Tierheime im Ausland töten? 10.12.2016 Gedanken

Ein Bericht von:
Thomas Busch und Gregor Uhl

Um eins vorwegzunehmen: Das Leid und die Anzahl der Streunertiere, die in diese Welt bereits geboren sind, ist unendlich und auch uns fällt für Millionen Tiere keine Spontanlösung ein.
Gerade deshalb möchten wir unsere, bis heute sehr erfolgreiche Arbeit weiterführen und mit unserem Credo "Kastrationen um Leben zu retten" dafür sorgen, dass Leid erst gar nicht entsteht und punktuell oder auch flächendeckend weniger wird.
Das Elend zu ertragen, wenn es uns direkt gegenübersteht und mit flehenden Augen um Hilfe bittet, ist extrem schwer. Erfreulicherweise gibt es sehr, sehr viele Menschen, die sich mit einer guten Tierschutzarbeit um eben dieses geborene Leid kümmern. Mit vielen dieser Menschen sind wir eine Symbiose eingegangen - zum Vorteil für die Tiere. Auf der einen Seite die Tierärzte, verantwortlich für die Gesunderhaltung und die Kastrationen, auf der anderen Seite die Tierfreunde, die sich rührend und aufopferungsvoll um die Hilfesuchenden kümmern. Unser steter Dank sei ihnen gewiss.
Aber leider gibt es auch Menschen unter diesen Tierschützern, die vielleicht Gutes im Sinn haben, aber... Und genau um dieses "Aber" geht es in diesem Artikel. Der Förderverein Arche Noah Kreta e.V. mit seinem integrierten Tierärztepool hat bekanntermaßen vor Jahren einen anderen Weg eingeschlagen und eine Nische erkannt, nämlich, dass viel zu wenig in den medizinischen Sektor investiert wird. Nicht nur finanziell, sondern auch fachlich. Die Arbeit der Tierärzte an der Front unterscheidet sich in fast allen Bereichen extrem von der Arbeit in einer deutschen Praxis. Darauf möchten wir in diesem Artikel aber nur peripher eingehen. Vielmehr ist es uns ein Anliegen die Situation außerhalb der Medizin zu analysieren, nämlich den Umgang mit dem bereits geborenen Leid.

Dieser Artikel beruht auf selbst erlebten Tatsachen, er bezieht sich auf Hunderte Besuche in Tierheimen, er durchleuchtet die Charaktere der Menschen, die sich im Tierschutz engagieren und zieht ein trauriges Resultat. Mehr als 15.000 Fotos liegen in unserem Fundus, viele davon sollte die Öffentlichkeit nie zu Gesicht bekommen. Relativ harmlose stellen wir Ihnen vor.
Unserer Schätzung nach arbeiten 80 % der im Ausland geführten Tierheime defizitär bzw. nicht effektiv. Mal mehr, mal weniger Existenz bedrohend für die Insassen. Betonen möchten wir aber ausdrücklich, dass es in vielen Ländern auch gut geführte Heime gibt.

Der Tierschützer

Was ist ein Tierschützer überhaupt? Ein Gutmensch? Ein Fachmann? Ein Auszubildender? Ein Biobauer? Ein Vorsitzender? Ein Engagierter? Ein Veganer? Ein Jäger? Anhand dieser Antworten erkennen wir die Komplexität. Jeder kann sich als Tierschützer bezeichnen, auch wenn er nur zwei Meerschweinchen in einem großen Auslauf hält. Tierschutz ist auch kein Beruf. Keine Ausbildung führt zum "Tierschützer". Daraus lässt sich folgern, dass sehr viel Unwissenheit und wenig Fachkompetenz mit diesem Begriff verbunden sein können. Hier liegt der erste Grundstein für die Zerstrittenheit der Tierschützer untereinander.
Frauen scheinen empathischer zu empfinden als Männer, zumindest ist ihr Anteil im Tierschutz größer. Sie sind oft im Umgang mit der eigenen Spezies Mensch sehr unsicher und geprägt von tief sitzenden Enttäuschungen des Lebens. Sie sind dominant und resolut, oft schwierig.

