläfern sollte sie ihn, weil sein Hals und sein Kopf blutüberströmt war.
Was war los mit diesem niedlichen kleinen Kerl, der gerade und irgendwie sein erstes Lebensjahr mehr schlecht als recht hinter sich gebracht hatte? Genau das wusste keiner und des Rätsels Lösung sollte auch erst Monate später gefunden werden.
Patrick juckte sich. Sein Jucken war ein Kratzen. Immer und immer wieder. Aus dem Nichts heraus, bei Stress, ohne Stress, egal wann, eigentlich immer. Eine Chance auf Heilung als Straßenkater? Niemals! Aber wenn die Tierärzte des Tierärtzepools eins nicht können, dann ist es Aufgeben oder Nichtstun.
So wechselte Patrick die Lokalität, flog von Griechenland nach Deutschland. Im letzten Flieger vor Corona! Das war knapp…
Weniger knapp saß der Halskragen, der ihn ab jetzt schützen sollte. Eine große Tröte über den Kopf gestülpt zu bekommen, war für Patrick ein Unding. Kämpferisch wehrte er sich mit Händen und Füßen und zwang Melanie mehrmals, die Narkosespritze (Narkose! nicht Euthanasie) aufzuziehen. Aber im Laufe der Zeit gewöhnte sich unser Krieger an den Halskragen. Und nicht nur an den. Auch an Nathan, der bis dahin ebenfalls schon über ein Jahr bei uns auf einen Endplatz wartete. An Melanies Sohn, der seit dem nur noch mit zerkratzen Armen und Beinen rumläuft, denn eins können unsere Zwerge besonders gut. Kämpfen! Und da bleiben Kollateralschaden nicht aus. Aber keiner der Beiden ist einsichtig und so beginnen die ersten Raufereien schon morgens im Bett.
Und auch der Garten ist Patrick´s Lieblingserkundungsplatz und mit seinem Halskragen kann ihn auch der katzenneutralste Nachbar von allen anderen grau getigerten Samtpfoten, die sich um unser Haus herumschleichen, unterscheiden.
In dieser Zeit nahm Melanie Blut, Hautgeschabsel, machte Tests, schickt es weg, holte sich Rat bei Hautspezialisten, bestellte die komischsten Futtersorten und kam der Sache näher. Allergie!
Aber bis die richtige gefunden war, sollte es Monate dauern. Monate, in denen Patrick mit uns Spaziergänge unternahm, in denen er sich kämpferisch in unseren Sport einmischte, in denen er zum Freund von Samuel (und auch Samuels Freunden) wurde und in denen sich jeder von uns an das anschlagende Kratzgeräusch am Halskragen ab 4:00 morgens gewöhnt hatte.
Nun und nachdem endlich die Diagnose gefunden ist (Umweltallergie) möchte Patrick dem nächsten hilfsbedürftigen Schicksal aus Kreta seinen Platz anbieten. Wir und vor allem Samuel würden uns über langsam zuheilende Narben an Armen und Beine freuen, wissen aber schon jetzt, dass damit die eigentlichen Schmerzen erst anfangen. Denn in all den Wochen ist unser Schattenboxer ein Lichtstrahl geworden, der uns schon jetzt fehlen wird. Es ist wie immer - einfach schei…,sorry! - aber unser Schicksal will es offensichtlich so. Irgendwie in Dauerschleife. Diese Trennungen haben nur ein Gutes: es ist wieder Platz da für eine neue Liebe.
Patrick wird logischerweise auch nicht einfach so abgegeben. Wichtigste Voraussetzung: die neuen Besitzer müssen irgendeine Kampfsportart beherrschen. Oder eine Auszeichnung im Dauerschmusen haben. Und selbstverständlich einen großen Garten mit einem sicheren Umfeld, denn Patricks Neugier lies uns oft und lange und weit nach ihm suchen. Aber sicherlich ändert sich das, wenn er permanenten Ausgang bekommt, bei uns durfte er nur stundenweise in den Garten, weil wir Angst hatten, dass irgendetwas mit ihm und seinem Kragen passiert. Kinder und Hunde können nicht falsch sein, und sollte Ihnen letzteres fehlen, wissen wir Rat.
Wir werden für Patricks Allergie eine Desensibilisierungslösung herstellen lassen. 70% der Allergiker werden daraufhin besser oder vollständig ohne Juckreiz sein. Wir werden auch in Zukunft für Patricks medizinische Betreuung der neuen Familie zur Seite stehen, falls Bedarf besteht.

Ihr Thomas, Melanie und Samuel