Sandy sucht ein Zuhause

Als Tierärzte müssen wir jeden Tag Entscheidungen treffen. Entscheidungen, die das Beste für die uns anvertrauten Tiere sind und womit unser Gewissen zustimmt. Nicht immer ist es von Anfang an eindeutig, welches der richtige Weg ist. Täglich werden uns zu den Aktionen Katzenkinder gebracht, deren Augen von Katzenschnupfen zerfressen sind. Oft wäre es der leichtere und einfachere Weg, ein geschädigtes Auge mit einer Operation zu entfernen. Für uns zumindest. Keine zweimonatige Intensivbetreuung mit ungewissem Ausgang.

Aber für das Katzenkind? Steht ihm nicht noch das ganze Leben bevor? Ich bin gefrustet, denn eine einfache Lösung gibt es nicht, zumindest keine, die ich mit meinem Gewissen vereinbaren kann. Somit ist besiegelt, dass das Katzenkind unser Neuzugang wird. Unsere Kinder taufen sie Sandy, nachdem sie erfahren hatten, dass sie in einer Taverne am Strand nach Futter suchte.

Von all diesen Sorgen scheint Sandy nichts zu mitzubekommen. Sie ist ein überaus fröhliches, verspieltes Kätzchen. Stets bemüht, schnurrend eine streichelnde Hand zu ergattern. Sie ist ein Sonnenschein und für jede Familie ein Hauptgewinn. Bald hat Sandy ihre zweimonatige Intensivbetreuung des Auges geschafft und ich wage die Einschätzung, dass sie ihr Auge behalten darf. All die Mühe dankt Sandy pausenlos mit ihrem goldigen Wesen. Mittlerweile auf einer liebevollen Pflegestelle in München angekommen, würde sich Sandy auf ein zukünftiges tolles Zuhause mit Freigang freuen. Dies sollte aber unbedingt mit ihrer Freundin Salome sein, denn die beiden sind inzwischen unzertrennliche Freundinnen geworden.