Haben Mitmenschen sie enttäuscht, finden sie Zuspruch in der Rettung von Tieren, denn das Tier ist im doppelten Sinne ein leichteres Opfer. Es kann sich nicht wehren und wedelt oder schnurrt fast immer. Mit der vermeintlichen Rettung und Aufdeckung des Elends rutscht man automatisch wieder in den Fokus der Mitmenschen. Man erfährt eine neue Wichtigkeit. Je geschickter man die anderen, vermeintlichen "Tierquäler" diskreditiert, desto heller leuchtet der eigene Stern. In zig Tierheimen, die wir besuchen durften, wurde über die "anderen" (die sich auch Tierschützer nannten) hergezogen, sie als "Tierquäler" bezeichnet, ohne zu erkennen, dass im eigenen Tierheim ein Wurf Welpen elendig an ansteckenden Seuchen dahinsiechte. Beißereien, Verhungern, Tod durch übertragbare Krankheiten wurden bei unseren Besuchen zu einem roten Faden - einem blutroten Faden - und unter den Deckmantel des "Tierschutzes" gekehrt.

Wir müssen aber unterscheiden, ob der Tierschützer in Deutschland arbeitet oder im Ausland. In Deutschland ist das Tierelend von Hunden und Katzen nicht derart präsent wie im Ausland. Manche Tierschützer / Tierheime arbeiten zwar auch an ihren finanziellen Grenzen, aber das liegt oft an einer unwirtschaftlichen Darstellung der geleisteten Arbeit. Dass es auch anders gehen kann, beweisen die reichen Tierheime der großen Städte. Hier finden wir in den Vorstandspositionen vorwiegend Männer, ausgestattet mit weniger Empathie als vielmehr mit einem Gefühl für Wirtschaftlichkeit. Als Maketingstrategen entdecken sie die Lukrativität. Es werden Hochglanzbroschüren gedruckt, in denen Sie die Beschreibung der eigentlichen Arbeit des Vereins vergeblich suchen. Es werden aufwendige Plakate entworfen, Drücker auf die Straßen geschickt, Berühmtheiten umworben. Dass das eingenommene Geld NICHT in sinnvollem Maße den Tieren zukommt und stattdessen in einer selbstliebenden Verwaltung abtaucht, haben wir oft genug erlebt.

Im Ausland hingegen werden die Tierschützer (auch die Männer) von dem Tierelend überrannt. Jeden Tag Neuzugänge, jeden Tag verletzte und kranke Tiere. Wer sich hier nicht ganz schnell und deutlich abgrenzen kann, hat verloren. Das Elend schlägt, ähnlich einer Welle, über den Menschen zusammen und ertränkt sie in einer Flut von Leid.

Die Baulichkeiten

Hastig zusammengenagelte Zwinger, Zäune aus Paletten und rostigem Draht. Manchmal gibt es betonierte Häuser, die aber kaum sauber zu halten sind. Keine, wenige oder defekte Hundehütten. Der Untergrund besteht oft aus Naturboden, der dermaßen verseucht oder bei Regen so durchnässt ist, dass er Keime und Krankheiten beinhaltet und diese immer wieder an Neuankömmlinge weitergibt. Ein ewiger Krankheitskreislauf. Jedes Tierheim erscheint immer zu klein oder anders formuliert: Es beherbergt zu viele Tiere. Kläranlagen oder Abflüsse sucht man vergebens. Der Kot wird eingesammelt, eventuell mit Wasser (falls Betonboden) in die Umgebung "weggespült". Zu ihm gesellt sich der Urin. Der Geruch ist unerträglich. Futterlager sind selten so angelegt, dass sie frei von Ungeziefer gehalten werden können. Ratten und Mäuse gibt es mehr als Hunde und Katzen. Sie übertragen Krankheiten! Über einen Tierarztraum oder eine ordentlich geführte Apotheke reden wir erst gar nicht.

Die Arbeiter

Wir finden ungeschulte Arbeiter, deren Aufgabe es ist, die Tiere am Leben zu halten. Sie sind nicht ausgebildet, haben keine Ahnung von der Fütterung, erkennen keine Krankheitsanzeichen, wissen nichts von Rudelzusammensetzung. Sie sind oftmals keine Einheimischen und tun für Geld fast alles. Die Liebe zum Tier ist selten die Motivation zu arbeiten. Ehrenamtliche, die ihren Urlaub nutzen, um "mal was Gutes zu tun", wuseln planlos durch die Zwingerreihen. Mit etwas Glück (oder Unglück!) schaut auch hin und wieder mal ein Tierarzt vorbei, der aber im seltensten Fall eine Ahnung hat von dem, was er da tut, er eh keine Lust hat und die Liebe zum Tier in seinem Vokabular nicht vorkommt. Wir haben Operationen gesehen - jede Euthanasie wäre dem Tier hilfreicher gewesen, wobei selbst dieser Bereich extreme Lücken aufweist.

Die medizinische Versorgung

Ein Tierarztbesuch kostet Geld. Bei manchen Krankheiten viel Geld. Das ist aber nicht vorhanden und so ist die medizinische Betreuung fast überall eine Katastrophe. Wir halten eine Zweifachimpfung für genauso wichtig wie die Fütterung. Der Infektionsdruck in Tierheimen ist enorm hoch und die ungeimpften Neuzugänge sind extrem gefährdet. Wie oft schon mussten wir beobachten, wie gesunde Tiere von der Straße eingesammelt werden und vier Wochen später einer Seuche erliegen. Ist das Tierschutz? Zu einem soliden Konzept gehört, dass ein großer Teil des Budgets für die Prävention und diverse Blutuntersuchungen bereitstehen muss! Gerade, wenn die Tiere ins Ausland verschickt werden. Eine vom Gesetz vorgeschriebene Tollwutimpfung reicht bei weitem nicht aus. Es muss im Abstand von 3-4 Wochen zweimal gegen fünf Viruserkrankungen geimpft werden. Hinzu kommt eine Parasitenbehandlung ebenso wie die Untersuchung auf Reisekrankheiten. Was zum Teufel bringt die "Rettung" eines Tieres (von der Kette "befreit") um anschließend zuzugucken, wie es immer dünner wird, weil es im Tierheim schwer krank geworden ist? Tausendfach mussten wir dieses Phänomen beobachten und sind bis heute ratlos, ob wir diesen Betreibern den Rücken kehren sollen (und damit den Tieren) und lieber da helfen, wo die Hilfe sinnvoll ist. Kaum haben wir ein krankes Tier diesen Menschen weggenommen, um es zu therapieren, ist der frei gewordene Platz einen Tag später wieder aufgefüllt und wir vereinbaren geistig schon wieder den nächsten Termin. Die Ausreden, warum das so ist, können wir inzwischen nicht mehr hören. Ihre geplante Spende können Sie besser gleich ins Klo spülen.

Und wenn schon kein Geld da ist, um die Grundsicherung zu gewähren, was passiert mit schwer verletzten Tieren? Diese landen nämlich auch in diesen "Tierheimen". Sie werden oft ihrem Schicksal überlassen, müssen sich mit ihrer Verletzung dann auch noch in ein völlig fremdes Rudel integrieren und leiden still vor sich hin. Mit Glück werden sie eingeschläfert, mit Pech gibt es eine Antibiose. Davon wächst aber kein Knochen wieder zusammen. Diesen Missstand haben wir auf Kreta abgeschafft und alle Tierschützer wissen, dass verletzte Tiere von unseren Tierärzten so behandelt werden, wie es sein sollte. Zur Not fliegen wir sie für komplizierte Operationen nach Deutschland.

Ein Wort noch zu den Tierärzten. Im allgemeinen Verständnis glaubt der Nichtmediziner "jeder Arzt kann alles". Ein riesiger Irrtum. In der Humanmedizin sind Spezialisierungen selbstverständlich. Sie gehen bei Zahnschmerzen ja auch nicht zum Orthopäden. Somit ist klar, dass nicht jeder Tierarzt operieren kann, einen Hautpilz ohne Technik erkennt und bereits am leisesten Husten oder Hecheln erkennt, dass da was nicht stimmt. Jahrzehntelange Erfahrung macht diesen Beruf aus. Oder eine spezielle Ausbildung. Diese erhalten unsere Tierärzte nicht von der Universität, schon gar keine praktische und so dauert das Erlernen einer Kastration bei uns mehrere Monate. Von Hundert Bewerbern entscheiden wir uns für einen Kollegen. Für Tierheimbetreiber ist es also ein reines Glücksspiel, im Ausland einen fähigen, bezahlbaren Tierarzt zu finden, der den Bestand kontrolliert.

Die Fütterung

Häufig finden sich skurrile Sammlungen von Lebensmittelabfällen in den Futtertrögen: Molkereiprodukte, die seit Tagen ungekühlt sind. Schimmliges Brot. Grob zerhackte Schlachtabfälle. Gar nicht so selten wird aus diesen Zutaten eine Pampe gekocht, die als Nahrungsbasis für die Insassen dient. Wenn ein Tierheim Glück hat, bekommt es Futter gespendet. Die Qualität zählt nicht, Hauptsache es macht satt.
Knochen verursachen Probleme im Magen-/Darmbereich, aber auch hier gilt: Wer es nicht schafft, hat Pech gehabt.

Die Insassen

Magere Gestalten, Schatten ihrer selbst, quittieren jede menschliche Anwesenheit mit Gebell, mit flehendem Drängen am Zaun, um wenigstens für einen kurzen Moment Aufmerksamkeit zu erhaschen oder mit einem aggressiven Knurren. Die Tage schleppen sich in stumpfer Gleichförmigkeit dahin, manchmal kommt es zu Beißereien, nach denen oftmals ein Kadaver übrig bleibt. Eingefangen durch wenig zimperliche Häscher, finden sich die Tiere, die vormals ein freies Leben auf der Straße führten, plötzlich eng gedrängt mit zig Artgenossen wieder. Katzen neben Hunden, unabhängig davon, dass diese Tiere eine natürliche Scheu voreinander haben. Was machen überhaupt Katzen in einem Tierheim? Kastrationen, Bevölkerungsaufklärung und Futterstellen haben schon hundertfach bewiesen, dass man Katzen nicht einsperren muss.

Sengende Sonne und eiskalter Regen erwischen die Insassen schutzlos. Ruhe, um zu schlafen, existiert nicht. Immer wieder erhebt sich aus unzähligen Kehlen frustriertes Gebell. Ihnen wird nicht nur die Lebensqualität, sondern oft das Leben genommen - durch Artgenossen oder durch "Freund Mensch". Wenn schon kein Geld für eine anständige Fütterung vorhanden ist, dann wird es auch für Impfungen nicht reichen. Schon gar nicht für eine Boosterung (Zweitimpfung). Welpen mit einem geschwächten Immunsystem sind besonders anfällig.
Schwarze Säcke sind nicht immer nur gefüllt mit Kot und Abfällen...
In einem Tierheim, in dem wir selber lange Zeit arbeiteten, starben monatlich zwischen 50 und 70 Tiere. 50-70! Die Betreiberin wurde später mit einem Orden geehrt. Das zu dem Thema "fachliche Kompetenz".

Die Kosten

Wenn wir behaupten, dass ein Tierheim mit 150 Insassen monatlich 20.000 Euro kostet, können wir das auch beweisen, da wir mehrere Jahre eins führten. All die oben aufgeführten Punkte - von einer anständigen Fütterung bis hin zu einer lückenlosen medizinischen Betreuung - erfüllten wir. Vier Arbeiter waren eigentlich zu wenig, aber man muss es ja auch nicht übertreiben. Zwei Tierärzte waren angestellt und kastrierten a. im Tierheim sämtliche Tiere und b. auch die Tiere aus dem Umland. Ein monatlich stattfindender Transport der Tiere als "Abflussmöglichkeit" wurde organisiert. Es versteht sich, dass die Tiere in einem absolut gesunden Zustand reisten, inklusive der Reisekrankheiten-Ergebnisse. Sicherlich legten wir die Messlatte weit nach oben, es geht auch kostengünstiger. Aber wer uns erzählt, dass er 300 Tiere mit 5.000 Euro monatlich versorgt, dem widmen wir die Überschrift unseres Artikels. Und noch ein Phänomen konnten wir beobachten: All diejenigen, die ständig nach finanzieller Hilfe schreien, haben diese auch erhalten. Geändert hat sich an den traurigen Umständen aber nichts. Im Gegenteil: Mit mehr Geld wurde das Gelände erweitert und noch mehr Hunde eingesperrt.

Die Hilfeleistung / Das Finanzielle

Diese kommt meist aus dem Ausland, da in den süd- und osteuropäischen Ländern, in denen sich die Tierheime befinden, kein Interesse am Tierschutz vorherrscht. Somit gründen sich Vereine, deren Vorstand im Urlaub emotional völlig aus der Bahn geschmissen wurde, da er so ein Elend ja noch nie gesehen hat. Zuhause treten dem Vorstand die Nachbarn oder die Tennisfreunde bei. Anhand der leicht ironischen Wortwahl erkennen Sie die aufsteigende Problematik. Keine Ahnung von nichts - fehlende Fachkompetenz in allen Bereichen - der Umgang mit schwierigen Persönlichkeiten - hohe Emotionalität - kein Geld vorhanden... ein Pulverfass. Oder es wird erkannt, dass der Tierschutz auch ein lukratives Geschäft sein kann. Hierzu gibt es mehrere Modelle. Tränenreiche Vermarktung des Elends. Diese kostet in der Produktion so gut wie kein Geld. Bilder von gequälten Tieren findet man millionenfach, man muss sie nicht einmal selber fotografieren. Eine rührige Geschichte dazu und das an alle Haushalte verschickt. Es lohnt sich immer.

Ebenfalls kann man mit der Tiervermittlung Geld machen. Klein, aber straff organisiert werden Hunderte von Tieren durch Europa gekarrt und aus dem Kofferraum für kleines Geld angeboten. Man muss sie nicht einmal züchten, man muss sie bloß einsammeln. Verschickt man die Tiere ungeimpft, wird Geld gespart und der Gewinn erhöht, was in unserem Lande die neuen (naiven) Besitzer zu Tränen rührt, wenn ihr neues Familienmitglied an einer Viruserkrankung stirbt. Den deutschen Amtstierärzten treibt dies zu Recht die Röte der Wut ins Gesicht.

Es kam in der Vergangenheit aber auch anders. Große, finanziell gut gestellte Vereine bieten ihre Hilfe an. Sie winken den Tierschützern mit relativ hohen Geldbeträgen und haben dadurch die "Vermarktungsrechte". Sie stellen den Auslandstierschutz als "ihr" Projekt dar, verschicken dies an Tausende ihrer Mitglieder und vervielfältigen mit den eingenommenen Spenden ihr Kapital. Wohin dieses Geld dann fließt? Raten Sie.

Die Spender

Das sind Menschen wie Du und ich. Sie kommen aus allen Kreisen der Gesellschaft. Eins eint sie jedoch: Auch sie haben in der Regel sehr wenig Ahnung. Hier gibt es den tollen Begriff des effektiven Altruismus. Altruismus kennt kaum jemand, obwohl er das Gegenteil von Egoismus beschreibt. Also die "gute" Tat, die weniger einbringt, als sie kostet. Beispiel Spenden. Das Wort "effektiv" ist klar, jedoch in diesem Zusammenhang schwer verständlich. Auch hier ein anschauliches Beispiel: Würden Sie ein Auto kaufen, wenn es mit anrührenden Bildern und sülzigen Geschichten angeboten wird? Nein? Sie würden sich alles genau anschauen, eine Probefahrt machen, Bremsen und Kupplung testen. Sie würden es, so gut es geht, prüfen und gegebenenfalls sogar einen Gutachter zuhilfe rufen. Warum tun Sie das nicht, wenn Sie spenden? Ist es Ihnen egal, was mit Ihrem Geld geschieht? Möchten Sie keine Nachhaltigkeit unterstützen? Wollen Sie lediglich Ihr Gewissen beruhigen? Es ist Ihre Entscheidung.

Trotzdem wird es Ihnen fast nicht möglich sein, einen Tierschutzverein genau unter die Lupe zu nehmen. Erst recht, wenn sein Geschehen im Ausland spielt. Die Beurteilung eines Tierheimes fällt selbst uns, den Tierärzten, schwer. Nehmen wir doch immer nur den "Ist-Zustand" wahr. Die Betreiber sind wahre Erfinder ihrer eigenen Glaubwürdigkeit. Somit sollte der Zustand über eine längere Zeit zu einer Beurteilung herangezogen werden. Die wenigsten von Ihnen werden dazu in der Lage sein. Genau das tun wir aber und sind jedes Mal erschüttert, dass das mieseste Konzept (oder gar keins) immer wieder Spender anlockt, die sich nahezu genötigt fühlen, den armen Geschöpfen zu helfen. Leider sind aber nicht nur die Tiere krank, sondern oft die Betreiber.

Die Moral

Daran glauben wir schon lange nicht mehr, erst recht nicht, wenn wir Menschen begegnen, die zwei davon haben. Die allgemeine und die eigene: "Herr Ober, bringen Sie doch bitte fünf von den leckeren Lammkoteletts, wir haben gerade zwei Welpen gerettet." Und wir wissen auch, dass man sich selber nicht erhöht, indem man andere erniedrigt. Dieser Artikel soll niemanden oder seine Arbeit in Verruf bringen. Er soll die Chance bieten, Ihnen und vielleicht auch den Betreibern die Augen zu öffnen und die eigene Situation zu hinterfragen.

Wir alle sind tagtäglich an der Front und wissen, was es heißt, einem nach Hilfe flehenden Tier in die Augen zu schauen. Aber wir haben durch unseren Beruf in unendlich vielen Trainingsstunden und bei wochenlangen Einsätzen an der Front gelernt, dass eine solide Tierschutzarbeit nicht alleine mit dem Herzen vollzogen werden kann. Auch Sie als Spender sollten über den effektiven Altruismus nachdenken und sich informieren. Bei unserem Vorstand fragt nur ein Bruchteil unserer Spender nach unser Einnahmen/Ausgabenbilanz. Kaum einer ruft an und fragt nach unseren Verwaltungskosten, nach unseren Personalkosten. Warum nicht? Es ist kein Geheimnis und sollte Sie bei Ihrer Spende zu dem Verein führen, bei dem Sie das beste Gefühl haben, dass Ihr Geld nicht zu einem blutroten Faden wird.

Vergleichen Sie nicht nur die Vereine untereinander, sondern schauen Sie sich auch die Entwicklung des Vereins an, an den Sie spenden möchten. Sollte der Tierschützer nach 30 Jahren immer noch in seinem zugemüllten Häuschen sitzen und nur vor sich hinschimpfen, wäre Skepsis nicht die schlechteste Idee. Unsere aufgeführte Kritik lässt sich über nahezu jedes Tierheim stülpen. In unterschiedlicher Vehemenz. Wir möchten aber auch ausdrücklich betonen, dass es wahrhaft wundervolle Einrichtungen gibt, die zu Recht den Namen "Tierschutz" tragen dürfen. Und endlos viele Menschen, die eine wundervolle Arbeit verrichten. Diese zu diskreditieren wäre eine Schande. Somit liegt es an Ihnen, wem Sie vertrauen und wem nicht.


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